weather-image
17°

Landkreis will eigenen Verkehrsmanager

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Foto: dpa/Sven Hoppe

Traunstein – Im Zuge vielerorts laufender Planungen zu neuen und zeitgemäßen Mobilitätskonzepten will auch der Landkreis Traunstein Neuland beschreiten. Statt wie bisher allein auf den Rat und das Urteil externer Gutachter zu vertrauen, will der Landkreis einen eigenen Verkehrsmanager einstellen.


Der Inhaber der neuen Stelle soll sich professionell und fokussiert um eine ganzheitlich abgestimmte Verkehrs- und Mobilitätsplanung im Kreis kümmern. Diese soll auch in Zukunft Bestand haben und fortgeschrieben werden.

Anzeige

Geplant ist demnach, die bisherige Nahverkehrsplanung aus dem Jahr 2003 auf eine ganz neue Grundlage zu stellen, dabei aber passende Ergebnisse aus bisherigen Untersuchungen mit einzubeziehen. Die Kosten für die neue Stelle werden mit rund 67 000 Euro beziffert.

Einem entsprechenden Beschluss stimmten die Mitglieder des Ausschusses für Landkreisentwicklung und Verkehrsfragen in ihrer letzten Sitzung des Jahres am Dienstag einhellig zu. Landrat Siegfried Walch machte in seinem Vorwort deutlich, dass die heute für viele Bürger selbstverständliche Mobilität im Öffentli-chen Personennahverkehr (ÖPNV) neu konzipiert werden müsse. Dies geschehe etwa mit Blick auf den demographischen Wandel und neue digitale Informationsmöglichkeiten. Auf der Grundlage des Status quo sollen deshalb Mängel aufgespürt und Lösungsvorschläge erarbeitet werden.

Abteilungsleiterin Alexandra Wolf zeigte die Rah-menkonzeption im Detail auf und zog Vergleiche zu den Nachbarlandkreisen. Bei der Erarbeitung sollen die Bedürfnisse unterschiedlicher ÖPNV-Nutzer einschließlich Schulen und Firmen mit den örtlichen Gegebenheiten, den bestehenden Konzessionen und dem Haltestellennetz auf Optimierung und bessere Vernetzung hin untersucht werden.

Zu den Zielen gehören neben der Barrierefreiheit unter anderem eine bessere Taktung, Linienbündelung und Abstimmung zwischen Bus und Bahn. Dazu kommen ein abgestimmtes Nachtbussystem, ein möglichst einheitlicher Tarif, eine gute Flughafenanbindung und zuverlässige Zubringersysteme zur Bahn. Wünschenswert sind zudem ein deutlich vereinfachtes und übersichtliches Tarifsystem sowie günstige Tickets für Schüler, Pendler und Senioren.

In der Diskussion begrüßte es Sepp Hohlweger (Grüne), dass der Landkreis die Kompetenz für ÖPNV-Planungen künftig im eigenen Haus habe. Ein integrierter Tarifverbund mit schnell erkennbaren Kosten einer Fahrt für den Fahrgast fehle aktuell vielerorts. Wichtig sei zudem, Übersichten über die aktuellen Fahrgastzahlen von den Busunternehmen zu erhalten. Ernst Ziegler (SPD) verwies auf Probleme im Schüler- und im Werksverkehr für große Firmen in Traunreut und im nördlichen Landkreis. Seit der letzten Fahrplanumstellung seien offenbar eine ganze Reihe von Haltepunkten weggefallen.

Landrat Walch erläuterte dazu, dass die Buskonzes-sionen von der Regierung vergeben würden. Mit einem selbstentwickelten ÖPNV-Plan habe man »insgesamt mehr Steuerungsmöglichkeiten« und unter Umständen bessere Möglichkeiten, bei der Konzessionsvergabe auf die Regierung einwirken zu können.

Fritz Stahl (SPD) erinnerte an die langen Planungsprozeduren eines externen Beratungsunternehmens für das im Februar 2015 vom Kreistag beschlossene ÖPNV-Konzept: »ein großes Maßnahmenpaket, aber wenig Ergebnisse«. Es solle zumindest geprüft werden, inwieweit bereits erarbeitete Papiere und Beschlüsse in das neue Konzept mit eingearbeitet werden können.

Stephan Bierschneider (CSU) kritisierte, dass sich der Trend zum Ganztagsunterricht an Schulen bei den Busunternehmen offenbar noch nicht herumgesprochen habe. Durch Umlaufoptimierungen nach der Fahrplanumstellung müssen Fahrgäste wieder häufiger umsteigen oder es gebe Ärger wegen fehlender Anschlüsse: »Das treibt die Leute dann doch wieder zum Auto.«

Landrat Walch fasste den neuen Ansatz so zusammen: »Wir bekommen mehr Qualität für weniger Geld und machen durch eigene Interessensvertretung unseren Standpunkt deutlich.« eff

Mehr aus der Stadt Traunstein
Schreibwaren Miller