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Die Kliniken Südostbayern AG errichtet in Traunstein einen weiteren Neubau auf dem südlichen Teil des Krankenhausgeländes (im Hintergrund). Die Zufahrt zur Baustelle erfolgt über die Straße Am Guntramshügel (auf unserem Bild).Die Anlieger kritisieren die Planung. (Foto: Pültz)

Klinikum Traunstein geht in den zweiten Bauabschnitt

Traunstein – Die Planung für den weiteren Um- und Ausbau des Krankenhauses in Traunstein stößt in der Nachbarschaft auf entschiedene Ablehnung. In der Aula der Staatlichen Berufsschule I hat die Klinikleitung die Anlieger über den bevorstehenden Bauabschnitt 2 informiert. Und in der Diskussion über den Neubau für die Intensivstationen auf dem südlichen Teil des Geländes hat sie dann viel Kritik einstecken müssen: Die Anwohner wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, dass das Klinikum die Baustellenzufahrt über das Wohngebiet am Guntramshügel anlegt. Die Klinikleitung hält aber an ihrer Planung fest, weil sie keine Alternative sieht. 


Die Kliniken Südostbayern AG mit insgesamt sechs Standorten in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land habe sich zum Ziel gesetzt, ihr medizinisches und technisches Herzstück, das Klinikum Traunstein, »maßgeblich zu erneuern«, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher. In drei Bauabschnitten verbaue der Klinikenverbund rund 180 Millionen Euro. Als Ziel gab Gretscher aus, für die Region eine moderne Gesundheitsstruktur zur Verfügung zu stellen.

Zweiter Bauabschnitt von 2022 bis 2025

Über die Bauabschnitte 1 bis 3 informierte Architekt Maximilian Ludes aus München. »Ein beinahe neues Klinikum entsteht«, sagte er. Insbesondere erläuterte er, dass nun der zweite Bauab-schnitt beginne. Im Mai gehen die Arbeiter seinen Angaben zufolge daran, die Baugrube auszuheben sowie Leitungen und Kanäle zu verlegen. Im Juli seien dann Abbrucharbeiten geplant, ehe dann im August die Errichtung des Neubaus starte. Der Rohbau stehe voraus-sichtlich im Juli 2023, anschließend gehe die Arbeit innen weiter. Ziel sei, so der Architekt aus München, den Bauabschnitt 2 Mitte 2025 abzuschließen – und dann Bauabschnitt 3 zu machen.

Ludes sagte, eine Lärmbelästigung für die Anlieger im zweiten Teil des Um- und Ausbaus des Klinikums ergebe sich insbesondere während der Rohbauarbeiten von Mitte dieses bis Mitte des nächsten Jahres. Der Architekt meinte, dass die Baustelle »relativ ruhig« sein werde. Die Zufahrt erfolge im Süden des Klinikums über das Wohngebiet am Guntramshügel. An der Baustelle selbst sei an eine Einbahnregelung gedacht. So fahren die Lastwagen nach Angaben von Ludes über die Traunstorfer und Theresienstraße und über die Straße Am Guntramshügel zum Klinikum und nach dem Ab- beziehungsweise Aufladen dann auf dem Weg östlich des Geländes hinauf nach Norden zur Wolkersdorfer Straße.

»Wir werden eine extreme Belastung haben«

Die Ausweisung der Baustellenzufahrt über das Wohngebiet am Guntramshügel stieß unter den rund 30 Anwohnern, die zur Anliegerversammlung gekommen waren, auf Ablehnung. Felicia Sobczyk kritisierte, dass die Klinikleitung die Lastwagen über eine Engstelle mit Garagen – an der Straße »Am Guntramshügel unmittelbar vor dem Klinikum – fahren lasse. Und weiter meinte sie: »Wir werden eine extreme Lasterbelastung haben.«

Franz Novotny stieß in dasselbe Horn. Er rechnete damit, dass sich 40-Tonner durch das Wohngebiet begeben – und dass sich dann auf der Straße Am Guntramshügel ganz und gar gefährliche Verkehrssituationen mit Radfahrern ergeben. Die Engstelle sei nur 2,90 Meter breit. Novotny befürchtete einen »endlosen Strom« an schweren und schwersten Fahrzeugen, wenn die Baustelle einmal eröffnet ist. »Auf Jahre ist unsere Siedlungsstraße gewaltig belastet.« Vor Jahr und Tag sei sie ganz und gar nicht in der Ausrichtung angelegt worden, dass sie einmal als Lkw-Zufahrt zu einer Baustelle dient.

Auch Georg Griesbeck erinnerte daran, dass auf den Straßen im Wohngebiet am Guntramshügel viele Radfahrer unterwegs seien – vor allem auch Kinder, die in die Pedale treten, um zur Schule beziehungsweise von ihr wieder nach Hause zu kommen. Dass nun Lastwagen um die Ecke kommen, sei »verantwortungslos«. Griesbeck schlug vor, die Zufahrt zur Baustelle von der Jahnstraße unmittelbar südlich des alten Parkdecks über die Eisenbahngleise zum südlichen Teil des Klinikgeländes anzulegen – womit das Wohngebiet am Guntramshügel außen vor bleiben würde. Diese Investition würde sich, so Griesbeck, auszahlen, denn dann könnte eine sichere Zufahrt zur Baustelle geschaffen werden.

Bahn macht Vorgaben

Alfred Gehmacher, der Koordinator der Baumaßnahmen am Klinikum, sagte, dass die Anlage der Baustellenzufahrt über die Bahngleise »auch unser erster Gedanke« gewesen sei. Doch die Klinikleitung habe ihn verwerfen müssen. Denn die Bahn habe deutlich gemacht, dass im Fahrplan alle Sicherheitsabstände eingehalten werden müssten – mit der Folge, dass dann den Lastwagen pro Stunde nur fünf bis sechs Minuten bleiben würden, wenn sie über die Schienen fahren wollen. Gehmacher schätzte, »wir könnten also pro Stunde zwei Lastwagen rüberfahren lassen« – und damit viel zu wenige, um die große Baustelle abwickeln zu können. Gretscher ergänzte, dass die Einrichtung der Baustellenzufahrt über die Gleise unter den Vorgaben der Bahn »keinen Sinn macht«. Und der Vorstandsvorsitzende weiter: »Wir haben mehrfach mit der Bahn alles durchgekaut« – Eine für die Klinikleitung tragbare Lösung sei jedoch nicht zustande gekommen.

Gehmacher führte weiter aus, dass die Straßen im Wohngebiet am Guntramshügel allesamt so gebaut seien, dass sie grundsätzlich auch größere Fahrzeuge – etwa auch jene von der Feuerwehr – aushalten können. Auf jeden Fall jedoch erfolge vor Eröffnung der Baustelle ein Beweissicherungsverfahren, womit dann Schäden, die dann möglicherweise während der Bauzeit entstehen, anschließend festgestellt und wieder behoben werden könnten.

Gretscher betonte, dass die Klinikleitung bestrebt sei, so wenige Lkw wie möglich auf den Straßen im Wohngebiet fahren zu lassen. »Es ist sicher nicht so, dass Tag und Nacht Lastwagen an den Anliegern vorbeidonnern.« Und der Vorstandsvorsitzende betonte: Eine Alternative, die Zuwegung der Lkw über das Wohngebiet »phasenweise vorzunehmen, gibt es nicht«.

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