Notfallsanitäter Andreas Brüchert: »Die psychische Belastungsgrenze ist erreicht«

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Andreas Brüchert auf dem Weg zum nächsten Einsatz. Auch für Notfallsanitäter ist Corona eine große Belastung – aus den verschiedensten Gründen, wie der 43-jährige Notfallsanitäter im Interview berichtet. Mit im Bild ist seine Kollegin Lisa Gerwald.

Traunstein – Andreas Brüchert (43) ist seit 15 Jahren Notfallsanitäter in Traunstein. Er liebt seine Arbeit. Einen Bürojob könnte er sich nicht vorstellen. »Jeder Tag bei uns ist anders, jeder Einsatz auch. Wir wissen nie, was uns erwartet«, sagt Brüchert. Für ihn macht das den Reiz aus. Und er hat sich für diesen Beruf entschieden, weil er Menschen helfen möchte. Doch er und seine Kollegen stoßen immer häufiger an ihre Grenzen.


Die Krankenhäuser und die Intensivstationen sind am Limit. Was bedeutet das für Ihre Arbeit als Notfallsanitäter beim Bayerischen Roten Kreuz?

Das ist ein großes Problem. Denn es stellt sich immer häufiger die Frage: Kann der Patient im nächsten Krankenhaus überhaupt noch aufgenom­men werden? Das ist belastend.

Was machen Sie, wenn Sie kein freies Bett bekommen?

Die Erstversorgung ist immer gewährleistet. Es kann aber passieren, dass ein Patient nach einem Unfall zwar in Traunstein zunächst erstversorgt wird, dann aber weiterverlegt werden muss. Denn die Stationen sind voll.

Das ist auch für den Patienten und seine Angehörigen nicht einfach.

Das stimmt. Sie sind oft wenig begeistert, wenn wir sie nach München oder Mühldorf fahren.

Was versteht man unter einer Akutbelegung – und wann greift sie?

Wenn der Zustand des Patienten so ist, dass er die nächstgelegene Klinik braucht. Wenn zum Beispiel eine stark blutende Wunde zu stillen ist, die es nicht erlaubt, dass wir eine halbe Stunde fahren. Oder wenn ein Patient die Fahrt nicht überleben würde natürlich. Es gibt auch Fälle, wo jemand während der Fahrt instabil wird. Dann fahren wir sofort das nächste Krankenhaus an. Die Behandlungsmöglichkeiten in einem Rettungswagen sind begrenzt.

Wenn die Kapazitäten im Krankenhaus ausgeschöpft sind, Sie aber einen Patienten bringen: Kann es da zu Streit kommen?

Wir sitzen alle in einem Boot. Wir versuchen immer, das Beste für die Patienten rauszuholen – auch in dieser Zeit. Aber es gibt durchaus Situationen, wo deutlich wird: Die psychische Belastungsgrenze ist erreicht. Die Zündschnur ist schon sehr kurz. Aber das ist nicht persönlich zu nehmen, sondern der Gesamtsituation geschuldet. Das wissen alle.

Klara Reiter

Das vollständige Interview lesen Sie in der heutigen Ausgabe (Freitag, 3. Dezember) des Traunsteiner Tagblatts.

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