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Klosterkirche: Der lange Weg zum teuren Schmuckkastl für Traunstein

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So soll das Foyer mit dem Treppenhaus hinten rechts am Ende nach Vorstellung des Architekten aussehen. Das Geländer und die Stufen werden mit Holz verkleidet. (Foto: Färbinger Rossmy Architekten/Stadt Traunstein)
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Doch, es tut sich durchaus etwas in der Klosterkirche, auch  wenn das von außen anders  aussieht. So gut  wie fertig  ist zum   Beispiel   die Restaurierung der beeindruckenden Deckenmalereien aus der Zeit um 1920. Der Zwischenboden für die Maler kommt natürlich ebenso wieder raus wie das Gerüst darunter. (Foto: Stadt Traunstein/Westermeier)
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Aufwändig wurden historische Balken mit neuen Teilen verbunden, wie am Dach der Apsis. (Foto: Hohler)
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Noch ist die Treppe erst betoniert, Elektriker müssen auch noch die Lampen installieren, die Stufen werden mit Holz bekleidet. Auch das Geländer ist aus Holz. (Foto: Hohler)

Traunstein – Manch einer, der an der Klosterkirche vorbeifährt oder geht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass auf der – bisher rund 12,2 Millionen Euro teuren – Baustelle nichts weiter geht. Das Traunsteiner Tagblatt wollte das genauer wissen und durfte mit Stadtbaumeister Klaus Hechfellner und Architekt Peter Färbinger schon einmal einen Blick ins Innere riskieren.


Die Kirche selbst ist schon weit gediehen, erklären Hechfellner und Färbinger. Die neuen Fenster sind drin, die Leitungen verlegt, die Malerarbeiten fast fertig – mühevoll wurden die Malereien aus der Zeit um 1920 restauriert. Derzeit warte man auf Temperaturen im Plus-Bereich, »denn solange am Dachstuhl gearbeitet wird, kann nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden, dass es zu neuen kleineren Rissbildungen im Bereich des Gewölbes kommt«, so Färbinger. Diese Risse seien schon viele Jahrzehnte lang Teil des Gewölbes, aber statisch seien sie nie bedenklich gewesen.

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Vor Verpressarbeiten muss das Dach fertig sein

Die geplanten Verpressarbeiten könnten erst vorgenommen werden, wenn die Arbeiten am Dachstuhl komplett abgeschlossen sind. Im Firstbereich sind die Arbeiten bisher zu rund 70 Prozent fertig, Restarbeiten seien noch notwendig. Auch im Inneren könnte es sein, dass noch Stellen am Putz ausgebessert werden müssen. Und für diesen Fall müsse das Gerüst für die Maler vorerst noch stehen bleiben. Sowohl die Wand- als auch die Fußbodenheizung seien verlegt, der Estrich fertig. Nach den Malerarbeiten fehlen nur noch der Holzboden und die Beleuchtung. Mobile Bühnenelemente und zusätzliche 100 Stühle zu den vorhandenen sind noch vorgesehen. Dann könnte dieser Teil des Gebäudes genutzt werden. Klappt alles nach Plan, soll das bis Anfang September der Fall sein.

Noch deutlich mehr zu tun ist derweil im Südflügel des Gebäudes. Die Rohbauarbeiten sind erledigt, auch das Dach ist erneuert – innen wie außen – sämtliche Leitungen sind verlegt, der Estrich ist bis auf das Erdgeschoß fertig, das Treppenhaus vom Foyer bis zum Dach ist betoniert, der Aufzugschacht für die barrierefreie Erschließung ist ebenfalls fertig.

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Doch, es tut sich durchaus etwas in der Klosterkirche, auch  wenn das von außen anders  aussieht. So gut  wie fertig  ist zum   Beispiel   die Restaurierung der beeindruckenden Deckenmalereien aus der Zeit um 1920. Der Zwischenboden für die Maler kommt natürlich ebenso wieder raus wie das Gerüst darunter. (Foto: Stadt Traunstein/Westermeier)

An der Stirnseite entsteht die Schankanlage, über die der Stadtrat zuletzt debattiert hatte. Von hier aus geht es auch zum Fluchttreppenhaus. Auch diese Treppen sind betoniert. Überall hängen allerdings noch Kabel von der Decke, für die Beleuchtung zum Beispiel. Lampen, Schalter und Steckdosen müssen noch installiert werden, was aber erst am Ende passieren wird.

Beim Besuch des Traunsteiner Tagblatts sind gerade die Schreiner im Foyer mit dem Aufmaß für die Holzverkleidung der Treppe beschäftigt, das sie mittels Lasermessung aufnehmen. Auf Hechfellners scherzhafte Frage, wie denn das früher vor Erfindung des Lasers ging, lacht der Bauarbeiter: »Da hat man viel mehr an der Baustelle nachschneiden müssen. Und sicher auch mehr geflucht.«

Überhaupt ist es enorm, wie modernste Technik und denkmalgeschützte Teile des Hauses einander ergänzen. Im Erdgeschoß, dem späteren Foyer, sieht man alte Ziegelmauern und moderne Betontreppen, deutlich auch die einstigen Rundbögen über den Fenstern. Um dem Denkmalschutz genüge zu tun, wurden die Fensterrahmen wieder rechteckig angelegt – »man will das Gebäude wieder in etwa in dem Zustand von 1850 haben«, erklärt Hechfellner.

Jetzt wären Maler und Verputzer gefragt

Im Keller werden die Haustechnik, die Garderobe, Sanitärräume, Künstlergarderoben, Bilderdepot und Catering-Küche samt Kühlraum untergebracht. Auch hier sind Heizungsanlage und Leitungen bereits installiert, der Boden ist so weit fertig, dass nur noch der Belag fehlt. Derzeit sind die Fliesenleger bei der Arbeit. Beim Verlegen der Böden sollten aber die Wände schon verputzt und die Fenster eingesetzt sein – was noch an der erneut notwendig gewordenen Ausschreibung der Maler- und Verputzarbeiten hängt.

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Noch ist die Treppe erst betoniert, Elektriker müssen auch noch die Lampen installieren, die Stufen werden mit Holz bekleidet. Auch das Geländer ist aus Holz. (Foto: Hohler)

In den Obergeschoßen wird wie bisher die Städtische Galerie untergebracht sein. Aktuell wird das Dach von innen verkleidet, nachdem die Dämmung eingebracht wurde. Sobald die Temperaturen es zulassen, werden die Fensterelemente im Foyer und im Südflügel eingesetzt, erklärt Pressesprecherin Carola Westermeier. »Die Fenster sind schon fertig, die lagern bei der Firma und müssen nur noch eingebaut werden. Das geht aber dann schnell, wenn's denn los geht«, erklärt Hechfellner.

45 Gewerke müssen koordiniert werden

Das Problem an der ganzen Baustelle sei die Zahl der beteiligten Firmen – »wir haben da 45 Gewerke am Bau, die wir aufeinander abstimmen müssen«, sagt Hechfellner. »Und die warten ja nicht nur auf uns. Wenn jetzt einer für was auch immer länger braucht, hat das Auswirkungen auf viele andere.« Aber am Ende, da sind sich Hechfellner und Färbinger sicher, wird das Ganze ein – wenn auch teures – Schmuckkastl für die Stadt. coho