Gericht, Gerichtsurteil
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Nach Messerstich auf die Straße gelaufen – 38-Jährige vor dem Landgericht Traunstein

Traunstein – Zwei Nachbarn, allerdings keine direkten Tatzeugen, berichteten vor der Siebten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braun von ihren Beobachtungen. Wegen »gefährlicher Körperverletzung« sitzt noch bis Ende August eine 38-jährige Frau auf der Anklagebank, die einer 34-Jährigen nach vorausgehenden, längeren Streitigkeiten im Garten eines Hauses in Waldkraiburg einen Messerstich in den Bauch versetzt hatte.


Eine Zeugin, die am Nachmittag des 24. Februar 2021 in der Wohnung einer bislang vom Gericht noch nicht vernommenen weiteren Frau geweilt hatte, hörte damals ein nach Schmerzen klingendes Jammern und Stöhnen. Sie sah die 34-Jährige, »wie sie sich mit beiden Händen den Bauch hielt«. Die offenbar Verletzte lief auf die Straße und weiter auf die andere Seite der Fahrbahn. Ein anderer Zeuge bekam nur die Szene auf der Straße sowie das Eintreffen von Polizei und Rettungskräften mit.

Die Geschädigte mit Opferanwältin Kerstin Zinke aus Traunreut zur Seite hat bereits in der seit Anfang Mai dauernden Hauptverhandlung ausgesagt. Unter Tränen hatte sie der Kammer die Vorgeschichte und den Messerstich geschildert, damit auch die Vorwürfe von Staatsanwältin Stephanie Windhorst bestätigt. Eine von den Verteidigern Sewarion Kirkitadse aus München und Hubertus Werner aus Landshut mit Blick auf einen strafmindernden Täter-Opfer-Ausgleich angestrebte Versöhnung mit der Angeklagten lehnte die 34-Jährige ab.

Der Messerstich in den Bauch hatte schwere Verletzungen mit dreifacher Durchtrennung des Darms zur Folge. Nachdem die 38-Jährige unmittelbar nach der Tat selbst die Polizei verständigt hatte, konnte die Geschädigte schnell medizinisch versorgt werden. Im Klinikum München-Großhadern entfernten Ärzte bei einer Notoperation ein 30 Zentimeter langes Teilstück des Dünndarms.

Die weitgehend geständige 38-Jährige steht, wie ihre Verteidiger am zweiten Verhandlungstag erklärten, zu der Körperverletzung an der 34-Jährigen. Eine Tötungsabsicht aber habe ihre Mandantin nie gehabt, betonten die Anwälte. Sie wollen eine Strafe von bis zu zwei Jahren mit Bewährung erreichen. Dazu boten sie in einem Rechtsgespräch mit Kammer, Staatsanwältin und Nebenklägerin unter anderem eine Schadenswiedergutmachung in unbezifferter Höhe an.

Weder Staatsanwältin Stephanie Windhorst noch die Siebte Strafkammer sahen bislang für eine Strafe mit Bewährung eine Möglichkeit. Entscheidend werden die Beweisaufnahme mit Dutzenden von Zeugen und ein rechtsmedizinisches Gutachten sein. Nach zwei Kurzterminen am 13. Juni und am 4. Juli zur Einhaltung der gesetzlichen Fortsetzungsfristen geht der auf zehn Tage anberaumte Prozess am 18. Juli um 13.30 Uhr weiter, gefolgt vom 25. Juli, 1. und 28. August jeweils um 9.15 Uhr.

kd

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