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Jahrtausende alter Schatz von der Krautinsel wird ausgestellt

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Nachrichtem vom Chiemsee, aus Chieming und dem Landkreis Traunstein
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Blick auf den Chiemsee. (Bild: pixabay)

Traunstein – Nicht weniger als 500 Funde aus der Steinzeit entdeckte ein Privatmann in den vergangenen Jahrzehnten auf seinem Grundstück auf der Krautinsel. Waffenteile, Geschirrbruchstücke und andere einige Tausend Jahre alte Spuren einer Besiedelung im Chiemgau kamen zum Vorschein.


Die Privatsammlung ist nun erstmals komplett zu sehen: »Steinzeit auf der Krautinsel« lautet der Titel der Sonderausstellung, die der Chiemgauer Archäologie-Stammtisch in den nächsten Wochen im Heimathaus Traunstein zeigt. Von einem »Schatz«, den der private Sammler jetzt der Öffentlichkeit zugänglich macht, spricht Andrea Krammer vom Organisationsteam für die Ausstellung im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt.

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Wer sitzt am Chiemgauer Archäologie-Stammtisch?

Der Stammtisch, der seit Februar 2018 regelmäßig im Heimathaus Traunstein stattfindet, ist aus dem ersten Semester des Kunstgeschichtsstudiengangs der Bildungsschmiede »50+« des Katholischen Bildungswerks Traunstein hervorgegangen. Über 30 Interessierte treffen sich in regelmäßigen Abständen in der Zieglerwirtstube im Heimathaus Traunstein, um sich über archäologische Themen in der Region und darüber hinaus auszutauschen oder um gemeinsam Exkursionen durchzuführen.

An diesem Stammtisch entstand die Idee für die Sonderausstellung. Wie kam es dazu?

Ein Teilnehmer der Gruppe sammelte über Jahrzehnte steinzeitliche Streufunde auf seinem Privatgrundstück auf der Krautinsel im Chiemsee. Er war so freundlich, diese Sammlung den Stammtisch-Teilnehmern zu zeigen. Schnell stand fest, dass diese bemerkenswerte Sammlung einem größeren Publikum präsentiert werden sollte.

Warum zeigt der Archäologie-Stammtisch »Steinzeit auf der Krautinsel« gerade in Traunstein, und zwar im Heimathaus?

Das Stadt- und Spielzeugmuseum Traunstein ist das »Stammhaus« des Chiemgauer Archäologie-Stammtisches und zudem der Ort, an dem die archäologische Forschung im Chiemgau seine Wurzeln hat. Museumsleiter Jürgen Eminger hat das Projekt Chiemgauer Archäologie-Stammtisch von Anfang an sehr unterstützt und seine Räumlichkeiten für Treffen und großzügigerweise auch für die Sonderausstellung zur Verfügung gestellt.

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Andrea Krammer vom Chiemgauer Archäologie-Stammtisch: »Die Ausstellung zeigt original steinzeitliche Funde wie Geräte, Waffen, Keramik und Schmuck.«

Geben Sie uns doch einen Einblick in die Ausstellung. Auf welche Exponate dürfen wir uns freuen?

Die Ausstellung zeigt original steinzeitliche Funde wie Geräte, Waffen, Keramik und Schmuck. Anhand dieser Objekte wurden verschiedene Aspekte des steinzeitlichen Lebens im Chiemgau beleuchtet und didaktisch aufbereitet.

Wie viele Exponate umfasst die »Steinzeit auf der Krautinsel«?

Die gesamte Sammlung umfasst crica 500 Objekte. Da es sich oft nur um kleine Feuerstein-Splitter und Keramikbruchstücke handelt, kommt diese große Anzahl zustande. Gezeigt werden alle Funde, die von der Größe her zeigbar sind und die Aussagekraft besitzen. Aus Platzgründen wurde deshalb zum Beispiel darauf verzichtet, die unverzierten Keramikfragmente zu zeigen.

Was ist Ihr Lieblingsstück?

Mein Lieblingsstück ist zugleich das Lieblingsstück des Finders. Eine Pfeilspitze aus gelblichem Feuerstein. Mit diesem ersten Fund wurde das Interesse an der Steinzeit auf der Krautinsel unseres Sammlers geweckt und ist somit auch der »Initialzünder« für unser gesamtes Ausstellungsprojekt.

Welche weiteren Höhepunkte bietet ein Rundgang durch die Sonderausstellung?

Ein »Highlight« ist auch der Rohguss eines Kupferbeils, der das Ende der Steinzeit einläutete und vielleicht auch für rituelle Handlungen verwendet wurde. Das »Haupt-Highlight« sind aber die thematisch zu den Objekten erarbeiteten Kindergeschichten, die das Alltagsleben der Familie »Krauti« auf der Krautinsel im Chiemsee sehr anschaulich erzählen, und die grafische Gestaltung durch Zeichnungen von Günther Lederer.

Sie sind Archäologin. Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus den Funden auf der Krautinsel?

Die knapp 500 Objekte decken den Zeitraum von 9500 bis 2300 vor Christus ab und zeigen damit, wie früh die Besiedlung im Chiemgau begonnen hat. Sie geben Hinweise auf die Lebenswelt der ersten Chiemgauer und Durchreisenden und sind dadurch von unschätzbarem Wert für das Verständnis der langen Besiedlungsgeschichte unserer Heimat. Trotzdem bleiben viele Fragen zur Steinzeit auf der Krautinsel noch immer offen – manche werden es wohl auch immer bleiben. Dass dieser Schatz von einem Einheimischen gehütet und umsorgt wird und dass er ihn so großzügig der Öffentlichkeit präsentiert, ist für mich von unschätzbar großem Wert.

Wie war denn die Lebenswelt der ersten Chiemgauer?

Die Funde zeigen auf, dass die Krautinsel in unterschiedlichen Epochen der Steinzeit wiederholt besiedelt war. Die Form, die Funktion – zum Beispiel Rückzugssiedlung, Töpfersiedlung, Befestigung – und die Größe dieser Siedlungen ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Deshalb ja auch unser Untertitel »ein Steinzeit-Rätsel«. Gernot Pültz