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Mit Reihentests und Transparenz um Vertrauen werben

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Bereits zwei Reihentests gab es im Traunsteiner Schlachthof – beide waren jeweils negativ. (Foto: Wannisch)
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Auch bei Südbayerische Fleischwaren und Bayernfleisch wurden die Mitarbeiter getestet – auch hier gab es keine Coronafälle. (Fotos: Wannisch)

Traunstein – Die Nachricht wird viele in der Region aufatmen lassen haben – besorgte Bürger wie den Betreiber des Schlachthofs sowie die Firmen Bayernfleisch und Südbayerische Fleischwaren. Die Reihentests, die vergangene Woche durchgeführt wurden – insgesamt 400 Proben wurden genommen – sind allesamt negativ. Das hatte das Landratsamt bereits am Freitag mitgeteilt.


Seit es in mehreren Schlachthöfen und fleischverarbeitenden Betrieben im Bundesgebiet sowie, wie am Wochenende bekannt wurde, auch in Oberösterreich nahe der bayerischen Grenze zu starken Corona-Ausbrüchen bei der Belegschaft kam, stehen diese Betriebe wieder besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Arbeiten dicht an dicht, Massenunterkünfte für die meist ausländischen Mitarbeiter und fragwürdige Beschäftigungsverhältnisse stehen dabei besonders in der Kritik.

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Das Traunsteiner Tagblatt hat den neuen Betreiber des Schlachthofs, Max Attenberger, sowie die Edeka Südbayern, die Muttergesellschaft hinter Bayernfleisch und Südbayerische Fleischwaren, um Stellungnahme gebeten. Seit 1. April 2020 steht der Traunsteiner Schlachthof unter neuer Führung. Max Attenberger hat den Betrieb mit dem neugegründeten Unternehmen Almrind GmbH übernommen. Attenberger stammt aus einer Familie, die seit über 30 Jahren in München das Familienunternehmen Attenberger Fleisch GmbH & Co. KG betreibt.

Die allgemeine Stimmung zum Thema Corona und Schlachthöfe wollte Attenberger nicht kommentieren: »Wir konzentrieren uns auf unseren Betrieb und beteiligen uns nicht an einer Bewertung anderer Sachverhalte aus der Ferne. Für die Aufrechterhaltung der Produktion und der Lebensmittelversorgung sind wir in den Monaten März und April auch gelobt worden.«

Damit sich im Schlachthof erst gar kein Corona-Hotspot entwickeln könne, habe man »frühzeitig ein Hygienekonzept nach neuesten Erkenntnissen eingeführt und entsprechend geschult und umgesetzt; es wird stetig überprüft und gegebenenfalls angepasst«, wie Attenberger mitteilt. Dieses habe sich bereits bei einer ersten Reihentestung Mitte Mai bewährt. Auch diese Tests waren alle negativ, wie das Landratsamt auf Nachfrage bestätigt. Zudem würden bei neuen Mitarbeitern und Urlaubsrückkehrern nach Vorgabe des betriebseigenen Hygienekonzepts firmenintern Tests durchgeführt. »Erst nach Negativtestung können diese die Arbeit im Betrieb aufnehmen«, betont Attenberger.

Derzeit werden im Traunsteiner Schlachthof rund 1000 Rinder pro Woche geschlachtet, das Fleisch wird laut Attenberger in den deutschen und europäischen Raum geliefert. Derzeit hat der Schlachthof fünf angestellte Mitarbeiter; das Schlachtpersonal – rund 40 Mitarbeiter – »wird aktuell noch von einem externen Dienstleister auf Werkvertragsbasis eingesetzt«, teilt Attenberger schriftlich auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Diese Mitarbeiter seien vom vorherigen Schlachthofbetreiber »Alpenrind GmbH« bereits seit rund zehn Jahren beschäftigt worden. »Sie sind weitläufig in mehreren unterschiedlichen Wohnungen in den Nachbargemeinden untergebracht«, so Attenberger. Aufgrund der Umstände seit dem 16. März 2020 – dem Corona-Lockdown – und der notwendigen Aufrechter-haltung der Produktions- und Lieferketten sei hier noch keine Umstellung erfolgt.

Attenberger: Festanstellung »positiv ausgewirkt«

Der neue Schlachthofbetreiber unterstreicht in seiner Mitteilung, dass »im Münchner Familienunternehmen Attenberger Fleisch GmbH & Co. KG alle Mitar-beiter seit über 15 Jahren in Festanstellung sind. Das hat sich als sehr positiv für Angestellte und Firma ausgewirkt und soll daher auch zeitnah in der Firma AlmRind umgesetzt werden«.

Auch bei Bayernfleisch und Südbayerische Fleischwaren ist man sichtlich um Transparenz bemüht. Auf Nachfrage unserer Zeitung heißt es: »Als Richtlinie haben die Betriebe die Weitergabe von Aufträgen an Sub-Subunternehmen bei unseren Dienstleistern untersagt«, wie Christian Strauß, Pressesprecher von Edeka-Südbayern betont. Bei den Unterkünften, die den Mitarbeitern nach Angaben des Pressesprechers kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, seien hygienisch einwandfreie und sozialgerechte Bedingungen sichergestellt. So hätten alle Wohneinheiten eigene sanitäre Einrichtungen und seien mit zwei – in wenigen Ausnahmen maximal drei – Personen belegt. Bei der Belegung werde laut Strauß zudem »größter Wert auf die Familien- und Beziehungsverhältnisse gelegt«.

International geht es auch bei Bayernfleisch und Südbayerische Fleischwaren zu, blickt man auf die insgesamt 490 Mitarbeiter in beiden Betrieben; woher genau diese stammten, darauf ging der Pressesprecher nicht genauer ein. Der Großteil der Mitarbeiter stamme oder lebe aber seit mehreren Jahren im Landkreis Traunstein.

Edeka Südbayern verweist zudem darauf, dass man »seit den Anfängen dieser Ausnahmesituation die Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiter weiter ausgebaut« habe. Dazu gehörten laut Strauß die strengen Reinigungs- und Desinfektionsabläufe, die Installation von Desinfektionsmittelspendern, die konsequente Umsetzung die neuen Pausen-Regelungen und die räumliche Einteilung der Kantinen sowie die Gesundheitsbefragungen vor Arbeitsantritt, Temperaturmessen, Testen von Urlaubsrückkehrern sowie Stichprobentests. Auch gebe es mehrsprachige Informationsaushänge in den Produktionsbetrieben sowie in den Mitarbeiter-Unterkünften, die auf das Einhalten der Abstandsregeln, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in den Produktionsbetrieben hinwiesen. vew

 

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