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Wohnungen und Einfamilienhäuser sollen in dem neuen Baugebiet in Seiboldsdorf entstehen.

Meinungen zu Plänen in Seiboldsdorf könnten unterschiedlicher nicht sein – Stadtrat fasst Aufstellungsbeschluss

Traunstein – Die Meinungen zu den Plänen für das neue Baugebiet in Seiboldsdorf gehen weit auseinander. Die einen sprachen von »einem hervorragenden Schritt nach vorne« und einem »großen Wurf«, die anderen fanden, da wäre deutlich mehr möglich gewesen. Nach längerer Diskussion stimmte der Traunsteiner Stadtrat aber der Aufstellung eines Bebauungsplans im beschleunigten Verfahren – es wurde der Billigungs- und Auslegungsbeschluss gefasst – zu.


»Das ist ein Thema, das uns schon länger begleitet«, sagte OberbürgermeisterDr. Christian Hümmer (CSU). »Und wir sind gut unterwegs.« Seiboldsdorf werde ein Baugebiet, wie Traunstein es noch nicht gehabt habe – mit Geschoßwohnungsbau und Einfamilienhäusern. Er sprach von einem »großen Wurf«.

Richard Hagenauer, der Leiter des Fachbereichs »Planen und Bauen« in der Stadt, ging auf einige Änderungen im Vergleich zum Entwurf von Januar 2022 ein. Der Parkstadel sei entfallen, weil er nicht mehr notwendig sei. Man habe die Planung für die Einfamilienhäuser so optimiert, dass alle zwei Stellplätze hätten.

Des Weiteren gebe es keine Kettenhäuser mehr, sondern durchweg freistehende Einfamilienhäuser. Auf die Lärmschutzwand könne bis auf einen kleinen Abschnitt verzichtet werden. »Das ist ein großer Vorteil für das Baugebiet«, betonte Hagenauer. Außerdem könne so viel Geld gespart werden.

Simon Schreiber (CSU) fragte unter anderem nach dem Radweg. Nach den Planungen werde dieser bis zum Kreisverkehr am neuen Baugebiet fortgeführt. »Es entsteht ein Lückenschluss«, sagte Richard Hagenauer.

Dr. Patrick Nepper (Grüne) sagte, er könne dem Vorhaben weiter nicht zustimmen. Für ihn sei die Fläche (3,8 Hektar) so groß, dass sie als eigene landwirtschaftliche Fläche wahrgenommen werde, wenn man die Stadt verlasse. Nepper bezweifelte aus mehreren Gründen, dass hier die Voraussetzungen des Paragrafen 13b des Baugesetzbuchs für ein beschleunigtes Verfahren gegeben seien. Er verwies auch auf eine entsprechende Stellungnahme des Landratsamts, das dies wohl ähnlich sieht.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Thomas Stadler sagte, dass 50 Wohnungen möglich gewesen wären. Nun seien es deutlich weniger. »Traunstein kann mehr beim Sparen von Flächen und beim Schaffen von Wohnraum.«

Helga Mandl (Grüne) war der Meinung, dass in Traunstein mehr Wohnungen gebaut werden müssten für Menschen, die weniger verdienten. »Tun wir doch«, entgegnete der Oberbürgermeister. »Wir schaffen mit einem Wohngebiet mehr Wohnraum, als in den letzten sechs Jahren in ganz Traunstein entstanden ist.«

Denis Holl (SPD/Die Linke) verwies auf die vielen Stellungnahmen der Behörden – die Stadt wollte dem Traunsteiner Tagblatt diese nicht zur Verfügung stellen – und sagte: »Was die alles schreiben... Wir müssen uns noch einmal anstrengen.« Zeit sei ein Faktor, aber für »Seiboldsdorf g'scheit« sollte man sich diese nehmen.

Oberbürgermeister Hümmer entgegnete, dass man nun schon drei, vier Jahre an dem Thema dran sei. »Die Leute suchen Wohnraum. Wir sind in der Pflicht, weiterzumachen.« Er sei nicht gewillt, nun wieder über Grundsätzliches zu diskutieren.

Seniorenreferentin Isabelle Thaler (CSU) freute sich, dass in dem geplanten Baugebiet ein Mehrgenerationenwohnen entstehen soll. Und dass dort auch der Quartiersmanager (wir berichteten), also ein Kümmerer für Senioren, eingesetzt werde.

CSU-Fraktionsvorsitzender Konrad Baur betonte, dass nicht nur Bedarf für Geschoßwohnungsbau bestehe, sondern auch für Einfamilienhäuser. Das habe nichts mit dem Wunsch nach Luxus zu tun. »Auch diese Familien müssen oft jeden Cent umdrehen.« Mit dem Bebauungsplan beweise Traunstein Zukunftsgeist. »Das ist ein hervorragender Schritt nach vorne.«

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Grüne) sagte, dass es natürlich auch eine große Nachfrage nach Einfamilienhäusern in Traunstein gebe. »Aber es wird keine Umfrage gemacht, wie viele eine Wohnung suchen – vor allem auch größere Wohnungen.«

Das stimme so nicht, sagte Oberbürgermeister Hümmer. Die Verwaltung habe sich angeschaut, wo die Nachfrage am größten sei. Dabei sei herausgekommen, dass der Bedarf für große Wohnungen am geringsten sei.

Dritter Bürgermeister Sepp Kaiser (UW) war wie der Oberbürgermeister der Meinung, dass nun lange genug über das neue Baugebiet diskutiert worden sei und man Gas geben sollte – vor allem auch aufgrund der Zinsentwicklung und der Kostensteigerungen auf dem Bau. Er erinnerte daran, wie vielen Familien man in Traunstorf absagen habe müssen – nämlich 150. »Und jetzt stellen wir das hier wieder in Frage!?«, kritisierte er.

»Da wäre mehr möglich gewesen«, fand Thomas Stadler. »Wir hatten uns ursprünglich an diesem Platz etwas ganz anderes vorgenommen«, blickte Stadler zurück auf die ersten Ideen noch unter Oberbürgermeister Kegel. »Wir müssen nachhaltiger mit Flächen umgehen.«

Seine Fraktion stimmte dann auch gegen den Billigungs- und Auslegungsbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans im beschleunigten Verfahren. Dagegen waren auch die beiden Stadträte der Traunsteiner Liste (Simon Steiner und Ulrike Hoernes), Wilfried Schott (fraktionslos) und Denis Holl von der Fraktion SPD/Die Linke. Die deutliche Mehrheit war dafür. Die Abstimmung endete 19 zu 10.

Unterstützt wird die Stadt bei den Planungen für das neue Baugebiet vom Büro ING aus Traunreut.

KR

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