weather-image
23°

»Klimaboni« für umweltfreundliches Handeln

0.0
0.0
Traunstein: Verein Klimabonus verteilt »Klimaboni« für umweltfreundliches Handeln
Bildtext einblenden
Ein Belohnungssystem im Chiemgau ist im Aufbau. »Wir entwickeln derzeit intensiv die Infrastruktur, insbesondere das Zahlungssystem für den Klimabonus-Kreislauf«, sagt Heike Talhammer, stellvertretende Vorsitzende des neuen Vereins Klimabonus. (Foto: Pültz)

Wer klimafreundlich handelt, der bekommt eine Belohnung. Er erhält »Klimaboni« im Wert von jeweils einem Euro. Ein derartiges System baut der neue Verein Klimabonus auf, der seinen Sitz in Traunstein hat. Zum Jahreswechsel hat er sich gegründet. Die Vereinigung setzt sich zum Ziel, das Belohnungssystem in drei Modellregionen in Deutschland einzuführen: in Marburg, in Magdeburg und im Chiemgau.


Den Aufbau in der heimischen Region begleitet Heike Talhammer aus Traunstein. Wie sie im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt erläutert, ist geplant, dass das Belohnungssystem ab Mitte dieses Jahres in Betrieb gehen soll.

Anzeige

Der neue Verein setzt sich zum Ziel, das klimafreundliche Handeln zu fördern. Wie will er dieses Ziel erreichen?

Der Klimabonus e.V. zeichnet, unterstützt durch einen unabhängigen Expertenbeirat, regionale klimafreundliche Unternehmen aus. Diese Unternehmen tauschen beim Klimabonus e.V. Euro gegen Klimaboni ein, die sie an ihre Kunden als Dankeschön für umweltfreundlichen Einkauf verschenken.

Wie weckt der Verein das Bewusstsein für die Belastungen des Klimas?

Der Klimabonus e.V. gibt Hilfestellungen bei der Berechnung des persönlichen CO2-Fußabdrucks und regt an, wie der Fußabdruck verkleinert werden kann. Da nicht alles CO2 vermieden werden kann, bietet der Klimabonus e.V. ferner die Möglichkeit, den Rest-CO2-Fußabdruck regional auszugleichen.

Wie erfolgt dieser Ausgleich?

Personen, Unternehmen, Veranstalter oder Kommunen berechnen zunächst ihren jährlichen CO2-Fußabdruck. Dann wählen sie ein regionales Klimaprojekt aus, das sie unterstützen wollen und spenden je Tonne CO2 über den Klimabonus e.V. einen bestimmten Betrag in Euro oder Klimaboni für das gewählte Projekt. Im Gegenzug gibt es ein Zertifikat über die Höhe des ausgeglichenen CO2.

Der Verein will Anreize für Verbraucher schaffen, ihr Verhalten zu ändern. Wie funktioniert das Belohnungssystem, das Sie schaffen wollen? Geben Sie doch ein Beispiel.

Es gibt Klimaboni für klimafreundlichen Einkauf. Eine Kundin oder ein Kunde erhält Klimaboni für umweltfreundlichen Einkauf in einem beteiligten Unternehmen – zum Beispiel im Secondhand- oder Fahrradladen, beim Schuster oder beim Gemüsebauern. Diese Klimaboni können als Zahlungsmittel bei anderen teilnehmenden Unternehmen verwendet werden.

Ein Klimabonus ist ein Euro. Sie können aber auch gleich vor Ort an eine örtliche Klimainitiative gespendet werden, zum Beispiel an das Repaircafé oder die Solidarische Landwirtschaft. Dazu steht vor Ort eine Holzbox beim Unternehmen bereit.

Und noch ein Beispiel.

Klimaboni für CO2-Einsparung: Kundinnen oder Kunden erhalten bei entsprechendem Nachweis Klimaboni, wenn sie zum Beispiel zu einen Ökostrom-Anbieter wechseln oder sich bei einem Carsharing-Verein anmelden.

Wie finanzieren Sie die Ausgaben, die Ihnen entstehen?

Die Finanzierung der Klimaboni erfolgt durch Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen, die ihren Rest-Fußabdruck ausgleichen. Für den Aufbau des Klimabonus-Systems stehen zeitlich beschränkt Projekt-Fördermittel des Bundesministeriums für Umwelt zur Verfügung. Die Co-Finanzierung übernehmen Gemeinden, Landkreise und Stiftungen.

Wie weit sind Sie mit dem Aufbau dieses Bonussystems?

Wir entwickeln derzeit intensiv die Infrastruktur, insbesondere das Zahlungssystem für den Klimabonus-Kreislauf und starten ab Mai den Testbetrieb. Ab Mitte dieses Jahres soll das System in Betrieb gehen. Ziel ist es, bis Juli 2022 mindestens 5000 Tonnen CO2 eingespart zu haben.

Welche besonderen Herausforderungen sind zu bewältigen?

Eine besondere Herausforderung ist es, förderfähige Klimaprojekte zu finden, die maßgeblich CO2 binden können. Bei der Bewertung der Projekte werden wir auch wissenschaftliche Unterstützung in Anspruch nehmen.

Mit welchen Hoffnungen und Wünschen starten Sie in das Projekt?

Wir wünschen uns, dass das Thema CO2-Einsparung positiv wahrgenommen wird und das Bewusstsein schärft, dass jeder Einzelne mit umsichtigem Verhalten etwas zum Klimaschutz beitragen kann. Wir setzen dabei auf Freiwilligkeit und Freude zum Mitmachen.

Gernot Pültz

Mehr aus der Stadt Traunstein