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Nach Panne auf dem Chiemsee: Kreisausschuss ebnet Weg für neues Katastrophen-Schutzboot

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Traunstein: Neues Katastrophenschutzboot nach Panne auf dem Chiemsee
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»Rettung aus Seenot« war erforderlich beim Besuch von Bayerns Innenminister Herrmann bei der Feuerwehr Chieming im August 2017: Der Motor des Katastrophenschutzboots hatte den Geist aufgegeben. Die Wasserschutzpolizei brachte die Paddelmannschaft aus Minister Herrmann, Landrat Siegfried Walch und dem Landtagsabgeordneten Klaus Steiner (von rechts) letztlich sicher an Land. (Foto: Landratsamt Traunstein)

Traunstein – Bis heute will der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nicht glauben, dass die spektakuläre Panne des Katastrophenschutzboots mit komplettem Motorausfall weit entfernt vom Chiemsee-Ufer nicht inszeniert war. Das berichtete Landrat Siegfried Walch am Mittwoch dem Kreisausschuss.


Der Vorfall am 16. August 2017 trug letztlich mit bei zu einem höheren Staatszuschuss von insgesamt 200.000 Euro. Der Kreisausschuss ebnete einstimmig den Weg für die Ersatzbeschaffung eines neuen, bis zu rund 500.000 Euro teuren Katastrophenschutzboots.

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Die Feuerwehr hatte den Besuch organisiert – auch mit dem Ziel, den Innenminister für den Kauf eines modernen K-Boots zu begeistern. »Wie wenn es ausgemacht gewesen wäre« – so der Landrat, gab der Motor des Mitte der 1990-er Jahre angeschafften Boots den Geist auf. »Und wir waren weit draußen auf dem Chiemsee. Die Wasserschutzpolizei hat uns Gott sei Dank wieder ans Ufer befördert«, erinnerte Walch.

Der Landkreis Traunstein habe den Katastrophenschutz, den Brandschutz und für die technische Hilfeleistung auf dem gemeindefreien Chiemsee sicherzustellen, informierte der Landrat weiter. Die Aufgabe habe der Kreis der Gemeinde Chieming und der Feuerwehr Chieming übertragen, die gleichzeitig für die Unterhaltskosten aufkommen.

Motorprobleme bei K-Boot waren bekannt

Das jetzige K-Boot habe schon mehrmals Motorprobleme gehabt. 2017 habe die Gemeinde einen Ersatzmotor finanziert. Das künftige Boot müsse vielen Anforderungen gerecht werden, müsse zum Beispiel sturmtauglich und frostsicher sein, über einen Kajütenaufbau zum Schutz von Bootsführer und Mannschaft verfügen, eine starke Motorleistung und einen Jet-Antrieb für Flachwasserzonen sowie einen Tiefgang von maximal 60 Zentimetern aufweisen.

Rumpf aus Aluminium statt aus Kunststoff

Der Rumpf solle nicht mehr aus Kunststoff, sondern aus robustem und pflegeleichtem Aluminium bestehen und eine absenkbare Heckklappe haben.

Die nur grob abgeklopften Kosten für ein derartiges Boot bezifferte Landrat Walch je nach Ausstattung mit bis zu 715.000 Euro. Er ging von einem Kostenrahmen bis zu einer halben Million Euro aus. Entsprechende Mittel seien im Kreishaushalt schon berücksichtigt. Das neue K-Boot solle wieder der Gemeinde Chieming für deren Feuerwehr überlassen werden. Die Kommune werde die Kosten für Unterhalt, Wartung, Erweiterung des Bootshauses, Ausbildung der Feuerwehreinsatzkräfte einschließlich Bootsführerschein und Lohnfortzahlungskosten übernehmen.

Kreisbrandrat Christof Grundner erläuterte dem Gremium die Details. Der Chiemsee sei knapp 80 Quadratkilometer groß mit einer Uferlinie von 83 Kilometern Länge. Die Feuerwehr sei zuständig für die gesamte Seefläche, auch für den Bereich der TAL, der »Transalpine Pipeline« nahe der Tiroler Achen. Dabei gehe es um technische Hilfeleistungen, um Brand-, Gewässer- und Umweltschutz.

Aus vielen Quellen – zahlreichen Zuläufen, auch der Tiroler Achen mit ihrem großen Einzugsgebiet, seenahen Straßen, Bahn und A8 – könnten laut Grundner Gefahrstoffe unkontrolliert in den Chiemsee gelangen. Technische Hilfe müsse gewährleistet sein beispielsweise für Ausflugsschiffe, Seebühnen und Feuerwerke am Ufer sowie für die Bereiche Sport und Freizeit.

Brandschutz auf der Wasserfläche nötig

»Wenn der Sturm losgeht, fahren viele Kiter erst raus. Neben den Wasserrettungsdiensten ist auch die Feuerwehr gefordert.« Brandschutz sei erforderlich auf der Wasserfläche, etwa für Yachten, aber ebenso in Uferbereichen, die nur vom Wasser aus zugänglich seien wie bei Schilfbränden oder im Achen-Delta. Der »Sonderalarmplan TAL« umfasse das Abtrennen von Roherdöl, das leichter als Wasser sei und explosive Gase bilden könne. Der Kreisbrandrat umriss auch Beschaffenheit und notwendige Ausrüstung des neuen, etwa zehn Meter langen K-Boots. Es müsse ein PS-starkes Arbeitsboot sein, »kein schnelles Boot zur Personenrettung«, eine Wetterschutzkabine, Haltegriffe für die Mannschaft und eine variable große Ladefläche haben.

»Dankbar, dass die Anregungen und Erkenntnisse aus den letzten Jahrzehnten berücksichtigt werden«, zeigte sich Bayernpartei-Kreisrat Heinz Wallner aus Chieming. In den 1970-er Jahren habe die Feuerwehr Chieming mit einer sechs Meter langen Nussschale aufs Wasser müssen. Das aktuelle Boot mit seinen Problemen habe bei der Ministervisite eine entsprechende »Punktlandung« hingelegt. kd

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