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In manchen Praxen wird der Grippe-Impfstoff allmählich knapp – hohe Nachfrage im Landkreis

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Traunstein: In manchen Praxen wird der Grippe-Impfstoff allmählich knapp – hohe Nachfrage im Landkreis
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In Zeiten der Corona-Krise lassen sich auch im Landkreis Traunstein deutlich mehr Bürger als sonst gegen die Grippe impfen. (Foto: Marcus Brandt/dpa)

Traunstein – Angesichts einer hohen Nachfrage nach der Grippeschutzimpfung drohen auch im Landkreis Traunstein Engpässe in der Versorgung. Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts hat Dr. Melanie Kretschmar, die Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands (ÄKV) Traunstein, mitgeteilt, »es gibt wohl auch schon Praxen, in denen der Impfstoff knapp wird«. Noch seien aber Chargen lieferbar.


Alarm schlug Dr. Gerald Quitterer, der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer. Fakt sei, dass in Bayern viele Praxen noch nicht einmal die vorbestellten Impfstoffe komplett erhalten hätten. Nachbestellungen seien derzeit zwar möglich, jedoch zeitlich nicht absehbar. »Ob in Zukunft fristgerecht geliefert werden wird, ist eine Hypothek auf die Zukunft.«

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Die Nachfrage bei Grippeimpfungen sei in diesem Jahr auch in Bayern sehr hoch. Daher seien in einigen Hausarztpraxen die ersten Impfdosen bereits verimpft. Quitterer appellierte an die Politik, sicherzustellen, »dass die impfwilligen Patientinnen und Patienten, vor allem die Risikopatienten und chronisch Kranken, diese Impfung auch erhalten können«.

Die Situation stelle sich auch im Landkreis Traunstein so dar, bestätigt Kretschmar die Angaben von Quitterer. Sie geht davon aus, dass in Praxen der Impfstoff zur Neige gehe. Doch Chargen werden ihren Angaben zufolge noch ausgeliefert und in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. »Es wird nicht immer der gesamte Impfstoff zu Saisonbeginn ausgeliefert. Das ist wohl produktionsbedingt.«

Die Kreisvorsitzende des ÄKV berichtet, dass die Nachfrage nach der Grippeschutzimpfung im Landkreis Traunstein »deutlich erhöht« sei. Kretschmar: »Auch Patienten und Patientinnen, die die Impfung jahrelang hartnäckig ablehnten, kommen jetzt aus eigenem Antrieb mit der Frage nach einer Impfung.«

In diesem Zusammenhang weist Dr. Kretschmar darauf hin, dass es in Corona-Zeiten »dringend erforderlich« sei, vor dem Besuch in der Arztpraxis telefonisch Kontakt aufzunehmen. »Es häufen sich leider wieder die Fälle, dass Patienten, insbesondere mit Infektionen, ohne vorherige Anmeldung in der Praxis auftauchen. Das Verhalten ist kontraproduktiv und steht dem positiven Gemeinwohlgedanken entgegen.«

Laut Kretschmar haben alle Hausärzte in irgendeiner für den eigenen Praxisablauf sinnvollen Weise eine separate Infektionssprechstunde eingerichtet. Dieses Angebot gelte es zu beachten. »Hier sollten wir gemeinsam an einem Strang ziehen, um uns selber und unsere Mitmenschen bestmöglich zu schützen.« Das hausärztliche System könne nur so gut sein, wie auch die Patienten sich daran positiv beteiligen.

Die Hausärzte seien in der Bekämpfung der Pandemie von Anfang an, so die ÄKV-Kreisvorsitzende, an vorderster Front gestanden. Etwa sechs von sieben Covid-positiven Patienten seien allein von Hausärzten behandelt worden. Sie hätten die Betreuung »furchtlos«, ohne angemessene Schutzausrüstung und »mit viel Erfindungs- und Improvisationsgeist« bewerkstelligt. Und Kretschmar betont weiter: »Wir haben alles dafür getan, das System nicht kollabieren zu lassen – und das werden wir mit unserer vollen Tatkraft auch weiterhin tun.«  

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