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Kirchenstiftung darf Balustraden in St. Oswald abbauen

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Traunstein: Kirchenstiftung darf Balustraden in St. Oswald abbauen
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Die Balustraden im vorderen Bereich der Stadtpfarrkirche St. Oswald dürfen entfernt werden. Die Stadt hat die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis erteilt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadt genehmigte der katholischen Pfarrkirchenstiftung St. Oswald den Abbau der Balustraden im vorderen Bereich der Pfarrkirche. Der Ausschuss für Planung, Bau und Digitalisierung des Stadtrats erteilte die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis. Als maßgeblich betrachtete das Gremium die Verbesserung der Liturgie, die die Kirchenstiftung als Begründung für den Abbau der Balustraden ins Feld führte.


Denkmalschützer hatten gefordert, die niedrigen, mit einer Abdeckung versehenen Säulen, die 1811 vom Inseldom Herrenchiemsee in die Stadtpfarrkirche kamen, an ihrer heutigen Stelle stehen zu lassen.

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Die Erzdiözese München-Freising und die Kirchenstiftung St. Oswald gehen bei der nach wie vor laufenden Sanierung der Stadtpfarrkirche in Traunstein Hand in Hand. Um mit den Bauarbeiten auch und gerade die Liturgie zu verbessern, planen sie bauliche Veränderungen am Übergang vom Kirchenschiff in den Chor. Um sie zu ermöglichen, müssen sie, wie sie berichten, die Balustraden im vorderen Bereich der Kirche – im hinteren sind auch welche, die weiter stehen bleiben – entfernen. Geplant ist, sie nach ihrem Abbau in das Depot zu bringen, welches das Diözesanmuseum in Neumarkt/St. Veit unterhält.

Als kirchliche Oberbehörde betrachtet die Erzdiözese München und Freising den Rückbau der Balustraden vor dem Hintergrund der Neugestaltung der Liturgie als dringend erforderlich. Die liturgischen Belange seien, wie die Verwaltung im Rathaus das Ansinnen beur-teilt, »überzeugend und vorrangig«. Die Weiterentwicklung der Liturgie mache es notwendig, baulich den entsprechenden Raum zu schaffen. »Die Balustraden werden fachgerecht eingelagert«, so die Stadtverwaltung. »Die Balustraden bleiben also erhalten.« Und weiter: »Auch die Balustraden im Langhaus bleiben erhalten.«

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) erläuterte die rechtliche Ausgangslage. Die Stadt Traunstein sei in dieser Angelegenheit die sogenannte Untere Denkmalschutzbehörde. Maßgeblich sei auch für sie der Artikel 26 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes. Und dort stehe geschrieben, dass die Denkmalschutzbehörden bei Vorhaben, die unmittelbar gottesdienstlichen Zwecken dienen, die von den zuständigen kirchlichen Oberbehörden festgestellten kirchlichen Belange zu berücksichtigen haben. Mit anderen Worten: Wenn liturgischen Belange nachweislich vorliegen, dann seien sie gegenüber denkmalschutzrechtlichen zwingend vorrangig zu behandeln. Hümmer betonte: »Wir haben keinen Entscheidungsspielraum.«

Das Ordinariat habe die liturgischen Belange auf verständliche Weise geltend gemacht. Wie die Stadt als Untere Denkmalschutzbehörde habe auch die Regierung als Obere sie anerkannt.

Robert Sattler (SPD) sah die Gefahr, dass die Balustraden »in einem dunklen Verlies enden«. Er fragte an, ob denn die Stadt sie etwa im Heimathaus präsentieren könne. Hümmer entgegnete ihm, dass eine Antwort auf diese Frage nicht im Entscheidungsspielraum der Stadt liege.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) – als einziges Ausschussmitglied stimmte sie am Ende gegen die Erteilung der Erlaubnis für den Ausbau der Balustraden – bedauerte, dass man keine Lösung gefunden habe, die Säulenreihen in St. Oswald zu belassen. Die Balustraden seien »schon sehr lange« in der Stadtpfarrkirche. Sie hätten das »Bild der Kirche geprägt«. Und Mörtl-Körner weiter: »Wenn sie ausgelagert werden, dann sind sie weg.«

Konrad Baur (CSU) erwähnte eine Stellungnahme von Kirchenpfleger Simon Schreiber (siehe Kasten). Die Kirchenverwaltung habe versucht, mit dem Landesamt für Denkmalpflege zu einem Kompromiss zu kommen, und habe vorgeschlagen, die Balustraden ab- und an anderer Stelle in St. Oswald wieder aufzubauen. Diese Vermittlungsbemühungen seien »einseitig abgebrochen« worden. Die Kirche wolle die Liturgie verbessern, sagte Konrad Baur. Und damit sah er keinen Grund, dem Rückbau der Balustraden nicht zuzustimmen.

Georg Osenstätter (Initiative für Traunstein) räumte ein, dass die Balustraden »für viele sehr wertvolle Einrichtungsgegenstände« seien. Aber auch er sagte, dass die Kirche die Liturgie weiterentwickeln wolle – in der Maßgabe, mit der Feier des Gottesdienstes ein Stück weit näher zum Kirchenvolk zu rücken. Diese liturgischen Belange seien maßgeblich.

»Die Liturgie bewegt und verändert sich«

Der Abbau der Balustraden, die in der Stadtpfarrkirche St. Oswald am Übergang vom Kirchenschiff zum Chor stehen, ist nach Angaben von Kirchenpfleger Simon Schreiber nicht nur ein Anliegen von Pfarrer Georg Lindl, sondern auch der Kirchenverwaltung (KV) St. Oswald. In einer Stellungnahme für die Beratungen im Ausschuss für Planung, Bau und Digitalisierung des Stadtrats betonte der KV-Vorsitzende, dass ein einstimmiger Beschluss der KV vorliege.

Im Austausch mit dem Landesamt für Denkmalpflege habe man versucht, die Balustraden an den vorderen Seitenaltären nach einem Ausbau in den hinteren wieder zu installieren. Schließlich habe man sich zum Ziel gesetzt, sie »im Kirchenschiff zu lassen«. Schreiber erläuterte weiter, dass man aber mit dem Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege keine Übereinkunft erzielt habe.

Die Rückführung der Balustraden in den Inseldom auf der Herreninsel kommt laut dem Vorsitzenden der Kirchenverwaltung nicht in Frage. Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung habe abgewunken.

Neben der räumlich-gestalterischen Überlegung sei für die Kirchengemeinde vor allem auch die Liturgie von besonderer Bedeutung. Und sie bleibe keineswegs immer gleich. Ganz im Gegenteil. Schreiber: »Die Liturgie bewegt und verändert sich«. Und er betont auch: Die Kirche sei einer der größten Denkmalschützer, so Simon Schreiber.

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