Nach 65 Jahren schließt das Fachgeschäft Lampen Machatschek am Stadtplatz

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Nach 65 Jahren schließt das Fachgeschäft Lampen Machatschek, das Erika Machatscheck (Mitte) zusammen mit ihrem Mann Erhard aufgebaut hat, für immer seine Türen. Bis dahin stehen Ernst und Heidi Flieher ihren Kunden mit Rat und Tat zur Seite.
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1956 begann alles mit dem Ladengeschäft an der Scheibenstraße. (Fotos: Wannisch)

Traunstein – Elektro Machatschek, Lampen Ladl, Lampenboutique und zu- letzt einfach Lampen Machatschek – das Fachgeschäft für alles rund ums Licht und Leuchten hatte in seiner 65-jährigen Geschichte schon viele Namen. Trotz dieser Namensänderungen wussten die Kunden aus Traunstein und Umgebung, beim Machatschek wird alles ins rechte Licht gesetzt. Doch jetzt ist Schluss. Heidi Machatschek-Flieher und ihr Mann Ernst Flieher hören aus Altersgründen zum Monatsende auf. Am 31. August wird das Paar zum letzten Mal die unzähligen Lampen und Leuchten ausschalten.


Die Firmengeschichte begann jedoch nicht am Stadtplatz 30, wo das Geschäft seit über 50 Jahren beheimatet ist. Seniorchefin Erika Machatschek erinnert sich: »Mein Mann hat sich eine kleine Werkstatt in unserem damaligen Wohnhaus an der Salzburger Straße eingerichtet«. 1956 hat sich ihr inzwischen verstorbener Mann Erhard Machatschek als Elektriker selbstständig gemacht und das erste Ladengeschäft im »Pretznerhaus« an der Scheibenstraße bezogen. Lampen und Leuchten waren damals noch nicht das Kerngeschäft. Zunächst mussten viele Häuser und Bauernhöfe in der Umgebung erst noch mit Elektroanschlüssen versorgt werden. »Mein Mann hat zuerst die Elektroinstallationen gemacht und dann die Lampen gebracht«, erinnert sich die 88-Jährige.

Zum 25. Firmenjubiläum hieß es: »Das Licht in der Stube, die Waschmaschine der Oma, der Herd der Frau Wirtin, der Staubsauger der Nachbarin, das Bügeleisen der Mutter, der Rasierer vom Vater, alle haben sie einmal ihre Mucken. Was tun, wohin geschwind zum Stromdoktor? Zum Elektro Machatschek natürlich!« Erika Machatscheks Idee war es, im Geschäft an der Scheibenstraße Elektrokleingeräte wie Bügeleisen ins Schaufenster zu stellen. »Damals hatten ja die meisten noch nicht mal ein Telefon, oder einen Staubsauger oder einen Kühlschrank«, erinnert sich die Seniorin.

Sie selbst hatte weder von Elektrotechnik noch von Buchführung große Ahnung – »ich konnte keine schlechte von einer guten Sicherung unterscheiden«; doch wie viele Frauen, die »ihren Männern das Geschäft führten«, brachte sie sich das nötige Wissen Stück für Stück bei. Und so wuchs der Betrieb und neben den Elektroinstallationen wurde der Verkauf von Lampen und Leuchten immer wichtiger und schließlich zum Kerngeschäft. »Früher hat die Installation das Geschäft getragen, dann war es andersherum«, sagt Erika Machatschek.

Nach 13 Jahren zog die Familie Machatschek, inzwischen gab es drei Kinder, von der Scheibenstraße an den Stadtplatz. Eine Maklerin hatte Erika Machatschek und ihrem Mann das Haus am Stadtplatz 30 als Geschäftsräume und Wohnhaus angeboten – zunächst nur zur Miete. »Ich weiß noch, es war der Karfreitag 1968, ich stand am Fuß der Treppe und hab' nach oben geschaut und gewusst, das Haus will ich haben, und wenn es zunächst nur zur Miete ist«, erinnert sich die Seniorin. Die Machatscheks hatten sich von der Unteren Stadt an den Stadtplatz hinaufgearbeitet. Es folgten Umbauten und Erweiterungen, bis das Geschäft schließlich das Gesicht hatte, wie man es bis heute kennt.

Wer im Laufe der Jahrzehnte je im Geschäft von Lampen Machatschek war, der kann sich gut an die unzähligen Lampenschirme und Leuchten erinnern, die dicht an dicht von der Decke und an den Wänden hingen. Natürlich gibt es auch in dieser Branche Modetrends und Klassiker. »Eine Tiffany-Lampe oder ein Kristallleuchter verkaufen sich heute noch genauso gut wie früher«, sagt Ernst Flieher, der das Geschäft zusammen mit Heidi Machatschek-Flieher 1998 übernommen hat. Noch in den 1970er und 80er Jahren musste alles zusammenpassen. »Tisch-, Wand- und Stehlampe kamen aus einer Serie – in dieser Zeit war der rustikale Stil groß in Mode«, weiß Flieher. Das hat sich geändert. Ein Kronleuchter im Bad oder im Schlafzimmer – heute hänge man sich auf, was gefällt.

Bei der Frage, was eine gute Leuchte ausmache, kann Heidi Machatschek-Flieher nur schmunzeln: »Das kommt allein auf das Bedürfnis des Kunden an, es gibt hier keine Faustformel.« Bei einem Kunden stehe das Design im Vordergrund, egal, ob die Leuchte den Raum erhelle, bei einem anderen Kunden ist genau die Helligkeit das entscheidende Kriterium. »Es kommt dabei auf die gute Beratung an«, ist ihr wichtig. Darauf haben die Machatscheks immer Wert gelegt, ihren Kunden zuzuhören, die Bedürfnisse abzuklären und so herauszufinden, wo die Leuchte hängen soll und was der Kunde will.

Das sei gar nicht so einfach gewesen, erinnert sich Ernst Flieher. »Ich stand schon mal mit drei verschiedenen, vor-ausgewählten Modellen im Esszimmer, und dann kamen nacheinander die Nachbarin, die Freundin oder die Schwiegermutter und sollten entscheiden, welcher Lampenschirm denn nun passt. Ich habe dann immer nur gesagt: 'Es muss Ihnen gefallen, nicht der Nachbarin.'«.

Inzwischen hat sich das einstige Lampenschirm- und Leuchten-Meer in den Geschäftsräumen am Stadtplatz deutlich gelichtet, der Abverkauf läuft. Zwar habe man zunächst einen Nachfolger gesucht. »Aber für einen Laden wie unseren, der ein so breites Angebot hat, ist das schwierig«, sagt Flieher. Die beiden Kinder haben inzwischen andere Berufe ergriffen und eine Ausschreibung bei der IHK sei erfolglos geblieben.

Schließlich wurde es ein Abschied auf Raten. Eigentlich wollte man schon im Frühjahr zusperren, inzwischen haben auch Heidi und Ernst Flieher das Rentenalter erreicht. Doch der Lockdown im Frühjahr hat alles nach hinten verschoben. Natürlich gebe es etwas Wehmut, wenn man an den Abschied denke. Heidi Machatschek-Flieher macht aber deutlich: »Auf den Ruhestand freuen wir uns schon sehr.« Auch wenn die beiden noch keine konkreten Pläne haben. »Wir lassen es einfach auf uns zukommen«, sagt Ernst Flieher. Ihrer Leidenschaft – dem Malen – will sich Heidi Machatschek-Flieher verstärkt widmen.

Doch selbst wenn Lampen Machatschek nach dem 31. August Geschichte sein wird, steht das Ladengeschäft am Stadtplatz 30 nicht lange leer. »Wir hatten viele Angebote, vor allem Gastronomie wollte hier rein«, sagt Heidi Machatschek-Flieher. Da die Familie jedoch weiterhin im Wohnhaus lebt, hat man sehr sorgsam nach einem neuen Mieter gesucht. Eine Handywerkstatt, die bisher ihren Sitz in Prien hat, hat schließlich das Rennen gemacht und wird ab November in die Räume im Erdgeschoß einziehen.

vew

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