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Kreisausschuss sieht keine Alternative zur Maskenpflicht – Ein Patient im Landkreis verstorben

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Leidenschaftlich debattiert wird derzeit über die Maskenpflicht in Schulen. Der Kreisausschuss des Landkreises Traunstein war in seiner jüngsten Sitzung fast geschlossen für die Maskenpflicht. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Traunstein – Zur Maskenpflicht an allen Schulen und für alle Jahrgangsstufen mit Tragen des MundNasen-Schutzes auch am Platz gibt es derzeit keine Alternative. Dies gilt seit 23. Oktober – und weiterhin. Daran ließ Landrat Siegfried Walch im Kreisausschuss keinerlei Zweifel.


Ausnahmen zum Beispiel für Grundschüler halte er für »fatal«. Für Kinder sei die Maskenpflicht sicher »nicht schön«. Der Landrat weiter: »Aber jetzt ist die Stunde der verantwortlichen Entscheidung. Wir stützen uns auf wissenschaftliche Daten und Erkenntnisse des Gesundheitsamts.« Letztlich stellten sich alle Kreisausschussmitglieder in Redebeiträgen hinter diese Haltung.

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»Schwere Verläufe auch bei Jugendlichen«

»Das Ausbruchsgeschehen ist leider nicht spezifisch eingegrenzt, sondern flächendeckend«, hob Walch heraus. Inzwischen seien viele Einrichtungen betroffen, darunter Kitas. Schwere Verläufe zeigten sich mittlerweile auch bei Jugendlichen. Die Maskenpflicht an den Schulen ermögliche den Präsenzunterricht. »Lieber unter Auflagen in der Klasse zusammen lernen – als dass jeder allein zu Hause sitzt«, so der Landrat.

Das Landratsamt bekomme in Sachen Maskenpflicht Hunderte von Mails jeden Tag und Anrufe in vierstelligem Bereich. »So schwer es mir fällt – ich kann aktuell keine Lockerung verfügen. Sonst drohen Schulschließungen. Mir ist es lieber, jetzt mit Einschränkungen an den Schulen zu leben, dafür aber den Präsenzunterricht zu gewährleisten. Wir entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen. Und wir wollen auch die kleinen Schüler schützen«, unterstrich Walch.

»Psychischer Druck eher durch Eltern«

»Es gibt keine Untersuchungen, die Schäden durch das Tragen von Masken beweisen. Psychischer Druck auf Kinder wird eher durch manche Eltern produziert«, sagte dazu Dr. Lothar Seissiger, Arzt und FW/UWKreisrat. Er ergänzte: »Wir wissen noch nicht, welche Spätschäden Corona-Erkrankungen haben können. Es wäre gut, wenn diese Eltern einsähen, dass die Maskenpflicht nur zum Besten aller ist.«

Dem stimmte auch Walburga Mörtl-Körner, Bündnis 90/Die Grünen, zu: »Das ist eine Übergangslösung mit technischen Mitteln, um Kinder und Jugendliche zu beschulen.« Sie riet zu einer bestimmten Maskenart. Der Landrat entgegnete: »Wenn Menschen während eines Gesprächs beide einen normalen Mund-Nasen-Schutz tragen, reicht das völlig aus.«

Von vielen Zuschriften und Anrufen wegen der Maskenpflicht in Grundschulen informierte auch Karl Schleid, CSU-Rat und Bürgermeister der Stadt Trostberg. Er habe die Begründung des Landratsamts weitergeleitet an Schulen und Eltern. Schleid appellierte: »Lassen Sie uns geschlossen nach außen dazu stehen. Das ist ganz wichtig, um die Akzeptanz zu fördern.«

Der Landrat dankte Schleid und allen Bürgermeistern für deren Unterstützung. Er erhalte viele Anrufe von Bürgern, die gegen die Maske sind, »aber

auch viele von Menschen, die froh sind, dass wir ihre Kinder schützen«. Die Maske schütze »beide Seiten – einen selber und die anderen«.

»Wichtig ist ein eindeutiges Signal«

Andreas Bratzdrum, CSUFraktion und Bürgermeister der Stadt Tittmoning, forderte: »Wichtig ist ein klares Signal, dass wir hinter der Maskenpflicht für alle Schüler stehen – politisch, aber auch als Sachaufwandsträger der Schulen.«

Zum Thema »Maske« habe er eine andere Meinung, merkte Andreas Füssel, AfD, an. Beim Landrat sei er jedoch, wenn es darum gehe, die Schulen offen zu halten. »Für mich ist die Abwägung eindeutig«, erwiderte Landrat Siegfried Walch. Man müsse realistisch sein.

Ob der Landkreis Traunstein – wie der Nachbarlandkreis Berchtesgadener Land – gedenke, Gaststätten zu schließen, wollte Füssel weiter wissen. Auch hier sei er mit ihm nicht weit auseinander, antwortete Walch. »Die Gastronomie verhält sich vorbildlich. Es ist toll, wie dort die Regelungen umgesetzt wurden. Mir sind Gaststätten mit Hygienekonzept lieber als Partys im privaten Bereich. Aber inzwischen haben wir eine diffuse Lage. Man kann das Infektionsgeschehen nicht mehr zuordnen«, konstatierte der Landrat. Der Landkreis Traunstein achte darauf, frühzeitig gezielte Maßnahmen, sei es in Heimen oder öffentlichen Gebäuden, einzuleiten. Damit hoffe man, die Gastronomie offen halten zu können.

Anhand weniger, aber drastischer Zahlen beleuchtete Walch die Steigerung der Corona-Zahlen: Vor drei Wochen habe es zwölf Neuerkrankungen am Tag gegeben, vor zwei Wochen 24, vor einer Woche 40 und zuletzt 164 Fälle. Das Gesundheitsamt arbeite seit Monaten voll durch, auch an Wochenenden. Inzwischen sei die Rückverfolgung enorm schwierig.

»Eine Person ist leider gestorben«

»Es muss uns gelingen, die Kontakte zu reduzieren.« Zu Bemerkungen wie »keine schweren Fälle« wurde Walch deutlich: »Das stimmt nicht. Wir verzeichnen längst wieder schwere Verläufe. Am Dienstag lagen vier Menschen auf der Intensivstation.« Eigentlich seien es fünf gewesen, fügte Dr. Seissiger an: »Eine Person ist leider gestorben.« kd

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