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Laptops für Schüler aus einkommensschwachen Familien

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Traunstein: Stadt will Laptops für Schüler an einkommensschwachen Familien leihen
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Nicht jeder Schüler in Traunstein besitzt einen eigenen Laptop. Damit läuft er Gefahr, am Homeschooling nicht teilnehmen zu können und den Anschluss zu verlieren. Die Stadt macht sich jetzt Gedanken, wie sie womöglich helfen kann. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadt zieht in Erwägung, Schülern in Traunstein zu helfen, die keinen eigenen Laptop oder Tablet besitzen und am Homeschooling nicht teilnehmen können. So überlegt sie, ob sie in ihren Schulen Geräte anschafft und zur Ausleihe zur Verfügung stellt.


Auf Antrag der Fraktion von SPD und Die Linke hat der Ausschuss für Familie, Bildung und Soziales des Stadtrats die Verwaltung im Rathaus einstimmig beauftragt, in den städtischen Schulen den Bedarf an benötigten Geräten zu erheben. Noch vor den Sommerferien – in der Juli-Sitzung – will der Ausschuss die Ergebnisse bekommen und dann die Diskussion fortsetzen.

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Die Corona-Krise macht ein Umdenken erforderlich: Das Virus hat den Betrieb in den Schulen auf den Kopf gestellt. Der gewohnte Unterricht von Angesicht zu Angesicht im Klassenzimmer ist nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Lehrer und Schüler müssen neue Wege suchen. »Homeschooling« ist angesagt: Die Lehrer vermitteln das Wissen über das Internet an die Schüler, die zuhause sitzen. Doch am digitalen Unterricht können nur jene Schüler teilnehmen, die Computer besitzen. Längst nicht alle Kinder und Jugendliche in Traunstein verfügen über einen Laptop oder ein anderes Gerät.

Die Fraktion von SPD/Die Linke wandte sich mit einem Antrag an den Oberbürgermeister. Um allen Schülern aus einkommensschwachen Haushalten einen »problemlosen Zugang zu einem digitalen Endgerät« zu ermöglichen, regte sie an, dass die Stadt an ihren Schulen eine ausreichende Anzahl von digitalen Endgeräten – unter anderem Tablets und Laptops – zur langfristigen Ausleihe an Schüler aus einkommensschwachen Haushalten zur Verfügung stellt. Sie beantragte, die Verwaltung zu beauftragen, den Bedarf an den Schulen zu erheben. Und weiter: »Wir fordern die Bereitstellung eines Soforthilfebudgets in Höhe von 3000 Euro pro Schule zur Behebung von aktuellen Notfällen.« Außerdem sei die Verwaltung zu beauftragen, darzustellen, ob und – wenn ja – welche Kostenanteile durch staatliche Förderungen refinanziert werden könnten.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) erinnerte daran, dass Kultusminister Michael Piazolo betont habe, »alle Schüler sollen beim 'Lernen zuhause' in der Corona-Krise gute Bedingungen vorfinden«. In Bayern werde die Regierung ein Sonderbudget für digitale Leihgeräte zur Verfügung stellen. Hümmer schlug vor, wie beantragt, den Bedarf an den städtischen Schulen in Traunstein zu erheben. Die Ergebnisse sollten jedoch – wie der Ausschuss dann auch festlegte – nicht erst zum Beginn des neuen Schuljahres, sondern bereits zum Ende des alten vorliegen. Weiter regte der Oberbürgermeister an, was dann der Ausschuss mehrheitlich absegnete, die Entscheidung über die Bereitstellung eines Sofortbudgets in Höhe von 3000 Euro pro Schule zur Behebung von Notfällen zurückzustellen.

Dennis Holl (Die Linke) freute sich, dass die »Idee aus der roten Ecke« auf der höheren Ebene der Politik Beachtung finde. Das Sofortbudget sei ein »Signal an die Schulen«. Sie müssen seiner Ansicht nach in die Lage versetzt werden, schnell und unbürokratisch zu helfen.

Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste) sagte, »der Teufel steckt im Detail«. So stellen sich laut Hoernes, die aus ihren Erfahrungen als stellvertretende Leiterin der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule berichtete, viele Fragen: Wer lernt den Schülern den Umgang mit den Leihgeräten? Wo ist WLAN gegeben? Ist ein Vertrag abzuschließen? Antworten auf diese Fragen zu geben übersteige die Möglichkeiten der Lehrer: »Wir haben niemanden, der das in der Schule leisten kann.« Die Ausleihe der Geräte könne nur dann funktionieren, wenn diese Aufgabe von einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung übernommen wird. Bildungsgerechtigkeit für alle müsse man einfordern, betonte Ursula Lay (UW). Mit Blick auf ihre Erfahrungen, die sie als Schulleiterin in Bergen gesammelt hatte, berichtete sie, dass »sehr viele Familien« mit geringem Einkommen in vergleichbaren Situationen »aus Scham keinen Antrag stellen«.

Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen), berichtete aus seinem Alltag als Lehrer an der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule, dass das Kollegium auf die Corona-Krise mit all ihren Herausforderungen »nicht vorbereitet« gewesen sei. Stadler: »Wir sind überrollt worden«. In den vergangenen zwei Monaten habe auch er viel gelernt und mache jetzt etwa Videokonferenzen. Um die Herausforderungen zu meistern, seien Konzepte erforderlich – und nicht zuletzt auch Fortbildungen, damit die Lehrer den Kindern in Sachen Homeschooling auf die Füße helfen können. »Wir müssen uns digital gut aufstellen« – um künftig solche Krisen wie die gegenwärtige »meistern zu können.«

Auch Susanne Deckert (Initiative Traunstein) forderte ein Umdenken. Homeschooling dürfe sich nicht darauf beschränken, dass Lehrer per E-Mail Arbeitsaufträge verschicken.

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