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Kein »Weinanbau« mehr am Traunsteiner Rathaus

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Gärtnermeister Sepp Häusler beteiligte sich über Jahre hinweg an den Pflegearbeiten. Unser Bild zeigt ihn bei der Ernte der Reben im Traunsteiner Rathaus-Weinberg.

Traunstein – Mitarbeiter der Stadtgärtnerei haben den Traunsteiner Rathaus-Weinberg gerodet und die rund 50 Rebstöcke beseitigt. Im Jahr 2005 gepflanzt, gediehen die Pflanzen anfangs relativ gut und brachten auch jedes Jahr eine bescheidene Ernte. Das erforderte jedoch einen hohen Arbeits- und Zeitaufwand, den in erster Linie die Mitarbeiter der städtischen Gärtnerei bewältigen mussten. Wein wurde jedoch nie gekeltert, da die Erntemengen einfach zu gering waren.


Rebstöcke wurden im Chiemgau schon zu Zeiten der Römer angebaut. Alte Flur- und Straßennamen zeugen noch heute davon. Als Beispiele seien nur genannt der Bereich nördlich des Seeoner Sees (Am Weinberg) oder die Weinleite in Traunstein. An diese Idee anknüpfend entstand 2005 der kleine Rathaus-Weinberg. Als es damals um die Gestaltung und Bepflanzung der Südterrassen zum Karl-Theodor-Platz hin ging, hatte der damalige Lokalredakteur Klaus Oberkandler die Idee, eine dieser Terrassen mit Wein zu bestocken. Bei Oberbürgermeister Fritz Stahl stieß er mit diesem Vorschlag auf offene Ohren. Und auch die Winzer aus Offenbach an der Quaich machten mit. Sie veranstalten alljährlich das Pfälzer Weinfest auf dem Traunsteiner Stadtplatz. Als Bürgermeister Axel Wassyl 2005 mit seiner Truppe zum Weinfest nach Traunstein kam, brachte er rund 50 Rebstöcke der Sorte Birstaler Muskat mit. Gemeinsam wurden sie gepflanzt und es traf sich gut, dass es seit Mai 2000 einen Traunsteiner Weinstammtisch gab, der das Projekt ebenfalls begleitete. August Koch, der nur ein paar Steinwürfe vom Weinberg entfernt in der Hofgasse wohnt, organisierte aus einem Garten in Chieming die Bambuspflöcke, an welche die Weinstöcke gebunden wurden. Zeitweise kümmerten sich Mitglieder des Gartenbauvereins Traunstein um sie; einige Jahre auch Herwig Burgeff aus Spielwang, der einer renommierten Winzerfamilie entstammt. Auch der ehemalige Gärtnermeister und Stadtrat Sepp Häusler beteiligte sich über Jahre hinweg an den Pflegearbeiten. Die Hauptarbeit über all die Jahre hinweg leisteten jedoch die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei. Sie hatten während der sommerlichen Hitzeperioden alle Hände voll zu tun, um für den nötigen Wassernachschub zu sorgen.

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Jeweils am Eröffnungstag des Pfälzer Weinfestes auf dem Stadtplatz inspizierten Bürgermeister und Winzer die Rebstöcke am Südhang des Rathauses. Die ersten Ernten fielen recht spärlich aus, was vor allem daran lag, dass die Erdschicht nur etwa 40 Zentimeter dick ist. Darunter ist nämlich die Betondecke der Rathaus-Tiefgarage. Wenn man bedenkt, dass Rebstöcke bis zu sieben Meter tief wurzeln, kann man sich leicht vorstellen, dass unter den gegebenen Voraussetzungen keine allzu großen Hoffnungen auf viel guten Wein bestanden. Die Reben wurden nie gekeltert. Dazu war die Menge zu gering und auch die Qualität konnte mit Lesegut aus klassischen Weinbaugebieten nicht mithalten. Stattdessen verarbeitete Klaus Oberkandler die Trauben anfangs zu Most, später zu Weintraubenbrand. Sein Destillat vom Jahrgang 2013 wurde bei der Bayerischen Obstbrandprämierung in Weihenstephan mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Die Reben des Jahrgangs 2018 wurden in der Destillerie Schnitzer in Kaltenbach bei Traunstein eingemaischt und destilliert. Es gab nicht einmal zwei Dutzend Flaschen, welche die Stadt als repräsentatives Geschenk zum Salzjubiläum ausgegeben hat.

In den letzten Wochen haben die Stadtgärtner die Weinberg-Terrasse gerodet. In nächster Zeit wird sie als Lagerfläche unter anderem für das Gerüst genutzt, das für den Neuanstrich der Rathaus-Südfassade benötigt wird. Danach soll auf dem Areal eine bunte Blumenwiese angesät werden, wie Stadtgärtner Reinhard Niederbuchner berichtete. -K.O.-

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