»Müssen flexibel reagieren, wenn ein Hotspot auftritt«

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»Überfüllte Schulbusse sind in Zeiten der Corona-Pandemie für unsere Schülerinnen und Schüler nicht zumutbar«, findet Franz Eder, der Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion aus dem Berchtesgadener Land. Foto: dpa

Traunstein – »Wir planen ganz normal«, betont Traunsteins Schulamtsdirektor Otto Mayer. Das heißt: kein Homeschooling, keine Aufteilung der Klassen zum Schulstart und Unterricht nach Stundenplan. Das hat Anfang der Woche auch die Regierung so festgelegt (wir berichteten). Doch angesichts der nicht absehbaren Entwicklung der Coronazahlen im Landkreis bleibt Mayer vorsichtig. »Wir müssen flexibel reagieren können, wenn etwa ein Hotspot auftritt.«


Otto Mayer ist verantwortlich für 37 Grundschulen, 17 Mittelschulen und drei Privatschulen im Landkreis Traunstein. Jede Schule musste Anfang August ein Alternativszenario vorlegen – »also wie sieht es aus, wenn nur eingeschränkt Präsenzunterricht stattfinden kann«, sagt der 65-Jährige. Für einen täglichen Wechsel hätten sich 37 Schulen ausgesprochen, zwölf Schulen würden im Fall der Fälle wöchentlich wechseln. Von einem »Supergau« spricht Mayer, »wenn wieder alles geschlossen wird.« Doch auch dafür wäre man natürlich vorbereitet.

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Auf die Frage, ob auch wieder Fächer wie Sport und Musik angeboten werden dürften, sagt er: »Das kann jede Schule selbst entscheiden – je nach Möglichkeit. Doch wir empfehlen eher, es bleiben zu lassen.« Fest stehe in jedem Fall, dass bis Ende des Jahres keine Klassenfahrten und keine größeren Veranstaltungen abgehalten werden dürften.

Der Schulamtsdirektor hätte sich eigentlich gewünscht, dass die Maskenpflicht für Schüler im Unterricht nicht kommt. Doch nun gilt sie zumindest für Buben und Mädchen ab der 5. Klasse, zunächst einmal bis zum 18. September. »Ich hoffe, dass es bei den zwei Wochen bleibt. Denn das ist schon mühsam«, sagt Mayer, der froh ist, dass zumindest die Grundschulen außen vor sind.

Im Großen und Ganzen sieht er die Schulen im Landkreis Traunstein aber gut vorbereitet für den Neustart unter Coronabedingungen. »Unsere Hygienekonzepte stehen und wir haben genug Masken und Desinfektionsmittel von der Regierung erhalten.« Wenn eine Schule Bedarf habe, könne sie sich jederzeit an ihn wenden, betont Otto Mayer.

»Wir haben ein Einsatzproblem«

Sorgen bereitet dem scheidenden Schulamtsdirektor – er geht Anfang Oktober nach zwölf Jahren auf diesem Posten in den Ruhestand – allerdings die Personalsituation. »Wir haben keinen Lehrermangel, aber wir haben ein Einsatzproblem«, beschreibt er es. Denn alleine 60 schwangere Lehrerinnen dürften aufgrund von Corona gar nicht arbeiten, dazu kämen noch 20 bis 25 ältere Lehrer, »die nicht einsetzbar sind«. Alle Schulen im Landkreis könnten zwar mit genug Lehrkräften für den Regelunterricht versorgt werden, »doch es ist eine Magerversorgung«.

Waren Anfang der Sommerferien noch einige Rektorenposten offen, seien zumindest hier mittlerweile alle Stellen bis auf eine besetzt: Josefine Brunnhuber ist die neue Schulleiterin in Ruhpolding, Sabine Röhr ist neue Chefin der Grund- und Mittelschule Chieming, Matthias Ramming leitet nun die Mittelschule Trostberg und Johannes Zeitel wechselte von Grassau nach Grabenstätt. Dort gibt es keinen neuen Schulleiter. Georg Tischler und Philipp Bernhofer teilen sich als erste und zweite Konrektoren die Aufgaben. Die größte reine Grundschule im Landkreis, die Ludwig-Thoma-Grundschule in Traunstein, wird von Alexander Fietz geleitet (wir berichteten).

»Überfüllte Schulbusse nicht zumutbar«

Ein weiteres Thema in Zusammenhang mit dem Schulstart am Dienstag, das Eltern und Politiker beschäftigt, ist der Weg zur Schule. Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen aus dem Landkreis Berchtesgadener Land hat Landrat Bernhard Kern beispielsweise aufgefordert, ein umfassendes Hygienekonzept für den Weg zur Schule zu erstellen. Denn: »Überfüllte Schulbusse sind in Zeiten der Corona-Pandemie für unsere Schülerinnen und Schüler nicht zumutbar«, betont Franz Eder, der Sprecher der Grünen-Kreistagsfraktion. So wäre es seiner Meinung nach beispielsweise sinnvoll, die maximale Besetzung im Bus auf eine »tolerierbare Zahl« zu beschränken. Außerdem müsse das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes streng eingehalten werden. Eventuell könnten auch in Absprache mit den Schulen die Zeiten des Schulbeginns variieren, so ein weiterer Vorschlag der Grünen-Kreistagsfraktion. »Angesichts der ausbleibenden Busreisen im Tourismusbereich stehen den regionalen Busunternehmen viele Reisebusse zur Verfügung, die zusätzlich eingesetzt werden können«, ist Franz Eder überzeugt.

Im Berchtesgadener Land und in Traunstein hat man sich nach der Kabinettssitzung am Dienstag zu Besprechungen in den jeweiligen Landratsämtern getroffen. In München war beschlossen worden, dass der Freistaat für zusätzliche Verstärkerbusse die Kosten übernimmt. Wie und ob sich das Ganze in der Praxis auch umsetzen lässt, darüber berichten wir noch. KR

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