weather-image

Neubau mit 15 Wohnungen in Haidforst geplant

0.0
0.0
Traunstein: Neubau mit 15 Wohnungen in Haidforst geplant
Bildtext einblenden
Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Aufsichtsrat und/oder im Vorstand der Genossenschaft wurden (von links) Waltraud Thoni, Hermann Brandauer und Uwe Wieteck geehrt, die aus ihren Ämtern ausgeschieden sind. (Fotos: Reiter)

Traunstein - 15 barrierefreie Wohnungen sollen auf dem Gelände des ehemaligen Bauhofs in Haidforst entstehen. Den geplanten Neubau stellte Architektin Sabine Babl in der Mitgliederversammlung der gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst eG vor.


Vertagt wurde ein umstrittener Punkt: Die Neufassung der Satzung. Im Vorfeld des Treffens war ein Schreiben an viele Haushalte verteilt worden mit der Aufschrift »Vorsicht!«. »Wenn ich so etwas in Umlauf bringe, dann sollte ich zumindest die Eier in der Hose haben, meinen Namen drunter zu setzen«, zeigte sich Aufsichtsratsvorsitzender Georg Aigner verärgert. Gezeichnet ist das Schreiben mit »Genossen, denen die Zukunft der Genossenschaft am Herzen liegt.«

Anzeige

In dem Schreiben, das dem Traunsteiner Tagblatt vorliegt, steht, dass mit der geplanten Satzungsänderung von »dauerndem Nutzungsrecht« auf »Nutzungsrecht« das lebenslange Wohnrecht in der Genossenschaft wegfalle. Georg Aigner begründete die geplante Neufassung der Satzung, die noch viele weitere Punkte umfassen soll, allerdings damit, dass die letzte Änderung aus dem Jahr 2006 sei. »Es sind 13 Jahre ins Land gegangen, in denen sich das Genossenschaftsrecht stark geändert hat.« Er betonte, dass nichts in Stein gemeißelt sei. In Bezug auf das Schreiben sagte Georg Aigner: »Das Thema, das da aufgegriffen wird, ist keines. Das Genossenschaftsrecht hat nämlich ganz besondere Rechte.«

Sabine Pietsch, die Geschäftsführerin der Genossenschaft, sagte auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts: »Ein 'dauerndes Nutzungsrecht' bedeutet, dass der Mieter ein Nutzungsrecht genau für diese bestimmte Wohnung hat. Die Änderung von 'dauerndem Nutzungsrecht' in ein 'einfaches Nutzungsrecht' ist wichtig für den Fall, dass ein Gebäude saniert werden muss und dem Mieter eine andere Wohnung angeboten werden kann. Dem Mieter wird auch nicht gekündigt, sondern ihm wird von der Genossenschaft eine entsprechende andere Wohnung angeboten.«

Die Beschränkung auf ein »dauerndes Nutzungsrecht« bedeute für die Genossenschaft, dass nötige Maßnahmen im Sinne der Gesamtheit der Genossenschaft nicht ergriffen werden könnten, »wenn einzelne Mieter auf ihrem Nutzungsrecht für diese eine Wohnung beharren und nicht umziehen wollen«. Der Mietrechtsschutz sei insgesamt – und im Besonderen als Mitglied einer Genossenschaft – rechtlich strikt geregelt. »Der Kündigungsschutz der Mieter bleibt bei einer Neufassung unverändert«, betonte Pietsch.

Mit knapper Mehrheit wurde in der Versammlung von den Mitgliedern beschlossen, den Punkt zu vertagen und im Frühjahr eine eigene Mitgliederversammlung einzuberufen, bei der es nur um die Neufassung der Satzung gehen soll.

Vorstandsmitglied Helga Kaufmann stellte im Anschluss den Geschäftsbericht für das Jahr 2018 vor. Sie begründetet den Fehlbetrag von rund 570 000 Euro damit, dass im vergangenen Jahr 44 Wohnungen saniert worden seien. Außerdem seien die Instandhaltungskosten insgesamt gestiegen »und Handwerker werden immer teurer«.

Die Bilanzsumme habe sich 2018 aufgrund des Neubaus an der Watzmannstraße im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent erhöht auf rund 16 Millionen Euro. Im kommenden Jahr wolle man mit dem Neubau in Haidforst 13 beginnen, sagte Kaufmann.

Das Projekt stellte Sabine Babl vom Traunsteiner Architekturbüro Dießbacher und Babl vor. Das dreigeschoßige Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Bauhofs werde 15 mal 23 Meter groß. »Wir wollten eine maximale Ausnutzung des Geländes«, betonte Babl. Die Gesamtwohnfläche bezifferte sie auf 755,5 Quadratmeter. Die Größen der einzelnen Wohnungen sollen zwischen 36 und 62 Quadratmeter liegen. »Wir hoffen, dass wir im Frühjahr 2020 loslegen können«, sagte die Architektin, die mit einer Bauzeit von eineinhalb Jahren rechnet.

Ein Mitglied der Genossenschaft wollte wissen, warum dort nun doch ein Wohnhaus errichtet werde. »Es wurde doch immer betont, dass beim Bauhof kein Wohnblock hinkommt.« An Georg Aigner gerichtet, sagte er: »Sie waren doch selbst immer dagegen. Wieso jetzt doch?!«

Der Vorstand habe sich für das Projekt ausgesprochen, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende. Auch wenn er persönlich vielleicht anderer Meinung sei, »dann nehme ich das zur Kenntnis. So ist das in einer Demokratie«. Ein anderer Besucher fragte, was aus den Plänen für eine Tiefgarage unter dem Wohnblock geworden sei. Dazu informierte Georg Aigner, dass eine solche zu teuer gekommen wäre und eine wichtige Förderung des Freistaats dann weggefallen wäre. Insgesamt werden in dem neuen Gebäude 15 Wohnungen entstehen mit Parkplätzen im Freien.

Geehrt wurden für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Genossenschaft Monika Rothärmel, Martin Greinwald und Andreas Strohmayer. Außerdem wurden drei Mitglieder ausgezeichnet, die lange Jahre im Aufsichtsrat und/oder im Vorstand ehrenamtlich tätig waren: Uwe Wieteck, Waltraud Thoni und Hermann Brandauer.

Neu in den Vorstand gewählt wurden Thomas Seifritzberger und Stephan Maier. Letzter schlug vor, in Bezug auf die geplante Satzungsänderung eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich mit der Thematik befassen sollte: »Dann können wir die Spannung aus dem Thema vielleicht rausnehmen«, betonte er. KR

Bildtext einblenden
Neu in den Vorstand gewählt wurden Thomas Seifritzberger (links) und Stephan Maier.