Klimaschutzkonzept für Traunstein: »Kooperation und Klimaschutz gehören zusammen«

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Die Treibhausgase in Traunstein im Jahr 2018 entstanden zum größten Teil in den privaten Haushalten: 27 Prozent des Gesamtausstoßes waren diesem Sektor zuzurechnen.

Traunstein – Den nächsten Schritt zu einem Klimaschutzkonzept hat die Stadt Traunstein unternommen. In einer digitalen Veranstaltung mit rund 50 Teilnehmern aus Verwaltung und Politik, Verbänden und Vereinen erläuterten Mitarbeiter des von ihr beauftragten Büros »sustainable« in München bis jetzt gesammelte Erkenntnisse. Insbesondere riefen sie die Bürger dazu auf, nun ihre Ideen für Maßnahmen zur Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen einzubringen. »Kooperation und Klimaschutz gehören zusammen«, betonte Falko Müller von »sustainable«, der die Veranstaltung moderierte.


Eine erste, große Etappe auf dem Weg zu einem Klimaschutzkonzept haben die Fachleute zurückgelegt: Erstellt haben sie für Traunstein eine sogenannte Treibhausgasbilanz. Julia Urbauer von »sustainable« sagte, Berechnungen hätten ergeben, dass im Jahr 2018 insgesamt 175.000 Tonnen CO2-Äquivalente – Kohlendioxid (CO2), Methan und andere Gase – in die Luft abgelassen worden seien.

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Urbauer gab auch genauere Informationen darüber, wo und wie die Treibhausgase 2018 in Traunstein entstanden. So listete sie die einzelnen Sektoren auf: Nach ihren Angaben verursachten die privaten Haushalte 27 Prozent des gesamten Ausstoßes in der Stadt, der Verkehr 23 Prozent, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen zusammen 22 Prozent, kommunale Einrichtungen 15 Prozent und die Industrie 13 Prozent. Urbauer erläuterte weiter, welche Energieträger zu welchem Anteil die Treibhausgase in Traunstein verursachten. Die Emissionen waren – wie sie die größten Bereiche erläuterte – zu 43 Prozent dem Erdgas zuzuordnen, zu 30 Prozent dem Strom, zu 13 Prozent dem Diesel, zu 8 Prozent dem Benzin und zu 3 Prozent dem Heizöl.

Nach der Erstellung der Treibhausgasbilanz geht »sustainable« nun verstärkt daran, zusammen mit den Akteuren mögliche Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase auszuarbeiten, die auf die Verhältnisse in Traunstein zugeschnitten sind. Im Gespräch mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung hat »sustainable« schon deren Ideen abgegriffen. Jetzt wollen die Fachleute in den Dialog mit den Vertretern der Vereine eintreten.

Zu diesem Zweck gehen nun in Traunstein fünf Arbeitskreise ans Werk. Sie erhalten die Aufgabe, die Ideen der Bürger zu sammeln. Arbeitskreise werden zu den Themen Gebäude, Energie, Mobilität, Wirtschaft sowie Bewusstseinsbildung/Konsum gebildet.

Als nächstes haben die Bürger die Möglichkeit, sich für einen oder mehrere Arbeitskreise zu melden und schriftlich ihre Maßnahmenideen zu formulieren. Sie werden von der Verwaltung im Rathaus, dem Klimaschutzmanager Klaus Hechfellner und der Fachbetreuung »sustainable« geprüft und priorisiert und schließlich in den Arbeitskreissitzungen, die voraussichtlich im Juni stattfinden, diskutiert. Die Leitung der Arbeitskreise übernimmt jeweils die Verwaltung, zur Seite steht immer ein Pate aus dem Stadtrat, der als Bindeglied zur Politik fungiert.

Die verschiedenen Maßnahmen und Ideen finden schließlich Eingang in das Klimaschutzkonzept. Falko Müller gab als Ziel aus, die Arbeiten so zügig voranzutreiben, dass der Stadtrat das Klimaschutzkonzept schließlich nach der sommerlichen Sitzungspause verabschieden kann.

Den Ausführungen der Mitarbeiter von »sustainable« schloss sich ein Gespräch mit den zugeschalteten Akteuren an. Unter anderem sagte Dr. Rainer Schenk mit Blick auf die Diskussion über die Verringerung der Treibhausgase in Traunstein, »wir sollten uns sehr schnell ein Ziel setzen – und das kann nur lauten 'wir müssen runter auf null'«. Möglichst schnell müsse die Stadt die Klimaneutralität erreichen. Nach allen bereits ergriffenen Maßnahmen müsse sie weitere, zusätzliche Wege zur Reduktion der Emissionen einschlagen – und dann zum Beispiel auch über eine Solarpflicht diskutieren. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer erläuterte, dass die Stadt bereits 50 Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgase ergriffen habe, beziehungsweise noch zu ergreifen gedenke. »Großartig etwas zu ergänzen gibt's nicht«, meinte der Rathauschef. Und weiter: Eine generelle Verpflichtung der Bürger zum Bau von Solaranlagen könne die Stadt nicht erlassen. Der dazu erforderliche Rechtsrahmen sei ihr nicht gegeben. So etwas müsse andernorts entschieden werden. Wenn die Stadt an die Aufstellung eines Bebauungsplans geht, obliege ihr die Möglichkeit, entsprechende Bestimmungen für Solaranlagen mit einzufügen. Hümmer warnte davor, Erwartungen zu formulieren, »die für eine Kommune unrealistisch sind«.

»Ich freue mich wahnsinnig«, sagte Dr. Patrick Nepper, der im Stadtrat Referent für Umwelt, Regionalität und Nachhaltigkeit ist. Auf der Grundlage der Treibhausgasbilanz, so Nepper, »können wir jetzt konkret arbeiten«.

Wolfgang Dinglreiter, der Direktor der Stiftung Studienseminar St. Michael, kritisierte, dass die Analyse in der Veranstaltung zu kurz gekommen sei. So hätte er sich gewünscht, dass die Mitarbeiter von »sustainable« die Verunreinigung der Luft durch die Emissionen, die vom Erdgas ausgehen, ausführlicher darstellen – und damit dann auch den Arbeitskreisen eine bessere Grundlage für die Diskussion geben. Müller entgegnete, dass sich nun erst einmal die Arbeitskreise zusammenfinden müssen. Und dann werde man die Diskussion vertiefen.

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