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Zwei Bomben auf gleichem Grundstück in weniger als zwei Wochen: Stadt will Aufklärung und Prüfung

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Traunstein: Zwei Bomben binnen zwei Wochen gefunden: Aufklärung und Prüfung des Räumkonzepts
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Zum zweiten Mal binnen nur zwei Wochen hielt eine Weltkriegsbombe die Stadt Traunstein in Atem. Dieses 135-Kilo-Kriegsrelikt wurde am Montagabend erfolgreich entschärft. Das Foto links zeigt die Bombe kurz vor dem Abtransport. (Foto: Montage; l. u. r. Eva Schneider/Stadt Traunstein)
Traunstein: Erneut Bombe auf Chiemseestraßen-Baustelle gefunden – Entschärfung nach Bombenfund
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Foto: FDL/Lamminger

Traunstein – Nicht einmal zwei Wochen sind seit dem Fund der ersten Fliegerbombe vergangen, da taucht auch schon die zweite auf: Anwohner und Betriebe im Umkreis von 350 Metern mussten für die Entschärfung am Dienstag erneut alle Gebäude räumen. Auch die Stadtverwaltung ist genervt: Nun soll das Räumkonzept des Bauträgers geprüft und hinterfragt werden.


Zusammenfassung der wichtigsten Informationen:

  • Auf der Baustelle an der Chiemseestraße 25 wurde erneut eine Bombe gefunden.
  • Es handelt sich um um einen Sprengkörper des gleichen Aufbaus wie vor zwei Wochen: 135 Kilo schwer, zwei intakte Zünder
  • Es musste wieder ein 350-Meter-Radius um den Fundort evakuiert werden. Alle Straßen wurden gesperrt.
  • Im Stadtgebiet kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.
  • Kurz nach 16 Uhr wurde die Evakuierung vollständig abgeschlossen, gegen 16.30 Uhr wurde mit der Entschärfung begonnen.
  • Erst kurz nach 18 Uhr konnte die Gefahr nach Verzögerungen während der Arbeiten gebannt werden.
  • Da es sich bereits um den zweiten Bombenfund in weniger als zwei Wochen handelt, will die Stadt das Räumkonzept auf den Prüfstand stellen.

Mehr als 1100 Anwohner durften nicht in ihre Wohnungen, mehrere Betriebe waren geschlossen, eine Schule und ein Kindergarten waren betroffen, auch die Straßen mussten gesperrt werden: Viele Bürger fragen sich, warum das Gelände nicht gleich nach dem ersten Bombenfund auf weitere Kampfmittel untersucht wurde.

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Doch nicht nur die Bürger, auch die »Stadtverwaltung und alle an den Evakuierungsmaßnahmen Beteiligten sind genervt, dass jetzt innerhalb von so kurzer Zeit auf derselben Baustelle eine weitere Weltkriegsbombe gefunden wurde«, so Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer noch am Dienstag. »Wir gehen nicht zur Tagesordnung über. Das von Spezialisten ausgearbeitete Untersuchungskonzept wird auf den Prüfstand gestellt.«

Die Stadt hatte bereits im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens vom Bauträger, der Firma GreenRock Management GmbH, eine Kampfmittelvorerkundung gefordert. Diese wurde auch durchgeführt, das heißt sämtliche Abbruch- und Aushubarbeiten wurden von einem staatlich zugelassenen Kampfmittelspezialisten begleitet, der die freigelegten Oberflächen mit einer Sonde absucht. Die Flächen unter dem zuvor bestehenden Gebäude der Post konnten erst nach dessen vollständigem Abbruch untersucht werden.

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Foto: FDL/Lamminger

Aber warum wurden die explosiven Kriegsrelikte nicht schon früher entdeckt? Auf diese Frage gibt es bislang keine eindeutige Antwort. Allerdings, so OB Hümmer bei einer Pressekonferenz am Dienstag, werde die Stadt die Hintergründe nun genauer hinterfragen. »Ich werde mir das Räumkonzept nochmal genau erläutern lassen«, so Hümmer. Dabei soll dann wohl auch die Frage im Raum stehen, ob das bisherige Evakuierungskonzept tatsächlich in der bisher umgesetzten Art und Weise erforderlich ist – vor allem vor dem Hintergrund, dass es für Anwohner und dort angesiedelte Betriebe eine große Belastung darstellt.

Dass die Bomben bei den bisherigen Bodenuntersuchungen nicht gefunden wurden, dürfte mit der starken Belastung des Erdreichs durch elektromagnetische Strahlung und der Verunreinigung durch dort abgelagerte Kriegsrelikte bzw. -müll zusammenhängen. Diese verursachten nach den Angaben des OBs bei den Voruntersuchungen Störmeldungen.

Bei Verdachtsflächen wird im Beisein eines Spezialisten nachgegraben. Bei den Grabungsarbeiten gehen die Spezialisten sukzessive vor. Jeder Fund muss dann allerdings aus sicherheitsrechtlichen Gründen sofort einzeln entschärft werden. Die Kosten für die Entschärfung und Entsorgung der Bombe trägt der Freistaat, jene für den Einsatz der Rettungskräfte und die Untersuchungen muss der Bauträger übernehmen. Wie hoch diese ausfallen, ist noch unklar.

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Foto: FDL/Lamminger

Bereits am Donnerstag, 10. September, war auf der Baustelle an der Chiemseestraße eine Weltkriegsbombe gefunden worden. Am folgenden Tag entschärfte ein Team des Kampfmittelräumdienstes das 135 Kilogramm schwere Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg (zum Bericht). Während der Entschärfung mussten auch vor zwei Wochen die Anwohner in einem Umkreis von 350 Metern ihre Wohnungen und Häuser verlassen. 19 vorwiegend ältere Frauen und Männer kamen für einige Stunden in die Turnhalle der Ludwig-Thoma-Grundschule.

Das Grundstück war früher mit einem Gebäude der Post bebaut. Der neue Bauträger will dort Wohnhäuser errichten.

Alle Fotos vom Einsatz am Dienstag in Traunstein:

Unser Vorbericht und alle Zwischenmeldungen:

Wieder eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckten Arbeiter am Dienstag Vormittag auf einer Baustelle an der Chiemseestraße. Der neuerliche Fund lag nur wenige Meter von jener Stelle entfernt, die vor knapp zwei Wochen im Brennpunkt stand. Bis zum Abend hatte der Kampfmittelräumdienst, der erneut in Traunstein im Einsatz war, die Bombe erfolgreich entschärft. Sie glich jenem Relikt, das am Donnerstag, 10. September, zum Vorschein gekommen war. Auch das jetzt gefundene, explosive Stück war 135 Kilogramm schwer und besaß zwei Zünder.

Entwarnung für alle Anwohner: Die zweite Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die auf der Baustelle an der Chiemseestraße 25 gefunden wurde, ist entschärft. Nach der Evakuierung des Gebiets rund um den Fundort konnte das Team des Kampfmittelräumdienstes die beiden Zünder der 135 Kilogramm schweren Bombe gestern kurz nach 18 Uhr deaktivieren.

In einer Lagesondierung wurde nach dem Fund in den Vormittagsstunden beschlossen, erneut alle gut 1100 Anwohner im Umkreis von 350 Metern bis zum Nachmittag um 14.30 Uhr zu evakuieren. Zahlreiche Freiwillige waren im Einsatz, um Stadt, Polizei und Rettungsdienst zu unterstützen. Gemeinsam errichteten sie Straßensperren, bereiteten die Turnhalle der Ludwig-Thoma-Grundschule als Notunterkunft vor, versorgten die Helfer mit Getränken und Essen oder überprüften jede Wohnung und jedes Haus, ob es auch wirklich verlassen war.

Gegen 16.15 Uhr war die Evakuierung des Gefahrenbereichs abgeschlossen, sodass etwa eine halbe Stunde später die Entschärfung angeordnet werden konnte. Um 18.01 Uhr gab der Sprengmeister schließlich Entwarnung. Er hatte beide Zünder deaktiviert und die Bombe verladen. Bei dieser Bombe dauerte die Entschärfung länger als bei der ersten, weil die Zünder und die Bombe selbst stärker beschädigt waren. Sie wird jetzt eingelagert und am Ende des Jahres vernichtet.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer lobte das große Engagement aller Einsatzkräfte, die nun nach dem ersten Bombenfund am 10. und 11. September zum zweiten Mal gefordert waren. »Ohne diese tatkräftige Hilfe wäre ein solcher Einsatz nicht zu stemmen. Insgesamt waren rund 250 Personen im Einsatz – ihnen allen gilt mein herzlicher Dank. Ich danke den Mitarbeitern der Stadtverwaltung Traunstein mit Bauhof und Stadtwerken, den Einsatzkräften der Polizei, des Roten Kreuzes, der Malteser Hilfsdienste und der Integrierten Rettungsleitstelle Traunstein, der Deutschen Bahn, und den über 100 Feuerwehrlern aus der ganzen Region. Herzlich danke ich auch Jürgen Pieperhoff, der auch wieder das Bürgertelefon der Stadt Traunstein betreute.«

Zwischenmeldungen vom Dienstag:

Update, 18.20 Uhr:

Wie die Stadt Traunstein mitteilte, konnte die Bombe erfolgreich entschärft werden. Während der Arbeiten kam es zu Verzögerungen, weshalb sich die Entschärfung über rund eineinhalb Stunden hingezogen hat. Warum genau die Arbeiten des Sprengkommando-Teams länger als geplant angedauert haben, ist noch unklar.

Die Sperrzone kann nun wieder rückgebaut werden, sodass Anwohner zurück in ihre Wohnungen können. Auch das Verkehrschaos', das sich in den vergangenen Stunden durch die Sperrungen im Stadtgebiet gebildet hat, wird sich langsam wieder auflösen.

Weitere Informationen folgen in Kürze.

Update, 16.15 Uhr:

Einsatzkräfte haben bis kurz nach 16 Uhr noch die zu evakuierenden Straßen und Gebäude auf möglicherweise zurückgebliebene Personen kontrolliert. Mittlerweile ist die Evakuierung vollständig abgeschlossen. Das teilte der Oberbürgermeister vor wenigen Minuten auf seiner Facebook-Seite mit. Erst wenn der gesamte 350-Meter-Radius um den Fundort auch wirklich menschenleer ist, kann mit der Entschärfung begonnen werden. Diese beginnt nach Angaben der Stadt in Kürze.

Update, 14.25 Uhr:

Bei der heute Vormittag gefundenen Bombe handelt es sich nach Informationen aus dem Rathaus wohl ebenfalls wieder um einen 135 Kilogramm schweren Sprengkörper mit zwei Zündern aus dem Zweiten Weltkrieg – so die Worte von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer bei einer Pressekonferenz heute Mittag im Rathaus. Es handelt sich also um den gleichen Aufbau und damit eine ähnliche Situation wie bei der vor rund zwei Wochen gefundenen Bombe.

Update, 14.00 Uhr:

Bevor Experten des Sprengkommandos die Bombe entschärfen können, muss der Bereich in einem Umkreis von 350 Metern um den Fundort bis 14.30 Uhr noch vollständig evakuiert werden.

Seit 13.30 Uhr sind bereits alle Straßen und Wege, die sich innerhalb des Evakuierungsradius' befinden, gesperrt. Eine Ausfahrt aus der Sperrzone ist jederzeit möglich, nur hinein darf ab jetzt niemand mehr. Verkehrsteilnehmer sollten das betroffene Gebiet bis auf Weiteres großräumig umfahren.

Eltern können ihre Kinder trotz der Sperrung bis 14.30 Uhr vom Kindergarten und von der Grundschule Haslach abholen. Im gesamten Stadtgebiet ist mit großen Verkehrsbehinderungen bis in die Abendstunden zu rechnen.

Update, 12.20 Uhr: Evakuierung ab 14.30 Uhr

Für die Entschärfung der Bombe, die heute erneut auf der Baustelle an der Chiemseestraße 25 gefunden wurde, müssen wieder alle Anwohner in einem Umkreis von 350 Metern evakuiert werden. Nachfolgende Straßen und Hausnummern sind betroffen.

Vollständig evakuiert werden folgende Straßen: Engelsteinstr., Gamskoglstr., Gartenzeile, Gesselestr., Gmelchstr., Hochfellnstr., Hörndlwandstr., Rauschbergstr., Waldstr., Am Holzberg und Bahnweg.

In diesen Straßen sind folgende Hausnummern betroffen: 

  • Chiemseestraße 6, 8, 12, 14, 11, 11a, 15, 17, 19, 21, 22, 23, 25, 27, 29, 31, 33, 35, 37, 38, 34, 36, 40, 40a, 42, 42a, 44, 46, 48, 48a, 48b, 50
  • Einhamer Str. 1, Johann-Joseph-Wagner-Str. 3 und 7, Kreuzstr. 2, Permanederstr. 38, Pinzgauerstr. 15, 16, 17
  • Staufenstr. 31, 31,33, 35b, 37, 37a, 37b, 39, 41, 43
  • Steffgenstr. 1, 1a, 2
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Das Bild zeigt den 350-Meter-Evakuierungsradius um die Chiemseestraße 25, wo heute Morgen erneut eine Bombe gefunden wurde. (Grafik: Bayern Atlas)

Für weitere Fragen rund um die Evakuierung hat die Stadt wieder eine Bürgerhotline eingerichtet, die unter der Telefonnummer 0861/65-700 erreichbar ist.

Der Unterricht an der Grundschule Haslach findet regulär statt. Die Nachmittagsbetreuung ist bis 14 Uhr gewährleistet. Der Kindergarten in Haslach ist auch betroffen. Hier endet aber die Betreuungszeit rechtzeitig vor der Evakuierung.

Alle Anwohner sind aufgefordert, ihre Häuser, Wohnungen und Geschäfte bis spätestens 14.30 Uhr zu verlassen. Die Stadt Traunstein stellt allen Bürgern, die für die Entschärfung der Fliegerbombe ihre Wohnungen oder Arbeitsstellen verlassen müssen und denen keine andere Unterkunft zur Verfügung steht, ab 14 Uhr die Turnhalle der Ludwig-Thoma-Grundschule bereit.

Folgende vier Sammelpunkte werden für Bürger eingerichtet, die in der Lage sind zu gehen, sich aber nicht selbstständig aus dem Gefahrengebiet entfernen können: Bushaltestelle beim Jobcenter, Bushaltestelle an der Chiemseestraße 15 (Netto/Kotter), die Kreuzung Gmelchstraße/Angererstraße und die Kreuzung Hörndlwandstraße/Hochfellnstraße/Gartenzeile. Dort werden die Bürger von den Rettungskräften mit einem Bus aus der Evakuierungszone gebracht.

Zahlreiche Feuerwehren aus Stadt und Umkreis, das BRK mit seinen Bereitschaften, die Malteser und die Polizei bereiten sich aktuell auf die bevorstehende Evakuierung vor.

Erstmeldung, 11.10 Uhr:

Laut Angaben der Stadtverwaltung tagt derzeit der Krisenstab, um die weiteren Maßnahmen zu koordinieren. Voraussichtlich müssen auch bei dieser Bombe alle Gebäude in einem Radius von 350 Metern um den Fundort geräumt werden.

Der Evakuierungszeitpunkt wurde nach Mitteilung der Stadt auf 14.30 Uhr festgelegt. Wann mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden kann und die Anwohner im Anschluss zurück in ihre Häuser können, ist noch unklar.

Die Polizei hat die Baustelle bereits großräumig abgesperrt. Spezialisten des Sprengkommandos München legen aktuell den Sprengkörper frei und machen sich ein Bild der Lage, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Voraussichtlich wird auch wieder die Bahnlinie Rosenheim–Traunstein während der Entschärfung kurzzeitig gesperrt werden müssen.

Bereits vor knapp zwei Wochen, am 10. September, war auf der Baustelle eine Weltkriegsbombe gefunden worden. Sie konnte tags darauf entschärft werden (zu unserem Bericht). Obwohl war das Grundstück vor dem Beginn der Baustelle auf Kampfmittel untersucht worden war, wurde heute dennoch erneut ein Blindgänger gefunden. In den 70er-Jahren befand sich auf dem Grundstück bereits ein Gebäude der Post.

Wir informieren Sie zeitnah, sobald uns weitere Informationen vorliegen.

Unsere bisherige Berichterstattung:

Bilder vom Bombenfund vor zwei Wochen:

red/fb

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