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Foto: pixabay.com

Jugendliche sollen per App politisch mitreden können

Traunstein – Mit einer Jugendapp soll eine Form der politischen Partizipation für Jugendliche geschaffen werden, »die am 'Puls der Zeit' ist«, erläuterte Stadtjugendpflegerin Pea Breutel in der Sitzung des Ausschusses für Familie, Bildung und Soziales der Stadt Traunstein. Einstimmig stimmten die Ausschussmitglieder dafür, ein solche Jugendapp einzuführen.


Anlass war, dass sich im Herbst 2021 kaum interessierte Kandidaten für die Wahl zum Jugendbeirat gefunden hatten und daher neue Wege gesucht wurden, um die Jugendlichen in die Politik der Stadt einzubinden. »Wie ist die richtige Beteiligungsform junger Menschen?«, fragte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer einführend in die Runde. »Der Jugendbeirat ist es offenbar nicht mehr. Wir müssen auch aufpassen, dass wir unsere Beteiligungsformen wie Gremien und Ausschüsse nicht den jungen Leuten überstülpen«, sagte der Rathauschef zu Beginn.

Die App setze zum einen an den digitalen Kommunikationswegen der Jugendlichen an, wodurch »man junge Leute direkt zu Hause abholen kann«, erklärte Breutel bei der Vorstellung. Zum anderen biete die App die Möglichkeit, Jugendhilfeeinrichtungen, Vereine, Politik oder auch die Wirtschaft zu beteiligen. So könnten auf dieser Plattform etwa Ausbildungsplätze oder Ferienjobs aufgeführt werden. Mögliche Inhalte der App könnten Nachrichten und Veranstaltungshinweise für Jugendliche sein, Angebote der Jugendarbeit, Umfragen, Gruppenchats mit Vertretern der Politik, eine Jugendmap, anonyme Chatmöglichkeiten bei Problemen sowie Informationen rund um Ausbildung und Beruf oder zu den Rechten von Jugendlichen. »Die App vereinfacht die Öffentlichkeitsarbeit, unterstützt die Vernetzung der unterschiedlichen Einrichtungen und fördert vor allem die politische und kulturelle Partizipation«, führte die Stadtjugendpflegerin aus.

Bereitgestellt wird die App von dem Schweizer Unternehmen »jugend.digital«, das den Aufbau der App auch zwei Jahre begleiten wird. Fachkräfte und Jugendliche sollen in einer Arbeitsgruppe gemeinsam an der Gestaltung des digitalen Angebots mitwirken. »So entsteht innerhalb eines halben Jahres eine App, die speziell auf den Sozialraum Traunstein ausgerichtet ist und die Wünsche, Bedürfnisse und Ideen der jungen Leute miteinfließen lässt«, so Breutel weiter.

Zu den Kosten informierte die Jugendpflegerin, dass die Entwicklung der App im ersten Jahr 6170 Euro kostet, für die Evaluation und mögliche Nachbesserungen kommen im zweiten Jahr rund 3000 Euro hinzu, im dritten Jahr sind dafür etwa 2500 Euro von der Stadt einzuplanen. Die Jugendpflege hat bereits beim Bayerischen Jugendring eine Förderung beantragt. »Mit großer Wahrscheinlichkeit erhalten wir die Förderung, bis zu 80 Prozent wären möglich«, stellte Breutel in Aussicht. Der Tenor in der anschließenden Diskussion zur Einführung der App war positiv. »Das ist eine gute Idee, die uns jeden Pfennig wert sein sollte«, sagte etwa Denis Holl (SPD/Die Linke). Er wünschte sich einen regelmäßigen Bericht zum Stand der Entwicklung der App sowie eine offensive Werbung dafür. Ziel solle es seiner Meinung nach aber sein, dass es mittelfristig wieder einen Jugendbeirat geben solle beziehungsweise sich die Jugendlichen für die politische Gremienarbeit interessieren. »Der Sprung von der digitalen Beteiligung zur reellen Auseinandersetzung«, sei das Ziel, fand auch Susanne Deckert (Initiative Traunstein). »Die Jugendlichen so zu erreichen, wie es ihrer Realität entspricht«, begrüßte sie, um sich »erstmal auf den Weg« zu machen. Diese Ansicht teilte Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste): »Diesen ersten Schritt müssen wir gehen. Und dann schauen, wie es sich entwickelt.«

Er finde es falsch, »wenn wir Erwachsenen meinen, wir brauchen einen Jugendbeirat«, unterstrich Oberbürgermeister Hümmer noch einmal. Auch Jugendpflegerin Breutel betonte: »Die Jugendlichen sollen von unten heraus ihre Form der Beteiligung entwickeln.«

Monika Stockinger (SPD/ Die Linke) fragte, welche Jugendlichen eingebunden werden sollen, nachdem offenbar keiner Interesse an politischer Partizipation habe? Es gebe bereits Jugendliche, die bei der Arbeitsgruppe zur Entwicklung der App dabei wären, sagte Breutel und fügte an: »Es macht einen Unterschied, ob ich mal bei einer Arbeitsgruppe dabei bin, oder zwei Jahre im Beirat«.

pk

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