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»Keine Bescheidenheit bei Vorhaben«

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Wenn man sich eine Meinung gebildet habe und diese vertrete, dann sei Mut erforderlich, aber keine Bescheidenheit, sagte die Vizebundestagspräsidentin Claudia Roth (links) bei der Podiumsdiskussion. Mit im Bild sind Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner (rechts). (Foto: M. Peter)

Traunstein – »Veränderungen sind möglich. Keine Bescheidenheit bei den Vorhaben«, betonte die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth, bei einer Podiumsdiskussion am Samstagabend in Traunstein. Die Veranstaltung stand unter der Überschrift »40 Jahre Grüne. Frauen in der Politik – Was hat sich geändert?«. Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und die Kreis- und Stadträtin Burgi Mörtl-Körner bedauerten den geringen Frauenanteil in verschiedenen Parlamenten und in Führungspositionen, egal ob in Behörden oder der Wirtschaft. Die Moderation übernahm die Sprecherin des Grünen-Kreisverbands, Helga Mandl.


»Uns reichte damals das Versprechen nicht, dass wir im Himmel die Hälfte der Plätze bekommen«, sagte Claudia Roth bei der einleitenden Runde. Wir wollten die Hälfte der Plätze im hier und jetzt. Die Grünen-Frauenquote ist für sie die größte Errungenschaft. Aus dem Publikum zeigte sich eine 15-jährige Besucherin bedrückt über den aufkeimenden Sexismus in der Politik. Sie bezog sich dabei auf Ausführungen der Bundestagsvizepräsidentin, dass dieser auch in unserem Land wieder zunehme und einher gehe mit Hass, Häme und Verachtung. Darum sei es wichtig, sich eine Meinung zu bilden, diese zu vertreten, sich Mitstreiterinnen zu suchen und sich einzumischen, betonte Claudia Roth. Die Frauen sollten Mut zeigen und sich für Ämter aufstellen lassen, sagte Burgi Mörtl-Körner. Genau aus diesem Grund kandidiere sie für das Amt der Oberbürgermeisterin von Traunstein. Die Landtagsabgeordnete Sengl merkte an, dass besonders in den agrarpolitischen Gremien fast ausschließlich Männer in den Führungspositionen seien. Auch bei den Bio-Verbänden, so Sengl. Doch gerade die Bäuerinnen hätten sehr gute Ideen und könnten gute Impulse geben. Darum sollten mehr Bäuerinnen in solche Positionen gehen, meinte Sengl.

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Eine alleinerziehende Mutter meinte, dass es in der Debatte ausschließlich um die arbeitenden Frauen ginge. Doch wo blieben die Frauen, die bei ihren Kindern zuhause bleiben wollten? Darauf meinte Mörtl-Körner, dass sie selbst Glück gehabt habe und in ihrem Beruf als Lehrerin eine Teilzeitstelle bekommen habe. Für alleinerziehende sei die Situation sehr schwierig. Da würden Kinderbetreuungsstätten mit langen Öffnungszeiten benötigt, so Mörtl-Körner. Die Landtagsabgeordnete meinte, dass zu wenig darüber geredet werde, wie man das Berufsbild ändern müsse, dass jüngere Leute mit Kindern in verschiedene Ämter gehen könnten. Es sei gesellschaftlich noch zu wenig akzeptiert, wenn Männer in Elternzeit gingen, sagte Roth zu dem Thema. Die Rahmenbedingungen müssten so geändert werden, dass beide Elternteile geringere Arbeitszeiten hätten.

Einen breiten Raum der Diskussion nahm der Sprachgebrauch ein. Es ging mit Fragebögen an, bei denen nur die männliche Form wie Zuhörer oder Teilnehmer abgedruckt sind, über Begrüßungen, bei denen nur die Räte oder Bürger begrüßt würden und somit schon mal die Frauen nicht berücksichtigt und ausgeschlossen würden. Aber auch bei der häuslichen Gewalt werde von Beziehungsopfern oder von Vergewaltigungsopfern gesprochen. Die Opfer seien aber meist Frauen, betonte eine Besucherin.

Claudia Roth ging auch auf das Urteil über die Beleidigungen von Bundestagsabgeordneten Renate Künast ein, das vom Landgericht Berlin gefällt wurde, das ihrer Meinung nach Beleidigungen als legitime Meinungsäußerung wertete und somit den Weg für die Verrohung und der Gewalt ebnen werde. Besonders schlimm sei es, wenn Personen, die sich ehrenamtlich betätigten, solchen Beschimpfungen und Bedrohungen ausgesetzt seien.

Ein Besucher sprach das Thema Kapitalismus an und wie man mit den einhergehenden Problemen umgehen sollte.

Dazu sagte Claudia Roth, dass es wirklich an der Zeit sei, über die Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu diskutieren. Die Ausmaße der Zerstörung seien schon so dramatisch, dass ganze Inselregionen gefährdet seien und wiederum andere Regionen austrockneten. Bereits 30 Millionen Menschen seien dadurch ihrer Heimat beraubt worden und würden aus diesem Grund zu Flüchtlingen. MP