weather-image
17°

Keine Wohnmobilstellplätze in Traunstein

2.6
2.6
Traunstein - Wohnmobilstellplätze
Bildtext einblenden
Traunstein: Vor allem Urlauber auf der Durchreise nutzten den Wohnmobilstellplatz von Richard Kraft in Wolkersdorf. Er sprach im Planungsausschuss über seine Erfahrungen.

Traunstein – Bis auf Weiteres eingestellt werden die Überlegungen, Wohnmobilstellplätze innerhalb der Stadt einzurichten. Das beschloss der Planungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig. Zuvor hatte Richard Kraft im Gremium über die Erfahrungen mit seinem Wohnmobilstellplatz in Wolkersdorf gesprochen.


Wenn die Stadt einen Stellplatz für Wohnmobile einrichten wolle, brauche sie zunächst eine Einfahrtsschranke, eine Wasserversorgung mit Frischwasser, eine Fäkalentsorgung, eine Stromversorgung und eine Abfallentsorgung. Allein dafür müsste die Stadt laut Kraft mit Kosten zwischen 50 000 und 60 000 Euro rechnen. Wichtig sei außerdem, dass die Stellplätze eingezeichnet werden, »sonst wird kreuz und quer geparkt«.

Anzeige

Kraft selbst hat nach sechs Jahren mit seinem Stellplatz aufgehört, »weil mir der Ärger zu viel geworden ist«. So sei immer wieder die Schranke nicht zugegangen, weil Wohnmobile zu lange darunter gestanden sind, weil sich Fahrer und Beifahrer nicht auf einen Stellplatz einigen konnten. Probleme habe es auch immer wieder bei der Fäkalentsorgung gegeben. Für einen kleinen Unkostenbeitrag von zwei Euro hätten die Nutzer nachspülen können. Das taten jedoch nur die wenigsten, sodass es gerade im Sommer bei der Hitze zu unangenehmen Gerüchen kam. Auch die Neben- und Entsorgungskosten seien laut Kraft sehr hoch gewesen. Gerade am Ende der Saison hätte viele Gäste ihren Müll bei ihm entsorgt, den sie nach dem Urlaub nicht mehr brauchten, seien es Campingstühle oder Luftmatratzen. »Ein Stellplatz geht nur, wenn es eine Betreuung rund um die Uhr gibt«, so das Fazit von Kraft.

Robert Sattler (SPD) sprach in der anschließenden Diskussion von einem Angebot für Gäste, »mit dem man sicher nichts verdient«. Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) erkundigte sich nach der Zahl der Wohnmobile und der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer. Laut Richard Kraft seien die meisten Gäste Urlauber gewesen, die auf dem Weg nach Italien oder Kroatien waren und nur eine Nacht geblieben sind. Bei einer längeren Beherbergung hätte er auch eine andere Konzession gebraucht und einen Fremdenverkehrsbeitrag zahlen müssen. Im Mai und Juni seien im Schnitt etwa fünf Wohnmobile täglich da gewesen, in der Hauptsaison zwischen Juli und September zwischen acht und neun. »Wir waren nie überfüll«, so Kraft. Zwölf Stellplätze habe es bei ihm insgesamt gegeben.

Karl Schulz (CSU) fügte an, dass man mit einem Wohnmobil überall eine Nacht stehen bleiben könnte. Was die Entsorgung betrifft, meinte er: »Das müssen wir nicht leisten.« Josef Kaiser (UW) sagte: »Es gibt viele Saubären, es gibt aber auch andere.« Dass ein Wohnmobilstellplatz keinen Gewinn bringe, sei unumstritten. Für ihn sei es vielmehr ein »touristisches Angebot, das aber vielleicht auch mit ein wenig Ärger verbunden ist«. Burgi Mörtl-Körner (Grüne) empfahl, keine Stellplätze für Wohnmobile in der Stadt einzurichten. »Ich werde dagegen sein«. Waltraud Wiesholler-Niederlöhner meinte, dass es im Umfeld genug Campingplätze geben würde.

Einstimmig beschloss der Planungsausschuss auf Vorschlag von Oberbürgermeister Christian Kegel schließlich, die Überlegungen zur Errichtung eines Wohnmobilstellplatzes bis auf Weiteres einzustellen. jar

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen