Kritik an Impfpflicht und Corona-Maßnahmen geäußert

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Nach Polizeiangaben nahmen an der Corona-Kundgebung in Traunstein rund 750 Demonstranten teil. Der Veranstalter nennt eine doppelt so hohe Zahl. (Foto: Hobmaier)

Traunstein – Erneut versammelten sich am Samstagnachmittag zahlreiche Menschen auf dem Festplatz in Traunstein. Zur Kundgebung hatte die Initiative für Selbstbestimmung und eine menschliche Zukunft Traunstein und Berchtesgadener Land geladen. Diese stellten unter anderem einen Forderungskatalog vor. Als Hauptredner trat Ralph T. Niemeyer ans Mikrofon. Mehrere Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, ihre Meinung am offenen Mikrofon kundzutun. Vertreter der Ordnungsbehörden sprachen von etwa 750 Teilnehmern, die Veranstalter selbst gehen von knapp 1500 Personen aus. 


»Die Impfpflicht ist rechtswidrig«, sagte der Münchner Journalist Ralph T. Niemeyer, der als Hauptredner der Kundgebung auftrat. Zudem sei »der mRNA-Impfstoff gar kein Impfstoff« und forderte die Anwesenden zum Zusammenhalt auf. »Wir sind die Mehrheit und wir werden unsere Grundrechte durchsetzen«, sagte er, mahnte aber auch, »dass man mit Gewalt gar nichts erreicht«.

Georg Planthaler aus Anger führte durch die Veranstaltung. »Leider wird dies vermutlich nicht die letzte Kundgebung sein, wir müssen weiterhin für unsere Grundrechte eintreten.« Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagte er, »uns von der Initiative ist es nach wie vor wichtig, dass wir mit den Vertretern des anderen Lagers ins Gespräch kommen«. Seiner Meinung nach würden viele Freundschaften unter den oftmals verhärteten Fronten der Argumente leiden. Die Mitglieder des Bündnisses wollen nicht nur sagen, was ihnen nicht passt. In einem Forderungskatalog haben sie zehn Punkte zusammengetragen, für die die Initiative eintritt. Neben der freien Ausübung der Grundrechte fanden Themen wie eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte, eine umfassende Gesundheitsbildung, das Thema Maskenpflicht, Pressefreiheit aber auch eine unabhängige Justiz Einzug in das Forderungspapier. Zudem warben sie für die Unterstützung der Initiative gegen die Impfpflicht im Gesundheitswesen.

Herbert Buchner aus Siegsdorf trat ebenfalls ans Rednerpult. »An und für sich ist bereits alles zum Thema gesagt, aber die drohende Impfpflicht ist grausam und viele Leute kommen an ihre Grenzen. Gerade die ungeimpften Mitarbeiter im Gesundheitswesen müssen um ihre finanzielle Absicherung fürchten und bekommen Existenzängste«, so seine Worte. »Außerdem begrüße ich die Spaziergänge an der frischen Luft.« Neben Herbert Buchner nutzte unter anderem Sabrina Kecht aus Laufen das offene Mikrofon. Die Altenpflegerin übte unter anderem an der Testpflicht für Kinder Kritik. »Unsere Kinder sind die Leidtragenden der Maßnahmen«, sagte sie. Eine ähnliche Aussage tätigte Konrad Mussner aus Trostberg. »Ich hatte vor 40 Jahren eine schöne Jugend, die Jugend von heute hat Angst und keine Freizeitmöglichkeiten.«

Carsten Pentow aus Nußdorf stellte sich als Mathematiker vor. Er übte vor allem Kritik an der Qualität der Wissenschaft. »Mathematische Zusammenhänge kann man nachvollziehen und erklären. In der Medizin finden Wirksamkeitsstudien Anwendung, diese resultieren aus Beobachtungen zweier Patientengruppen und werden dann als Beweis verkauft. Eine Beweiskraft haben diese jedoch nicht«, so seine Worte. Zudem kritisierte er, »dass Kritiker häufig mundtot gemacht werden, um Einhelligkeit unter den Wissenschaftlern zu erzeugen«.

Weitere Redner griffen unter anderem ihre Ängste um die Inhaltsstoffe bei den Impfungen auf, kritisierten den Bettenabbau in den Krankenhäusern oder übten Kritik an der Kirche, die die Impfungen begrüße. Die Veranstalter selbst zogen am Ende ein positives Fazit.

Die Traunsteiner Polizei wurde bei der Kundgebung erneut von dutzenden überörtlichen Kräften unterstützt. Insgesamt gab es sechs Anzeigen wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht. Bereits vor der Kundgebung wurde ein Mann am Bahnhofsvorplatz angezeigt. Es steht der Verdacht der Volksverhetzung im Raum. Er hatte nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd Aufkleber und Ansteckbuttons mit dem Spruch »Impfen macht frei« dabei. Dennoch zogen die Ordnungskräfte insgesamt ein positives Fazit. Florian Appelt vom Landratsamt Traunstein sagte, »die Veranstaltung ist ruhig und insgesamt ohne nennenswerte Störungen verlaufen«.

Über 500 Teilnehmer bei »Chiemsee leuchtet«

Die Aktion »Chiemsee leuchtet« von Corona-Maßnahmengegnern fand am Samstagabend statt. Dazu fanden sich laut Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd insgesamt etwas mehr als 500 Menschen zusammen. »Es waren rund 400 in Chieming, 100 in Seebruck und gut 30 an der Promenade in Übersee«, sagte Pressesprecher Martin Emig auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Die als unangemeldeter Spaziergang abgehaltene Veranstaltung sei ruhig verlaufen, die Polizei musste nicht eingreifen. Maskenpflicht und Abstandsgebot wurden weitgehend eingehalten.

hob/vew

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