Keine Abholzungen für Gewerbegebiete und Parkplätze

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Nicht nur, aber auch der Wald an der Schnepfenluckstraße stand in der Bürgerversammlung am Montagabend im Brauereiausschank Schnitzlbaumer im Fokus. (Foto: Pültz)

Traunstein – Hände weg vom Stadtwald: Viele Bürger stellen sich gegen Eingriffe in den Baumbestand, wie sie etwa an der Schnepfenluckstraße zuletzt im Gespräch waren, um die Staatliche Berufsschule III zu erweitern.


Einmal mehr war die Kritik aus ihren Reihen nun in der Bürgerversammlung am Montagabend im Gasthaus Schnitzlbaumer zu hören: Gerlinde Peuser forderte die Stadt dazu auf, keine Wälder für Gewerbegebiete und Parkplätze zu opfern. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer hielt ihr entgegen, dass die Stadt ihren Wald hege und pflege. Von einer Abnahme des Gesamtbestands könne keine Rede sein.

Gerlinde Peuser meinte, dass die Wälder landauf, landab in der Regel einen hohen Stellenwert genießen. Doch in Traunstein werden sie ihren Angaben zufolge nicht so geschützt wie anderswo. Sie sprach sich dagegen aus, »Wälder für Gewerbegebiete und Parkplätze abzuholzen«.

Die Stadt Traunstein besitze 615 Hektar Wald, erläuterte Hümmer. Damit sei sie einer der größten kommunalen Waldbesitzer in der Region. »Wir pflegen und hegen den Wald im Stadtgebiet mit unserem Stadtförster«, betonte der Oberbürgermeister. Und er verwies darauf, dass der städtische Waldbestand in der Vergangenheit »nicht weniger, sondern mehr« geworden sei.

Zur Schnepfenluckstraße sagte Hümmer, dass der Landkreis seine Pläne für eine Erweiterung der Berufsschule auf Eis gelegt habe und nach Alternativen suche (wir berichteten). Auch Standorte außerhalb der Stadt Traunstein in umliegenden Gemeinden werden laut Hümmer nun für eine Ansiedlung der Berufsschule geprüft. Der Oberbürgermeister war der festen Überzeugung, dass die Erweiterung eines Standorts unterm Strich einen geringeren Eingriff in die Natur bedeute als der Neubau einer Schule.

Einschätzungen von Hümmer, dass der Eingriff, so wie er geplant war, dem dortigen Wald am wenigsten geschadet hätte, wollte Hans Becher nicht gelten lassen. Er forderte die Stadt auf, die Entscheidung für eine Erweiterung der Schule rückgängig zu machen und keinen Wald für Parkplätze roden zu lassen.

Der Oberbürgermeister sagte, dass die Staatliche Berufsschule III keine Schule der Stadt sei – und dass sie in Sachen Erweiterung damit nichts zurücknehmen könne. Und er pochte darauf, dass der Eingriff, so wie er geplant war, am schonendsten für den Gesamtbestand wäre. Denn das Waldstück, das ausgesucht worden sei, sei im Vergleich zu den anderen Teilen »am geringsten bewaldet«.

Christian Schlemmer fragte an, wie denn der Bürgerentscheid zum Klimaschutz in Traunstein genau geplant sei. Auch wollte er in diesem Zusammenhang grundsätzlich wissen, warum denn der Stadtrat überhaupt in dieses Verfahren geht. Der Bürgerentscheid habe doch, wie Hümmer erläutert habe, die Qualität eines Stadtratsbeschlusses – aber ein eben solcher liege zu diesem Thema doch schon vor. Schlemmer: »Warum macht man das jetzt doppelt?«

Der Oberbürgermeister sagte, dass das Verfahren für den Bürgerentscheid in der nächsten Stadtratssitzung beginne. Die Verwaltung werde dann einen Vorschlag für eine den Bürgern vorzulegende und mit Ja oder Nein von ihnen zu beantwortende Fragestellung vorlegen, die sich mit dem verabschiedeten Klimaschutzkonzept befasst. Und weiter meinte Hümmer: Der Stadtrat habe die Weichen für einen Bürgerentscheid gestellt, um ein »klares Votum« aus der Bevölkerung für den Klimaschutz in Traunstein und die zur ergreifenden Maßnahmen zu bekommen. »So, wie wir den Klimaschutz diskutieren, brauchen wir den starken Rückhalt in der Bevölkerung.«

Mario Peuser forderte den Ausbau des Radwegenetzes in Traunstein. Insbesondere auf den großen Einfallsstraßen in die Stadtmitte sehe er nirgends einen breiten Radweg.

»Wir haben einen starken Nachholbedarf«, bestätigte Hümmer die Beobachtungen von Peuser. Die Stadt sei dabei, ein Radverkehrskonzept aufzustellen. Die Grundidee sei, »Hauptrouten für den Radverkehr« zu schaffen. Außerdem seien ergänzende »Basisrouten« zu benennen und dort, wo nötig, Verbesserungen in die Wege zu leiten. Hümmer gab als Ziel aus, den Verkehr in der Stadt zu filtern und zu sortieren. Am Ende müssten dann aber alle Verkehrsteilnehmer – neben den Fußgängern und Autofahrern dann auch die Radfahrer – bereit sein, Kompromisse einzugehen.

»Wie geht's in der Daxerau weiter?« Diese Frage stellte Wolfgang Stark. Und weiter: »Kauft die Stadt das Grundstück zurück?«

Wie es weiter geht? »Im Moment gar nicht«, antwortete Dr. Christian Hümmer. Das Verfahren – die Aufstellung eines Bebauungsplans durch die Stadt – sei »endgültig gestoppt«. Und weiter meinte der Oberbürgermeister: »Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht.« Für die Stadt sagte Hümmer: »Wir sind nicht in Grundstücksverhandlungen.«

Susanne Orwat schlug vor, den Verkehr auf dem Stadtplatz zu verringern und ihn am Abend zumindest in den Sommermonaten zu sperren. »Wir sind gern in den Gaststätten. Es ist gemütlich – doch es wäre noch gemütlicher, wenn wir nicht den Eindruck hätten, dass die Autos über unsere Schnitzel fahren.«

»Wir haben uns in den vergangenen Wochen selbst viele Gedanken gemacht«, entgegnete ihr der Oberbürgermeister. Und weiter meinte er: »Der Kultsommer war eine tolle Geschichte.« Er glaube schon, dass es möglich sei, das nächste Mal, wenn die Stadt dann wieder diese Veranstaltungsreihe anbietet, die Durchfahrt auf dem Stadtplatz jeweils vom Beginn bis zum Ende der Konzerte zu sperren.

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