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Mehr als 100 Schüler und 22 Lehrer in Quarantäne: »Müssen mit einem Restrisiko leben«

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Traunstein: Über 100 Schüler und 22 Lehrer der Berufsschule I in Quarantäne: »Müssen mit Restrisiko leben«
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Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Traunstein – Nicht leicht hat es der Leiter der Berufsschule I, Wolfgang Kurfer, dieser Tage. Am Mittwoch wurde bekannt, dass 22 Lehrkräfte und 109 Schüler aus dem Fachbereich Elektro und IT für zwei Wochen, bis zum 20. Oktober, in Quarantäne müssen.


Zwei Schüler einer Berufsschulklasse sowie eine ihrer Lehrkräfte hatten sich mit SARS-CoV-2 infiziert. Bei dem Lehrer ist es möglich, dass er sich trotz des strengen Hygienekonzepts der Schule, in der Klasse angesteckt hat. »Wir können es zumindest nicht ausschließen«, sagt Kurfer. Der Schulleiter ist selbst von der Quarantäneregelung betroffen und steuert die Geschicke der Schule nun aus dem Homeoffice.

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»Uns fehlt aktuell ein Viertel der Lehrkräfte durch diese Maßnahme«, sagt Kurfer im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Insgesamt gibt es 82 Lehrkräfte an der Berufsschule I und 2250 Schüler. Davon werden täglich rund 600 bis 700 Schüler vor Ort beschult.

Die Corona-Infektionen ziehen weite Kreise, wie Wolfgang Kurfer bestätigt: »Neben den fünf Klassen aus dem Fachbereich Elektro und IT, die in Quarantäne sind, können aktuell vier weitere Klassen nicht beschult werden, weil die Lehrkräfte fehlen.« Doch ganz ausfallen wird der Unterricht nicht. Man setze nun wieder in allen Fächern auf digitalen Unterricht, so wie man es bereits im vergangenen Schuljahr praktiziert habe. »Ersetzen kann der digitale Unterricht den Präsenzunterricht aber nicht«, das weiß auch der Schulleiter.

Dass gleich 22 Lehrkräfte in Quarantäne müssen, war dem Umstand geschuldet, dass sich der infizierte Lehrer mit seinen Kollegen zusammen im Lehrerzimmer des Fachbereichs aufgehalten hatte. »Das hat ausgereicht, um die Quarantäne für alle zu rechtfertigen«, bestätigt Kurfer. Zu diesem Zeitpunkt mussten Lehrer noch keine Masken tragen, wenn sie an ihren zugewiesenen Plätzen saßen. Er hat daher großes Verständnis für diese Maßnahme.

Grundsätzlich Vertrauen in Hygienekonzept

Das Rahmenhygienekonzept für Schulen, das vom Kultusministerium vorgegeben wird, wurde inzwischen nochmals verschärft. So müssen jetzt auch die Lehrer an den Schulen im Lehrerzimmer immer die Mund-Nasen-Maske tragen, auch wenn sie an ihrem zugewiesenen Platz sitzen. Einzige Ausnahme: wenn etwas gegessen oder getrunken wird. Generell hält der Schulleiter das Rahmenhygienekonzept, das von den Schulen individuell angepasst, das heißt verschärft aber nicht verwässert, werden kann, für ausreichend. »Allerdings kann man das nach der aktuellen Erfahrung schon in Frage stellen«, gibt Kurfer im Gespräch mit unserer Zeitung zu.

Er sei sich aber bewusst, dass es auch mit dem besten Hygienekonzept keine hundertprozentige Sicherheit geben kann. Alle Fälle, die man schon vorher an der Schule hatte, seien von außen hereingetragen worden, ohne Weiterverbreitung. Kurfer ist aber klar: »Wir müssen mit einem Restrisiko leben.« Sonst müsste man täglich jeden Schüler auf das Coronavirus testen und das sei ak- tuell utopisch.

Daher appelliert Kurfer an die Vernunft aller, sich an die Hygieneregeln zu halten, um so das individuelle Risiko zu minimieren. Denn in der Berufsschule kämen drei Bereiche zusammen: das private Umfeld von Schülern und Lehrern, die ausbilden­den Betriebe und der Klassenverband. »Wir haben eine sehr hohe Verantwortung nicht nur gegen­über unseren Mitmenschen, sondern auch gegenüber den Betrieben.« vew

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