Messerstich in den Rücken

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Eine Auseinandersetzung wegen eines Drogengeschäfts führte zu einem lebensgefährlichen Messerstich. Foto: dpa

Traunstein – Ein Streit um ein Drogengeschäft mit Marihuana nahe des Heimatmuseums in Trostberg endete mit einem lebensgefährlichen Messerstich in den Rücken eines 23-Jährigen. Ein 21-Jähriger konnte einem Stich ausweichen. Wegen versuchten Totschlags und zweifacher gefährlicher Körperverletzung muss sich seit Mittwoch ein 20 Jahre alter Auszubildender aus Tacherting vor der Jugendkammer Traunstein als Schwurgericht mit Vorsitzender Richterin Heike Will verantworten.


Der Angeklagte, der an jenem Abend nach seinen Worten ein Gramm Amphetamin genommen und viel Alkohol getrunken hatte, kam am frühen Morgen des 29. Dezember 2019 aus einer Diskothek. Gegen 5.15 Uhr sah er auf einem Parkplatz einen Pkw stehen, in dem mehrere Personen saßen, darunter die beiden späteren Geschädigten. Der 20-Jährige forderte den Fahrer auf, aus dem Wagen zu steigen. Der Grund: Die Freundin des Lehrlings fühlte sich durch diesen bei einem Marihuana-Kauf betrogen. Der 21-Jährige wollte erst nicht aussteigen. Der Tachertinger ließ nicht locker. Daraufhin stieg der Fahrer doch aus. Sofort sprang ihn der 20-Jährige an und schlug mit der Faust zu. Gemäß Anklage von Staatsanwalt Markus Andrä zog er ein Klappmesser mit 7,5 Zentimeter langer Klinge aus der Jogginghose, öffnete es und stach in Richtung des Fahrers. Der 21-Jährige konnte den Messerangriff mit der Hand abwehren, erlitt dabei eine Schnittverletzung. Einige der fünf oder sechs Umstehenden schritten ein, um Schlimmeres zu verhindern. Es entwickelte sich eine Schubserei. Der 23-Jährige kletterte aus dem Auto, um die Situation zu beschwichtigen. Der Altenmarkter trug durch das Herumfuchteln des 20-Jährigen mit dem Messer eine kleine Verletzung am Mund davon. Es gelang ihm zwar, den Angreifer in den Schwitzkasten zu nehmen, doch dieser stieß ihm trotzdem das Messer laut Sachverständigen »mit Wucht« in den Rücken.

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Der sieben Zentimeter tiefe und zwei Zentimeter breite Stich drang in die Lunge ein und führte zu einem großen Blutverlust. Freunde brachten den Schwerverletzten in die Kreisklinik Trostberg. Nach der Erstversorgung musste er in eine Spezialklinik nach München gebracht werden. Bis heute leidet er unter gravierenden Dauerfolgen.

Der Angeklagte entfernte sich damals und ging in ein Spielcasino in der Stadt. Auf seine Spur gelangte die Polizeiinspektion Trostberg einige Stunden später – nachdem der Onkel des 23-Jährigen den Vorfall angezeigt hatte. Der 20-Jährige landete in Untersuchungshaft.

Die Verteidiger, Michael Fraunhofer aus Trostberg und Harald Baumgärtl aus Rosenheim, beantragten ein Rechtsgespräch mit Staatsanwalt und Gericht. Vorsitzende Richterin Heike Will konnte nach einer Stunde zwar keine Verständigung bekannt geben. Jedoch hätten sich Anwälte und Ankläger in ihren Vorstellungen angenähert. Eine Jugendstrafe von drei bis vier Jahren stehe im Raum.

Verteidiger Baumgärtl erklärte den Sachverhalt der Anklage danach namens des 20-Jährigen für zutreffend. Einzige Abweichung war: Sein Mandant habe nicht versucht, auf den 21-jährigen Fahrer des Autos einzustechen. Dessen Verletzung müsse auf andere Art entstanden sein. Der 20-Jährige selbst behauptete, er habe in der Schwitzkastenlage »panische Angst« gehabt, das Klappmesser mit seiner freien Hand geöffnet und zugestochen. Er beteuerte seine Reue: »Es tut mir so leid, dass das passiert ist.« Er habe »niemand töten wollen«. Direkt an den 23-Jährigen sagte er: »Ich möchte mich bei Dir entschuldigen.« Der Nebenkläger mit einer Opferanwältin zur Seite nickte bei diesen Worten.

An anderer Stelle meinte der Angeklagte: »Wenn ich das Scheißding nicht dabei gehabt hätte, säßen wir nicht hier. Die ganze Situation ist irgendwie im Affekt passiert.« Warum er das Messer bei sich getragen habe, wisse er nicht. Er laufe nicht grundsätzlich mit einem Messer herum. Eigentlich habe er in jener Nacht »nur feiern wollen«, antwortete er auf Fragen des Gerichts. Der Prozess wird fortgesetzt. kd

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