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»Läufer« versorgte Dealer in Traunstein – 15 Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung

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Traunstein: Fast fünf Kilo Rauschgift geschmuggelt – Urteile im Drogen-Prozess
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Foto: Montage (dpa; l. David Ebener, r. Daniel Karmann)

Traunstein – Ein 38-jähriger Angestellter aus Traunstein besserte seine Einkünfte als »Läufer« für Marihuana-Geschäfte auf. Er nahm Bestellungen von Dealern, die sich mit Kunden handelseins geworden waren, und das im Voraus fällige Geld entgegen, holte die Drogen aus seiner Wohnung und übergab sie den Händlern. Wegen 115-fachem illegalem Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verhängte das Schöffengericht Traunstein eine 15-monatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt unter strengen Auflagen auf vier Jahre zur Bewährung.


Das Gericht unterstellte den Angeklagten für zwei Jahre einem Bewährungshelfer, verbot jeglichen Rauschgift- sowie Alkoholkonsum und ordnete pro Jahr bis zu vier Drogenscreenings an. Bei dem Bewährungshelfer muss sich der 38-Jährige einmal pro Monat melden und dessen Anweisungen folgen. Das von der Polizei sichergestellte Marihuana wurde eingezogen. Nach dem Prinzip »Straftaten dürfen sich nicht lohnen« muss der Traunsteiner 2125 Euro Wertersatz an die Staatskasse zahlen.

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Auf die Schliche gekommen waren dem Angestellten Zivilbeamte. Sie hatten am 25. September 2018 im Villapark einen 21-Jährigen aufgegriffen, der von einem Dealer scheinbar gerade etwas erworben hatte. Der Zeuge beteuerte, er habe nur einem Bekannten, der »was rauchen wollte«, Geld geliehen. Letzterer einigte sich mit dem Dealer, der in dem Verfahren zum Hauptbelastungszeugen für den 38-jährigen »Läufer« wurde. Insgesamt wechselten zwischen April und Ende September 2018 etwa 170 Gramm Marihuana auf diese Weise zum Grammpreis von 12,50 Euro den Besitzer. Tatorte waren der Villapark und der Bereich Güterhallenstraße in Traunstein. Bei einer »Provision« von einem Euro pro Gramm erzielte der 38-Jährige einen »Gewinn« von 170 Euro – in einem halben Jahr.

Eine Frage in dieser Hauptverhandlung war: Wusste der 38-Jährige, dass die »Kunden« am Ende der Kette teils noch minderjährig waren? Das verneinten sowohl der Dealer, als auch der Angeklagte und alle anderen Prozessbeteiligten. In einigen Punkten, etwa bei der insgesamt gehandelten Drogenmenge, zeigten sich Widersprüche zwischen den Angaben des Angeklagten und des Kernzeugen.

Staatsanwältin Carolin Schwegler schenkte dem Zeugen im Plädoyer mehr Glauben. Dieser habe den Ermittlern gegenüber bis dahin gänzlich unbekannte Dinge eingeräumt: »Alles hat sich bewahrheitet. Warum sollte er jetzt lügen?« Schwegler hielt dem Angeklagten das Teilgeständnis zugute, auch wenn er, etwa hinsichtlich der Hinterleute, keine Aufklärungshilfe geleistet habe. Eine Haftstrafe von zwei Jahren mit vierjähriger Bewährung und Auflagen sei angemessen. Der Angeklagte lebe inzwischen familiär geordnet und nehme keine Drogen mehr.

Die positiven sozialen Aspekte hob auch der Verteidiger, Dr. Andreas Kastenbauer aus Traunstein, heraus. »Er hat an sich gearbeitet.« Sein Mandant sei »kein Großdealer« gewesen und habe nur seinen Eigenkonsum finanzieren wollen. Die Bewährungszeit solle nur drei Jahre betragen, keine Geldauflage erteilt werden, so Dr. Kastenbauer. Im »letzten Wort« bat der 38-Jährige, »Milde walten zu lassen«.

Auf den Hauptbelastungszeugen berief sich Richter Thilo Schmidt in der Urteilsbegründung. Das Schöffengericht nehme – im Gegensatz zur Staatsanwältin – kein gewerbsmäßiges Handeltreiben an. Der Gewinn sei nicht erheblich. In der Strafzumessung führte der Vorsitzende das Geständnis des 38-Jährigen strafmildernd an. Er habe seinen Lebenswandel geändert. Gegen ihn spreche seine – wenn auch lange zurückliegende – einschlägige Vorstrafe. Thilo Schmidt weiter: »Die Strafe konnte zur Bewährung ausgesetzt werden. Dazu hat der Angeklagte selbst viel beigetragen. Er hat sich von Alkohol und Drogen ferngehalten, eine Suchtberatung aufgesucht, hat eine feste Arbeitsstelle und ein Einkommen, von dem sich leben lässt. Das Gericht ist überzeugt, der Angeklagte wird die Bewährungszeit durchstehen.« Mit Zustimmung der Staatsanwältin wurde das Urteil sofort rechtskräftig. kd