»Laufende Angelegenheit des Oberbürgermeisters«

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Das »Chiemgauer Heimatkreuz« steht auf dem Traunstein und lädt zum Innehalten und Nachdenken ein. Die Aufstellung sorgt für Diskussionen. (Foto: Pültz)

Traunstein – Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer weist die Kritik an der von ihm veranlassten Aufstellung des »Chiemgauer Heimatkreuzes« auf dem Traunstein zurück. »Es handelte sich um eine laufende Angelegenheit des Oberbürgermeisters, da es sich um eine Erneuerung eines bisher vorhandenen Kreuzes handelt«, rechtfertige er sein Vorgehen gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Bürger kritisieren, dass er die Angelegenheit nicht dem Stadtrat vorgelegt habe.


Beauftragt von Hümmer fertigte Künstler und Stadtrat Rolf Wassermann das fast drei Meter hohe und knapp 1,5 Meter breite Kreuz. Vor kurzem erfolgte die Aufstellung des Kunstwerks auf dem Traunstein, dem Felsblock, der an der Traun im Bereich der Einmündung der Salinen- in die Bundesstraße 306 liegt. Dekan Georg Lindl von der katholischen und Dekan Peter Bertram von der evangelischen Kirche segneten das Kreuz.

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Aus den Reihen der Bürger kam Kritik. In Leserbriefen an das Traunsteiner Tagblatt teilten sie mit, dass sie mit dem Vorgehen im Rathaus nicht einverstanden seien. So erinnerte nicht nur zum Beispiel Johann Wimmer aus Traunstein daran, dass doch der Stadtrat vor knapp zwei Jahren die Aufstellung des »Chiemgauer Heimatkreuzes« abgelehnt habe. Einen neuen Beschluss habe das Gremium nicht gefasst.

Wassermann hatte vor rund zwei Jahren angeboten, in jeder Kommune im Landkreis Traunstein ein »Chiemgauer Heimatkreuz« aufzustellen, das aus seinem Atelier kommt. In allen Gemeinden und in jeder Stadt wolle er, so seine Argumentation damals, einen »Platz zum Innehalten und Nachdenken« schaffen. Hilfe bekam er vom Landkreis Traunstein: Er stellte in Aussicht, in jedem Ort jeweils die Hälfte der Kosten zu übernehmen, die rund 5000 Euro betragen.

Ein Projekt in Traunstein kam in der Folge nicht zustande. Die Stadt winkte ab: Mit 16:6 Stimmen votierte der Stadtrat am 24. Januar 2019 in öffentlicher Sitzung – damals noch unter der Leitung von Oberbürgermeister Christian Kegel – gegen den von der Verwaltung im Rathaus vorgelegten Beschlussvorschlag: gegen die, so der Wortlaut, »Aufstellung eines Chiemgauer Heimatkreuzes an einer geeigneten Stelle im Stadtgebiet«.

Und damit lehnte das Gremium auch ab, »einen genauen Aufstellungsort« zu suchen und sich an den Kosten für das Kreuz mit einem Beitrag in Höhe von 2500 Euro zu beteiligen. Der mehrheitliche Tenor lautete damals, dass die Stadt vorzugsweise die alten Kreuze pflegen und gegebenenfalls erneuern sollte, ehe sie neue aufstellt.

Fast zwei Jahre später steht nun ein neues »Chiemgauer Heimatkreuz« auf dem Traunstein. Der seit Mai amtierende Oberbürgermeister Hümmer hatte die Aufstellung in die Wege geleitet. Der Rathauschef spricht von einer »laufenden Angelegenheit des Oberbürgermeisters«: von einer »Erneuerung eines bisher vorhandenen Kreuzes«.

Und weiter sagt Hümmer: »Der Beschluss von 2019 steht dem nicht entgegen. Mir war eine kostengünstige und langlebige Erneuerung sehr wichtig. Da das Heimatkreuz vom Landkreis mit 50 Prozent bezuschusst wird, war es mir wichtig, diesen Zuschuss auch für Traunstein zu sichern.« Die Stadt Traunstein erwerbe immer wieder Kunstwerke von verschiedenen heimischen Künstlern. »Bei der Erneuerung dieses Kreuzes habe ich auf das Angebot von Rolf Wassermann zurückgegriffen, das in diesem Jahr an alle Gemeinden im Landkreis gerichtet war.«

Das in so einem Fall übliche Prozedere zur Auftragsvergabe sei eingehalten worden, ergänzt Pressesprecherin Agnes Giesbrecht. »Instandhaltungen und laufende Angelegenheiten mit einem Budget von 2500 Euro kann der Oberbürgermeister laut Geschäftsordnung ohne Beteiligung des Stadtrats in Auftrag geben. Dazu ist kein Beschluss des Stadtrats oder eines seiner Ausschüsse notwendig.« Und weiter: »Bereits im Januar 2019 wäre es nicht erforderlich gewesen, die Gremien in diese Entscheidung miteinzubeziehen.«

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