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Nun doch verschärfte Maßnahmen im Landkreis: Distanzunterricht für viele Schüler – Besuchsverbot in Altenheimen

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Traunstein: Keine verschärften Corona-Maßnahmen im Landkreis: nur Besuchsverbot in Altenheimen
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Bei der Eindämmung der Corona-Pandemie und der Festlegung des weiteren Vorgehens im Landkreis sucht das Landratsamt in Traunstein die Abstimmung mit der Staatsregierung in München. (Foto: Pültz)

Landkreis Traunstein – Ausgangsbeschränkungen erfolgen nicht, die Kindertagesstätten und die Schulen bleiben offen: Obwohl die Corona-Pandemie im Landkreis Traunstein so stark ausgeprägt ist wie nirgendwo anders in Bayern, sieht das Landratsamt grundsätzlich keine Veranlassung gegeben, die geltenden Auflagen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus zu verschärfen. Die Ausnahme: Die Behörde verfügt ein Besuchsverbot in Altenheimen.


Update vom Donnerstag:

Obwohl das Landratsamt den Präsenzunterricht im Landkreis so lange wie möglich aufrechterhalten wollte, werden nun nach erneuter Entscheidung – angesichts der weiter stark steigenden Infektionszahlen – ab Montag viele Schüler wieder nach Hause in den Distanzunterricht geschickt. Zum Bericht: Kein Präsenzunterricht ab Montag für viele Schulklassen im Landkreis Traunstein.

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Vorbericht vom Mittwoch:

Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt hat Landrat Siegfried Walch am Dienstag auf die Maßnahmen gepocht, die der Freistaat Bayern im Einvernehmen mit den anderen Bundesländern vor gut einer Woche erlassen hat – und die zu einem Teil-Lockdown geführt haben. Ob sie wirken, werde sich erst in zwei oder drei Wochen zeigen.

Zu den aktuellen Corona-Zahlen in der Region:

Dass die Inzidenz – die Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen – nun auch im Landkreis Traunstein so steigt und bereits 378 beträgt, überrascht den Landrat nicht.

So sei die zweite Welle der Pandemie in den vergangenen Wochen bereits in den bayerischen Nachbarlandkreisen – und auch im angrenzenden Österreich – zu Tage getreten. Und sie habe nun auch den Landkreis Traunstein erfasst. Laut dem Landrat war es bereits seit geraumer Zeit klar, »dass sie auch zu uns rüberschwappt«.

Das Landratsamt in Bad Reichenhall hatte auf den Ausbruch der Pandemie mit einer Verschärfung der Corona-Auflagen reagiert: Am Montag, 19. Oktober, verkündete die Behörde Ausgangsbeschränkungen und erlaubte den Bürgern das Verlassen der Wohnung nach 14 Uhr nur noch, wenn sie zur Arbeit fahren, nötige Einkäufe erledigen oder aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft suchen. Schulen und Kitas schlossen.

Derartige Verschärfungen – die mittlerweile wieder ausgelaufen sind – erfolgen im Landkreis Traunstein auf Anordnung des Landratsamtes nicht. »Wir haben eine andere Situation«, sagt Walch. Das Berchtesgadener Land sei damals deutschlandweit ein »Hotspot« gewesen, mittlerweile jedoch habe sich die Pandemie mit hohen Infektionszahlen flächendeckend in Deutschland – und damit auch in Traunstein – ausgebreitet. Angesichts der allgemeinen Lage sei ein erneuter »Sonderreflex« in einem Landkreis nicht angebracht. Vielmehr müsse man versuchen, gemeinsam den Ernst der Lage zu meistern.

Der Landrat setzt auf die Maßnahmen, die die Regierungen in Deutschland erlassen haben und die Anfang vergangener Woche in Kraft getreten sind. »Wir müssen abwarten, ob sie wirken«, betont Walch. Klar sei, dass jetzt nach so kurzer Zeit noch kein Ergebnis erwartet werden könne. Erst in zwei oder drei Wochen könne ein Fazit gezogen werden.

Trotz einer insgesamt »dramatischen Entwicklung« im Landkreis Traunstein sei die Lage insbesondere in den Altenheimen »noch relativ gut«. 31 Infektionen seien in den Einrichtungen aufgetreten: Zwölf Bewohner und 19 Mitarbeiter sind laut Walch an Covid erkrankt. Bemerkbar mache sich die Vorsicht, die man in den vergangenen Wochen und Monaten bereits habe walten lassen. Dennoch, so Walch weiter, wolle man nun die Sicherheit der Heimbewohner noch einmal erhöhen. So erlasse das Landratsamt nun ein Besuchsverbot, das den Teil-Lockdown begleitet und mit ihm in rund drei Wochen zu Ende geht.

Acht Schulen und ein Kindergarten sind nach Angaben von Walch »von Quarantäne betroffen«. Eine Schließung der Schulen erfolge jetzt nicht, ob sie möglicherweise einmal erforderlich wird, wenn die Zahlen weiter steigen, »können wir nicht ausschließen«. Der Landrat führt in diesem Zusammenhang aus: »Wir können nicht garantieren, wie lange der Präsenzunterricht noch aufrecht erhalten werden kann.« Und weiter betont er: »Wir behalten das Geschehen im Auge.«

In der Einschätzung der Lage und der Festlegung des weiteren Vorgehens handelt das Landratsamt nach Angaben von Walch eigenverantwortlich. »Von der Regierung in München haben wir keine Anweisung erhalten.« Gleichwohl suche die Behörde in Traunstein in der Eindämmung der Pandemie stets auch die Abstimmung mit München.

Um die Benachrichtigung der Infizierten und der Kontaktpersonen zu beschleunigen, habe das Gesundheitsamt mittlerweile rund 200 Leute im Einsatz. In der Regel erfolge die Benachrichtigung eines positiv Getesteten innerhalb eines Tages, die Verständigung der Kontaktpersonen dauere, weil sie sehr aufwändig ist, länger.  

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