Mehr Solidarität für eine gerechtere Zukunft

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Der katholische Betriebsseelsorger und Pastoralreferent Alexander Kirnberger plädierte bei der Maikundgebung des DGB auf dem Traunsteiner Stadtplatz für die Rückbesinnung zu mehr gesellschaftlich-sozialer Verantwortung. (Foto: Effner)

Traunstein – Unter dem Motto »Solidarität ist Zukunft« stand die Maikundgebung des DGB Oberbayern zum Tag der Arbeit auf dem Stadtplatz in Traunstein. »Es ist gut, wenn wir gerade in Pandemiezeiten auch Präsenz auf der Straße zeigen«: Mit diesen Worten begrüßte DGB-Kreisvorsitzender Hans Gandler (Verdi) die rund 30 Gewerkschaftsmitglieder und Zuhörer, darunter auch Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl.


Von den Herausforderungen, in Tarifverhandlungen per Videokonferenz zu guten Ergebnissen zu kommen, berichtete Alexander Kirnberger, Pastoralreferent der Erzdiözese München-Freising und zuständig für die katholische Betriebsseelsorge, in seinem Impulsvortrag. Für gute Kompromisse brauche es in der Regel Zwischentöne und den Dialog von Angesicht zu Angesicht. Er sprach sich für ein »Heraustreten aus dem Privaten« aus, das gegen »selbstgebastelte Weltbilder« helfe und auch Menschen Orientierung geben könne, die Angst haben.

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Gerade in der Gewerkschaftsarbeit sah Kirnberger ein wichtiges Instrument, um sich für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einzusetzen. Ebenso wie Personalräte, die sich auch in sehr angespannten Zeiten wie der Coronapandemie für Mitarbeiterverträge und gerechte Arbeitsbedingungen stark machen. Der Betriebsseelsorger machte auf die Widersprüche im Gesundheitswesen aufmerksam. Während der Pandemie sei der hohe Einsatz der Pflegekräfte in Kliniken sowie Alten- und Pflegeheimen beklatscht worden. Boni-Zahlungen seien als »Pflästerchen« verteilt worden, die aber an der grundlegenden Situation nichts verändert hätten. Stattdessen seien weiter Kliniken geschlossen oder wie bei einer Klinikgruppe 1000 Servicekräfte abgebaut worden.

Wer mit der Gesundheit des Menschen Gewinn machen wolle, fördere ein System, das nicht nur die Kollegen krank mache. Als Beispiele nannte er die Fallpauschalen, die am Bedürfnis der Patienten und Mitarbeiter vorbeigehen, »Zuwendung im Minutentakt« oder die Tendenz zum Kaiserschnitt, der mehr einbringe als eine normale Geburt. Dazu komme oft ein »Personalschlüssel an der Untergrenze«, der bei schwierigen Schichtsituationen zu Einsatzanfragen während der Freizeit führe. Kirnberger forderte angesichts dieser Situation faire Arbeitsbedingungen und eine leistungsgerechtere Bezahlung.

Die Gesundheitskosten würden in der Gesellschaft nicht gerecht umgelegt. Der Betriebsseelsorger sprach sich deshalb für eine Bürgerversicherung aus, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen müssten. Zu mehr Rückbesinnung auf gesellschaftliche Solidarität gehöre seiner Ansicht nach auch das »Stopfen von Steuerschlupflöchern für Konzerne« sowie die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Kirnberger erinnerte daran, dass auch die Kommunen mit einem öffentlichen Jahresauftragsvolumen über eine dreistellige Milliardensumme durch geschickte Steuerung der Vergabekriterien viel für mehr soziale und ökologische Gerechtigkeit tun könnten.

Corona führe zu einer Verschärfung der sozialen Ungerechtigkeiten und spalte die Gesellschaft in zunehmendem Maße. Dem sich gerade wandelnden Menschenbild der Angst vor dem Gegenüber stellte Kirnberger ein von Nachhaltigkeit und Solidarität geprägte Haltung gegenüber, wie sie sich in der Bayernhymne ausdrücke. Der Betriebsseelsorger hatte noch zahlreiche weitere Punkte, wo aus seiner Sicht gesellschaftlicher »Nachbesserungsbedarf« bestehe. Ein wolkenbruchartiger Gewittersturm während der Rede sorgte allerdings dafür, dass die Veranstaltung vorzeitig abgebrochen werden musste. Neben der Maikundgebung in Traunstein, wurde auch eine in Traunreut abgehalten – hier allerdings online.

eff

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