Nach Missbrauchsgutachten: Kommunen wollen die Rolle ihres Ehrenbürgers Papst Benedikt XVI. untersuchen
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In Traunstein hat der emeritierte Papstes Benedikt XVI. – Ehrenbürger von Traunstein, Surberg und Tittmoning – ein Denkmal und auch der Platz vor dem Landratsamt wurde nach ihm benannt. Eine Kommission von Landkreis und Kommunen soll sich jetzt damit befassen, ob die Würdigungen noch angemessen sind. (Foto: Bauer)

Nach Missbrauchsgutachten: Kommunen wollen die Rolle ihres Ehrenbürgers Papst Benedikt XVI. untersuchen

Traunstein – Es ist eine schwere Belastung für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche: Zwei Wochen nach der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens und dem Bekanntwerden der Falschaussage des einstigen Münchner Erzbischofs und emeritierten Papstes Benedikt XVI. rumort es gewaltig in der katholischen Kirche – und außerhalb.


In »seiner Vaterstadt« Traunstein, wo er nicht nur Ehrenbürger ist, sondern ein Denkmal bekommen hat und ein Platz nach ihm benannt wurde, fragen sich viele, ob eine Würdigung noch angemessen ist. Auch in der Gemeinde Surberg und in der Stadt Tittmoning ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. Ehrenbürger.

Am Freitagabend haben die Große Kreisstadt Traunstein, die Gemeinde Surberg, die Stadt Tittmoning und der Landkreis Traunstein ein gemeinsames Statement veröffentlicht. Demnach müssten die Inhalte des jüngst von der Erzdiözese München und Freising veröffentlichten Gutachtens sehr ernst genommen werden. Die Kommunen und der Landkreis Traunstein »werden eine Kommission einsetzen, die sich mit dem Thema aus historischer, juristischer und theologischer Sicht befassen wird«, schreibt Michael Reithmeier, Pressesprecher im Landratsamt. Die Kommission solle durch das Landratsamt koordiniert werden und aus je einem fachkundigen Vertreter der beteiligten Kommunen bestehen. Ziel der Arbeit der Kommission sei es, »die im Gutachten geäußerten Vorwürfe und damit verbundenen Verantwortlichkeiten in Hinblick auf die örtliche Erinnerungs- und Würdigungskultur sachlich und fachlich einzuordnen und – falls angezeigt – entsprechende Handlungsempfehlungen zu erarbeiten«.

Wiederholt hat Papst Benedikt, der aus Marktl am Inn stammt, Traunstein als seine Heimat bezeichnet. Er wohnte ab 1937 mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern in einem kleinen Bauernhaus in Hufschlag (Gemeinde Surberg) und besuchte das Humanistische Gymnasium in Traunstein. Offiziell wurde er mit seinem Eintritt in das Erzbischöfliche Studienseminar auf der Wartberghöhe Traunsteiner und blieb dies bis zur Aufnahme des Theologiestudiums am Freisinger Priesterseminar zu Beginn des Jahres 1946.

1951 feierte er in der Stadtpfarrkirche St. Oswald, die er als »heimatliche Pfarrkirche« ansieht, zusammen mit seinem Bruder Georg die Primiz. Letzterer war hier von 1957 bis 1964 Chorregent, die Eltern verbrachten bei ihm ihren Lebensabend und verstarben beide in Traunstein, der Vater Joseph 1959, die Mutter Maria 1963. Beide wurden zunächst im Waldfriedhof beigesetzt, 1974 jedoch nach Regensburg überführt.

»In Anerkennung seiner Persönlichkeit und der persönlichen Verbindungen zu Traunstein als 'seiner Vaterstadt'« verlieh ihm die Stadt Traunstein mit Beschluss vom 16. Juni 2005 das Ehrenbürgerrecht. Die Urkunde wurde dem Heiligen Vater von einer offiziellen Delegation der Stadt mit dem damaligen Oberbürgermeister Fritz Stahl an der Spitze am 8. Februar 2006 in Rom ausgehändigt.

2007 wurde vor der Pfarrkirche St. Oswald eine Büste des emeritierten Papstes Benedikt XVI. enthüllt. Angefertigt hat sie der Surberger Künstler Johann Brunner. Sie war bereits mehrfach von Kritikern beschmiert worden. Als Reaktion auf das Missbrauchsgutachten hatte die Unterwössner Künstlerin Monika Stein der Bronzebüste vor elf Tagen eine schwarze Augenklappe verpasst.

Im Juli 2011 hat die Stadt zudem »als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit ihrem Ehrenbürger Papst Benedikt XVI.« den Platz vor dem Landratsamt in »Papst-Benedikt-XVI.-Platz« umbenannt.

Ehrenbürger der Stadt Tittmoning – dort hat er einige Jahre seiner Kindheit verbracht – ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. ebenfalls seit 2007. Am 6. Mai 2019 erhielt der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Vatikan zudem vom damaligen Surberger Bürgermeister Josef Wimmer die Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde Surberg überreicht.

»Eine kritische Auseinandersetzung der Stadt mit ihrem Ehrenbürger und dem Träger ihres Traunsteiner Ehrenrings« fordert die »Grüne Jugend Traunstein«. Sie plant für den heutigen Montag um 16 Uhr eine Aktion an der Papst-Benedikt-Büste vor der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Die jungen Leute wollen kritische Zitate von Benedikt an der Büste anbringen und so zeigen, dass der emeritierte Papst kein Vorbild für die Jugend sein könne.

Das vor zwei Wochen von der Erzdiözese München und Freising veröffentlichte Gutachten beleuchtet den jahrelangen Missbrauch von Gläubigen und Schutzbefohlenen durch katholische Kleriker sowie den Umgang der Kirchenführung mit dem Thema. Benedikt war von 1977 bis 1982 als Erzbischof für das Bistum München und Freising verantwortlich. Er hatte in einer ersten Reaktion auf das Gutachten abgestritten, an einer bestimmten Sitzung zum Umgang mit einem pädophilen Priester teilgenommen zu haben. Später hat er diese Angabe korrigiert.

ka

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