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Mehr Druck auf uneinsichtige Revierbesitzer

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Regelmäßig veranstaltet die Waldbesitzervereinigung Traunstein für ihre 1800 Mitglieder Schulungen wie hier zum Thema technische Fällhilfen. (Foto: Jan Röder)

Traunstein – Artenreiche Waldverjüngung und Probleme der Rehwildfütterung, Holzmarkt und Schneebruch sowie Schlussfolgerungen aus dem aktuellen Verbissgutachten: Mit diesen und vielen weiteren Themen beschäftigte sich die Waldbesitzervereinigung (WBV) Traunstein bei ihrer Jahreshauptversammlung im Alpengasthof Hochberg.


Als »Versicherung für die Zukunft« in Sachen Klimaschutz bezeichnete stellvertretender Landrat Josef Konhäuser das Ökosystem Wald. Wie wichtig die Beratung für Waldbesitzer sei, gerade angesichts der wachsenden Zahl von Nichtbauern, hob die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl hervor. Vorsitzender Werner Schindler nahm darauf ebenfalls in seinem Vortrag Bezug und sagte, dass die WBV deshalb mehr Dienstleistungen anbiete und die Betriebsabläufe in der Geschäftsstelle neu strukturiere.

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Als »sehr kritisch« sah Schindler die im Koalitionsvertrag zwischen Freien Wählen und CSU festgehaltene Aussage, das Verbissgutachten »weiterentwickeln« zu wollen. Die Prämisse »Wald vor Wild« und die verstärkte Bejagung des Rehwilds dürfe nicht im Zeichen von Artenschutz und -vielfalt verwässert werden. »Wir müssen aufpassen, dass wir als Waldbesitzer nicht unter die Räder geraten.«

Warum angesichts der Klimaveränderung heute eine artenreiche und generationengerechte Waldverjüngung mehr denn je Not tut und was eine waldfreundliche Jagd mit tragbaren Schalenwildbeständen dazu beitragen kann, erläuterte Klaus Urban in seinem Vortrag. Wie der seit Jahrzehnten unermüdlich in der Aufklärung tätige Berufsjäger und Revierjagdmeister erklärte, neige sich die 200-jährige Erfolgsgeschichte des »Brotbaums« Fichte dem Ende entgegen.

Seit drei Generationen sei eine systematische Waldverjüngung mit Baumartenvielfalt und keimfähigem Humusaufbau »schlichtweg verschlafen worden« und deshalb überfällig. Neben der Robustheit gegen Wetterextreme fördere Mischwald die Artenvielfalt und durch den Holzzuwachs auch den finanziellen Gewinn der Waldbesitzer. Durch mehr Ansitze, eine Verkürzung der Jagdzeit und verändertes Jagdverhalten könne die Zahl der Abschüsse signifikant erhöht werden, erläuterte Urban in seinem Jagdkonzept. »Rehwildfütterung ist ein Rechtsverstoß«, fügte er hinzu und machte die Zusammenhänge zwischen quälender Pansenübersäuerung und Verbisssteigerung deutlich.

Einblick in den aktuellen Holzmarkt und den Geschäftsbericht gab WBV-Geschäftsführer Jan Röder. Neben 65 neuen Mitgliedern verzeichnete die WBV Traunstein im vergangenen Jahr die Vermarktung von 60 899 Einheiten, das entspricht 51 225 Festmetern Holz durch 640 Mitglieder auf 1906 Holzlisten. Rund 111 000 neue Forstpflanzen mit steigendem Laubholzanteil (47 Prozent) wurden im l vergangenen Jahr bestellt. Einen deutlichen Flächenzuwachs von knapp 60 auf 167 Hektar (2013 bis 2018) gab es anlässlich der Waldpflegeverträge mit aktuell 39  Waldbesitzern.

Mit Newsletter, Schulungen, Videos und ständig aktualisierter Internetseite habe die WBV ihr Serviceangebot für die rund 1800 Mitglieder verbessert, hob Röder hervor. Durch die Trockenheit im vergangenen Jahr sowie Schneebruch und -druck und den Märzsturm sei der Holzmarkt aufgrund von Rekordmengen weiter stark unter Druck. Sorgen bereite erneut ein »überregionales Käferjahr«, das zu einer zügigen Aufarbeitung der Schneeschäden verpflichte. Mit über 500 Stämmen und rund 485 Festmetern lag das Angebot bei der letzten Holzsubmission 50 Prozent über dem langjährigen Mittel. Als teuerster Stamm (»Braut«) erlöste eine Eiche aus dem Vereinsgebiet knapp 3000 Euro mit 824 Euro pro Festmeter.

Beim Haushaltsplan 2019 stellte Röder ein Minus von 790 Euro vor allem infolge gestiegener Personalkosten und neuer Software fest. Steuerberater Anton Heindl sah in seinem vorläufigen Jahresabschluss für 2018 trotz eines Verlusts von knapp 10 000 Euro die Voraussetzung für eine Förderung weiterhin gegeben, sodass die Vorstandschaft ein-stimmig entlastet wurde.

Wolfgang Madl, Abteilungsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein, stellte die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus dem aktuellen Vegetationsgutachten 2018 vor, das 267 Jagdreviere in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land umfasst. 718 Verjüngungsflächen mit knapp 67 000 Bäumchen wurden begutachtet.

Sehr erfreulich sei die Zunahme der als »günstig« eingestuften Reviere und die Reduzierung der Reviere mit dem höchsten Verbissmarker »deutlich zu hoch« auf Null. Mit deutlichen Konsequenzen hätten dagegen die Besitzer von 26 Revieren zu rechnen, deren Verbisssituation trotz Begleitung bereits seit Jahren dauerhaft als »zu hoch« eingestuft werde. In Abstimmung mit der Unteren Jagdbehörde und dem Jagdbeirat werde die Abschusserfüllung künftig auch mit Ausschöpfung rechtlicher Mittel konsequent verfolgt. Madl sagte: »Es geht schließlich um die nächste Wald- und Kindergeneration.« eff