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Nahwärme kommt auch für Seiboldsdorf in Betracht

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Traunstein: Nahwärme kommt auch für Seiboldsdorf in Betracht
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Die Stadtwerke sammeln seit Jahren gute Erfahrungen mit der Nahwärmeversorgung Geißing – und sie können sich nun vorstellen, auch im neuen Baugebiet in Seiboldsdorf so ein Netz zu errichten. (Foto: Pültz)

Traunstein – Ein kleiner Stein kann bisweilen eine große Wirkung entfalten. Stefan Will, Geschäftsführer der Stadtwerke, weiß ein Lied davon zu singen. So erzählt er über das Pilotprojekt Nahwärmeversorgung Geißing, dass in der Vergangenheit der eine oder andere Stein, der sich in die Hackschnitzel verirrt hatte, den Betrieb spürbar beeinträchtigt habe.


Der Stein habe das Schneckengetriebe lahmgelegt – und die Zuführung der Biomasse zum Heizkessel sei unterbrochen gewesen, bis ein Mitarbeiter den Stein entfernt habe. Störungen dieser Art gehören laut Will nun jedoch der Vergangenheit an. Die Stadtwerke kaufen jetzt seinen Angaben zufolge besseres Brennmaterial: Hackschnitzel ohne Steine. »Billig ist nicht immer gut«, sagt Will im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

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Solche und viele andere Erfahrungen hat die stadteigene GmbH in Geißing gesammelt. Vor rund eineinhalb Jahrzehnten hatte die Stadt Traunstein an ihrem Westrand ein neues Baugebiet ausgewiesen. Und die Stadtwerke erhielten damals den Auftrag, ein Hackschnitzelheizwerk zu bauen. Sie mussten, durften und sollten erstmals überhaupt eine Nahwärmeversorgung aus dem Hut zaubern. »Wir betraten damals Neuland«, sagt der Geschäftsführer im Rückblick.

Das Pilotprojekt nahm am 1. April 2005 konkrete Gestalt: Damals gingen die Stadtwerke mit ihrer Nahwärmeversorgung in Betrieb. Will macht kein Hehl daraus, dass sie in der Folgezeit durchaus Lehrgeld bezahlen mussten. Doch er sagt dann aber auch, dass dieses Lehrgeld im Grunde genommen gut angelegt sei. Denn die Erfahrungen, die sie sammelten, hätten die Stadtwerke dann einbringen können, als sie 2012 ihre zweite Nahwärmeversorgung auf der Brunnwiese in Betrieb nahmen.

Das Pilotprojekt Geißing schuf eine Grundüberzeugung, die aus dem Selbstverständnis der Stadtwerke nun nicht mehr wegzudenken ist: Nahwärmeversorgungen sind machbar und anstrebenswert. Und diese Haltung kommt jetzt wieder zum Tragen. So kann sich Will gut und gerne vorstellen, dass die Stadtwerke, wenn erwünscht, eine weitere Nahwärmeversorgung errichten – dann, wenn das Baugebiet in Seiboldsdorf Gestalt annimmt. So etwas sei grundsätzlich anzudenken, sagt er. Der Wärmebedarf müsse errechnet, die Bebauung festgelegt werden – und dann könne man Planungen in Richtung Nahwärmeversorgung anstellen.

Das Pilotprojekt Geißing starteten die Stadtwerke 2004. Im Anschluss an die Reithalle des Reit- und Fahrvereins Traunstein errichteten sie das Heizhaus. 2005 war alles fertig, der Betrieb begann. Über Leitungen in einer Gesamtlänge von 2700 Meter versorgen die Stadtwerke seitdem 88 Kunden. Die Wärme wird an Übergabestationen in den Häusern an die Abnehmer übergeben. Als Wärmeträger dient Wasser, das bis zu 90 Grad heiß ist. Die so verbrauchte Wärmemenge wird erfasst und den Kunden in Rechnung gestellt.

Das Heizen mit den Hackschnitzeln sei »zeitaufwändig und personalintensiv«, berichtet Will. Schließlich müssten nicht zuletzt immer wieder große Mengen Brennmaterial zugeführt werden. Berge von Hackschnitzeln seien zu versetzen und zu verheizen – Material, das nicht über Hunderte von Kilometern nach Traunstein gekarrt wird, sondern das vielmehr aus der Umgebung kommt. »Wir haben einen Lieferanten aus dem Landkreis Traunstein«, sagt der Geschäftsführer.

Doch allein mit Biomasse läuft das Heizwerk dann auch wieder nicht. Wie andere Nahwärmeversorgungen stützt sich auch Geißing immer wieder auf andere Brennstoffe – und zwar auf Gas. So steht im Heizhaus neben dem Biomasse- auch ein Gaskessel. Will erklärt, dass die Wärme, die aus dem Gebäude fließt, zu rund 80 Prozent von der Biomasse und zu etwa 20 Prozent vom Gas erzeugt werde. In Spitzenzeiten – insbesondere an kalten Tagen, an denen der Bedarf an heißem Wasser in den Häusern besonders groß ist – müsse der Gaskessel vorübergehend hinzugenommen werden.

Ein Geschäft für die Stadtwerke ist die Nahwärmeversorgung Geißing laut Will nicht. »Wir arbeiten kostendeckend.« Immer wieder hatte er sich – vor allem in den Anfangsjahren – Kritik von Abnehmern gefallen lassen müssen, die sich über hohe Kosten beschwerten. Will sagt, dass die Hackschnitzel- im Vergleich etwa zu einer Gasheizung aufwändiger zu betreiben sei. Und er meint auch, dass man nicht einfach den Öl- oder Gaspreis zum Vergleich hernehmen dürfe. Schließlich bleibe in dieser Rechnung dann unberücksichtigt, so der Geschäftsführer, dass zum Betrieb einer Gas- oder Ölheizung auch technische Einrichtungen vonnöten seien, die auch erst einmal bezahlt werden müssten.

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