weather-image

Klosterkirche soll »multifunktionales Veranstaltungshaus« werden

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Das Kulturforum Klosterkirche ist noch nicht fertig. Bis die Türen aufgehen, muss sich Alexandra Birklein mit Plänen behelfen. Seit Anfang Januar steht sie in den Diensten der Stadt. Von ihr hat sie den Auftrag bekommen, das Kulturforum zu betreiben. Ihre Planungen laufen. (Foto: Pültz)

Traunstein – Einen großen Schreibtisch im Rathaus hat sie schon bekommen. Ebenso verfügt sie bereits über eine riesige Pinnwand. Bunte Handzettel hängen dort, ebenso ein großer Kalender. Alexandra Birklein steht seit Anfang Januar in städtischen Diensten, jeden Dienstag kommt sie aus der Gemeinde Samerberg in die Stadt Traunstein. Einen Arbeitsplatz nennt sie bereits ihr Eigen, doch auf die Einrichtung, die sie im Auftrag der Stadt betreibt, wartet sie noch: Das künftige Kulturforum Klosterkirche ist noch nicht fertig. Birklein sitzt an ihrem Schreibtisch und schmiedet Pläne, die weit über die Eröffnung hinausgehen. Sie will das Kulturforum, wie sie im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erzählt, zu einem »multifunktionalen Veranstaltungshaus« machen.


Wann gehen die Türen in der Klosterkirche auf? Diese Frage beschäftigt viele Bürger in Traunstein schon seit geraumer Zeit, immer wieder hatten sie von Verzögerungen auf der Baustelle hören müssen. Birklein rechnet damit, dass Mitte September die erste Veranstaltung stattfinden kann. Zum Auftakt hat sie eine Teppichausstellung geplant, die Exponate kommen aus der Sammlung einer Familie in der Region – die Eröffnung ist am 14. September vorgesehen. Und Birklein gibt sich gleichermaßen diplomatisch wie praktisch: »Sollte das Kulturforum bis dahin wider Erwarten doch noch nicht ganz fertig sein, dann improvisieren wir halt.«

Anzeige

Jedes Mal wenn sie nach Traunstein kommt, dann spricht sie mit den Architekten, auf der Baustelle ist sie Dauergast. »Im ehemaligen Kirchenraum könnten schon jetzt Veranstaltungen stattfinden«, beschreibt sie den Stand der Dinge. Noch nicht fertig seien hingegen die Nebenräume, unter anderem zum Beispiel die Toiletten.

Schon über drei Seiten geht die Liste der Veranstaltungen, die Birklein heuer und im nächsten Jahr geplant hat – und auch im Kalender für 2021 steht schon etwas. So ist bereits ausgemacht, dass die Grassauer Blechbläser im Oktober das neue Kulturforum erstmals zum Klingen bringen und dort ein erstes Konzert geben werden.

»Ich habe mein Leben lang Veranstaltungen gemacht«

Als »Kulturmanagerin der Stadt Traunstein« will sich die studierte Betriebswirtin nicht bezeichnen. »Ich bin«, wie sie sagt, »die Betreiberin des Kulturforums Klosterkirche« – nicht mehr und nicht weniger. Neuland hat Birklein nicht betreten, als sie die Aufgabe übernahm, das künftige Kulturforum im Auftrag der Stadt zu vermarkten. »Ich habe mein Leben lang Veranstaltungen gemacht«, sagt Alexandra Birklein, die eine Veranstaltungs- und Marketing-Agentur in der Gemeinde Samerberg betreibt.

Als Eigentümerin dieses Betriebs hat sie bereits viele Aufträge erhalten. Vor allem in Rosenheim ist sie eine feste Größe. Die Landesgartenschau hat sie seinerzeit gemanagt, nach wie vor organisiert sie den Betrieb im Ballhaus. Und in Bad Aibling kümmert sie sich um das Stadtmarketing. In Traunstein steht Birklein jetzt auch unter Vertrag. Ihre Engagements in Rosenheim und Bad Aibling wird sie, wie sie sagt, nicht aufgeben, sie wird wohl einen Mitarbeiter einstellen. Bislang arbeitet sie allein in ihrer Agentur.

Die Musik ist, wie Birklein ihr Konzept für die Klosterkirche erläutert, nur ein Baustein von mehreren, um Leben in das Kulturforum zu holen. Sie will ein »gemischtes Programm für alle« aus der Taufe heben. Nicht nur Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche will sie ins Haus locken. Und in dieser Zielsetzung möchte sie neben Konzerten aller Art zum Beispiel auch Kabarettabende und Lesungen anbieten – oder auch Tanzveranstaltungen. »Warum darf denn nicht einmal ein schöner Ball auf dem Programm stehen?« Sie sei offen, wie sie betont, gegenüber der gesamten Palette möglicher Veranstaltungen.

Doch längst nicht allein dem Kulturbetrieb will sie die Klosterkirche künftig zur Verfügung stellen. So möchte sie die Räume vor allem auch Firmen, Vereinen und Privatleuten anbieten. So eignet sich die Klosterkirche mit rund 350 bestuhlten Plätzen – wenn auf Sitzgelegenheiten verzichtet wird, dann wird sie rund 600 Leute fassen können – laut Birk-lein für eine Betriebsfeier ebenso wie für einen Vereinsfestabend, eine Geburtstagsfete oder für eine Hochzeit.

Programm mit Fremd- und Eigenveranstaltungen

Mit Fremd- und Eigenveranstaltungen will Alexandra Birklein das Programm für das künftige Kulturforum füllen. Zum einen könnten auswärtige Agenturen als Veranstalter auftreten. Wenn sie dann zum Beispiel eine Musikgruppe spielen lassen, dann müssen sie laut Birklein eine Miete bezahlen, die dann in die Kasse der Stadt, des Eigentümers der Klosterkirche, fließt. Zum anderen könne auch sie selbst mit ihrer eigenen Agentur etwas auf die Beine stellen. Auch sie müsse dann eine Miete an die Stadt abführen. »Vielleicht bekomme ich einen Sonderpreis«, hofft sie in diesem Fall auf Unterstützung durch die Stadt.

Birklein geht davon aus, dass sie in der ersten Zeit wohl verstärkt selbst als Veranstalterin auftreten muss. Mit gemischten Gefühlen gehe sie daran, das Programm in Eigeninitiative zu gestalten. Denn stets hoch sei das finanzielle Risiko, das mit der Organisation von Kulturveranstaltungen einhergehe. Und so hofft sie, dass der Kunstraum Klosterkirche möglichst bald von den Kulturschaffenden gut angenommen wird – und dass sie sich dann aus der ersten Reihe der Veranstalter in die zweite zurückziehen und das Feld den »fremden« Agenturen überlassen kann.

»Es ist nicht so, dass mir die Mieter zufliegen«

Alexandra Birklein setzt sich zum Ziel, dass in Zukunft zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche im Kulturforum stattfinden. Wenn sie eine Auslastung wie im Ballhaus in Rosenheim erreicht, dann ist sie voll und ganz zufrieden. Doch bis dahin ist der Weg noch weit. »Es ist nicht so, dass mir die Mieter zufliegen«, macht sie keinen Hehl daraus, dass aller Anfang schwer ist.

Überschneidungen mit der Kulturfabrik Nuts, die schon seit Jahr und Tag Akzente im Kulturleben der Stadt setzt, können sich laut Birklein »vielleicht ergeben«. Und die Kulturfördervereinigung ARTS, die die Klosterkirche schon vor dem Aus- und Umbau genutzt hatte, werde »weiterhin ein wichtiger Partner« sein. Eine Art runden Tisch zu schaffen und sich dann mit den anderen Kulturschaffenden in der Stadt in der Organisation der Programme abzustimmen, sieht Birklein aber nicht als ihre Aufgabe an. Wenn jedoch zum Beispiel von der Kulturreferentin so eine Initiative komme, dann »bin ich gern dabei«.