Keine Bebauung in der Daxerau: »Hochwasserereignisse häufen sich«

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Die Daxerau wird wohl doch nicht bebaut werden. (Foto: Reiter)
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So sah es beim Unwetter vor gut zwei Wochen am Röthelbach aus. (Foto: Callegari)

Traunstein – Überraschende Wende in Sachen Daxerau: Nach jahrelangen Diskussionen soll es nun doch keine Bebauung am Fuße des Hochbergs geben. Das bestätigte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Gestern Abend befasste sich der Traunsteiner Stadtrat mit dem Thema (wir berichten noch).


Eine Nachricht von Dr. Peter Ramsauer (CSU) am vergangenen Wochenende machte die Runde. Auf Instagram schrieb der heimische Bundestagsabgeordnete unter ein Bild des übergelaufenen Röthelbachs: »Neulich war ich ja in der Daxerau und habe mir die Hochwasserproblematik im Falle einer Wohnbebauung erklären lassen. Auf dem Bild sieht man, wie es letztes Wochenende in diesem Bereich ausgesehen hat. Dabei war es beim Röthelbach, der kurz darauf in die Traun mündet, nur ein zweijähriges Hochwasserereignis. Nach den Erfahrungen in Westdeutschland und Berchtesgaden, dürften sich die Bebauungspläne in der Daxerau nun so ziemlich erledigt haben.« – Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

»Es ist einfach Fakt, dass sich die Hochwasserereignisse in den vergangenen Jahren gehäuft haben«, sagte Oberbürgermeister Christian Hümmer. Das habe vor sechs, sieben Jahren vielleicht noch anders ausgesehen. Aber vor diesem Hintergrund – und vor allem auch aufgrund der dramatischen Situation in Berchtesgaden – sei es seiner Meinung nach nicht vertretbar, dort eine Bebauung zuzulassen. »Egal, was die Berechnungen sagen, in der Daxerau gibt es ein Riesenwasserthema. Das ist ein komplexes System.« Das habe sich in kurzen Abständen – und ohne 100-jährliches Hochwasser – nun mehrfach gezeigt, sagte der Oberbürgermeister.

Zunächst war geplant, dass in der Daxerau 140 Wohnungen entstehen sollen. Diese Pläne aus dem Jahr 2016 stammten noch von der Planungsgruppe Strasser, die das Gelände samt ihrer Planungen später an die Chiemgau Residenzen GmbH aus Rosenheim verkaufte. Zunächst sollten auf dem Gelände des früheren Tennis- und Squashzentrums elf Mehrfamilienhäuser mit bis zu 120 Wohnungen sowie zwei Blöcke mit jeweils fünf Reihenhäusern gebaut werden. Mit Tiefgaragen und Kellern. Zuletzt war noch von 60 Wohnungen die Rede. Ohne Tiefgaragen und ohne Keller.

Die Anlieger in der Daxerau – allen voran Alexander Callegari – hatten wiederholt Bedenken hinsichtlich der Wasserproblematik geäußert – durch den Röthelbach, die Traun, das Grundwasser und das Oberflächenwasser von der nahe gelegenen Hangleite. Sie befürchteten, dass ihre Häuser bei einer massiven Versiegelung der Fläche und der eigentlich geplanten Aufschüttung des Geländes stärker von Überflutungen betroffen sein werden. Zunächst waren die Anwohner mit einer Petition an den Landtag gescheitert, doch sie gaben nicht auf – und drei weitere Petitionen gegen die Bauleitplanung waren schließlich erfolgreich. Im Kern ging es bei der Ausei-nandersetzung um die Hochwassergefahr – für die neue Bebauung selbst, für die bestehenden Nachbarhäuser und das angrenzende Schwimmbad. Auch die Kommunen Nußdorf, Traunreut und Altenmarkt hatten sich gegen das Vorhaben ausgesprochen (wir berichteten mehrfach). Sie befürchteten eine erhöhte Gefahr von Überschwemmungen als Unterlieger der Traun aufgrund der zunächst geplanten, massiven Bebauung.

Oberbürgermeister Christian Hümmer sagte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt, dass es bei den Überlegungen ja nicht nur um die Menschen gehe, die dort bereits wohnen würden. »Sondern auch um die, die dann gegebenenfalls dort hinziehen würden. Was machen wir, wenn bei ihnen alle zwei Jahre das Wasser in der Küche steht?«. Für ihn ist daher klar: Neue Baugebiete wie das in Seiboldsdorf erschließen, aber die Pläne in der Daxerau nicht weiter verfolgen. Der Traunsteiner Stadtrat sah das ähnlich. Mit 23 zu 7 wurden das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans und das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans zur Ausweisung eines Wohngebiets in der Daxerau eingestellt.

»Ein großer Stein vom Herzen« fällt Alexander Callegari. »Das ist die richtige Entscheidung – nicht nur für uns, sondern auch für die Unterliegergemeinden und die Leute, die dort hingezogen wären. Die hätten große Probleme bekommen«, betonte der Traunsteiner. Er wohnt selbst in der Daxerau und hat hautnah miterlebt, dass es Spitz auf Knopf stand beim Unwetter am Wochenende um den 18. Juli. »Traunstein hatte einfach nur unglaubliches Glück«, so Callegari.

Der Investor war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

KR

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