Impftermine für Kinder: Eltern erhoffen sich Erleichterungen im Alltag
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Rege Nachfrage besteht aktuell bei den Covid-19-Impfterminen des Landkreises Traunstein für fünf- bis elfjährige Kinder und Jugendliche im Sozialpädiatrischen Zentrum Traunstein.

Impftermine für Kinder: Eltern erhoffen sich Erleichterungen im Alltag

Traunstein – Soll man Fünf- bis Elfjährige gegen Corona impfen lassen? Seit der bedingten Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Dezember ist auch im Landkreis Traunstein das Immunisierungsangebot erweitert worden. Wie sich gezeigt hat, werden die Impftermine für den Nachwuchs im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) in Traunstein rege genutzt. Deshalb wurden die Angebote sogar bis Ende Februar verlängert. Unsere Zeitung erkundigte sich bei einem Ortstermin über Motive der Eltern und die medizinischen Hintergründe.


Grundsätzlich hat die STIKO eine Impfung gegen den Corona-Virus nur für Kinder mit Vorerkrankungen oder mit schutzbedürftigen Angehörigen empfohlen. Trotzdem sind ein Großteil der rund 80 bis 90 Fünf- bis Elfjährigen, die pro Termin im SPZ eine Covid-19-Impfung erhalten, gesunde Kinder. Obwohl eine Corona-Erkrankung in dieser Altersgruppe überwiegend glimpflich verläuft, rät Dr. Sabine Wörnle, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin an der Kindertagesklinik in Traunstein, zur Vorsicht: »Nach einer Infektion mit dem Corona-Virus kann es einige Wochen danach zu einer heftigen Immunreaktion mit hohem Fieber, Entzündungen und Ausschlag kommen. Seit Oktober verzeichnen wir auch bei uns eine steigende Zahl von Fällen mit dem neuartigen PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrom).«

Eine Reihe kleiner Patienten musste sogar bereits auf der Intensivstation behandelt werden, erklärt die Medizinerin. Bundesweit wurden bei der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie von Mai 2020 bis 16. Januar 569 Fälle von Kindern und Jugendlichen mit PIMS gemeldet. Wie Dr. Wörnle weiter erklärt, ist ein Großteil der Eltern, die mit ihren Kindern zur Impfung ins SPZ kommen, »sehr gut informiert und aufgeklärt«. »Peter*, Du bist bumperlg'sund und Allergien hast Du keine?«, fragt der Verwaltungsangestellte Martin Vornholt den vor ihm sitzenden Elfjährigen im SPZ. Der ist zusammen mit seinen Eltern aus Traunreut gekommen und lässt mit stoischer Ruhe die Anmeldeformalitäten über sich ergehen. Beim Impfen liest der junge Mann, der an einer neurologischen Vorerkrankung leidet, aus einem mitgebrachten Buch vor. »Dann ist das mit dem Pieks nicht so schlimm«, kommentiert der Vater.

»Wie verhält es sich mit einer Herzmuskelentzündung bei Jungen?«, will er vom behandelnden Kinderarzt wissen. »Wenn es nach drei, vier Tagen schlechter geht, sollten Sie sich melden, im Allgemeinen wird der Biontech-Impfstoff aber sehr gut vertragen«, erläutert der Mediziner. Die Spritze enthält bei Kindern nur ein Drittel der Impfstoffdosis wie bei Erwachsenen.

Wie die Eltern – beide geimpft und geboostert – später erläutern, waren auch ein sicherer Schutz gegen mögliche Long-Covid-Folgen und ein Schutz der pflegebedürftigen Oma Gründe für Peter, sich impfen zu lassen.

Eine Corona-Infektion der älteren Schwester im Gymnasium und die ständigen Tests in der Schule waren für den zehneinhalbjährigen Martin* aus Traunreut gewichtige Gründe, sich impfen zu lassen. Die Entscheidung dazu fiel allerdings vor der Novelle des Bayerischen Gesundheitsministeriums, die seit 10. Januar auch für geimpfte Schüler regelmäßige Corona-Tests vorschreibt. »Das war natürlich irgendwie kontraproduktiv«, erläutert der Vater, der bei der Lebenshilfe arbeitet. Dort gilt eine einrichtungsbezogene Impfpflicht. Wie er erzählt, wurde das Thema Impfen intensiv in der Familie diskutiert. »Ein stückweit geht es auch um Eigenverantwortung, gesellschaftliche Verantwortung zur Überwindung der Pandemie und das Vertrauen in die Wissenschaft.«

Wie der behandelnde Kinderarzt erläutert, erhofft sich die überwiegende Mehrheit der Eltern, die mit ihren Kindern zum Impfen kommen, Erleichterungen im Alltag und Schutz vor eventuellen Langzeitfolgen.

Was auffällt: Sowohl die befragten Eltern wie auch die behandelnden Kinderärzte wollten in der aufgeheizten Stimmung um die Impfpflicht und aus Sorge vor eventuellen Anfeindungen nicht mit ihrem Namen in der Zeitung erscheinen. Der Verfasser des Berichts hat mit den Personen persönlich gesprochen.

* Name geändert.

Covid-19-Impfung bei Kindern

Aufgrund reger Nachfrage hat das Landratsamt Traunstein die Impftermine von Kindern zwischen fünf und elf Jahren im Sozialpädiatrischen Zentrum Traunstein bis 26. Februar verlängert. Weitere Termine sind nach Anmeldung im Impfzentrum am 22., 23., 29. und 30. Januar sowie am 5., 12. und 19. Februar möglich. Angesichts hoher Ansteckungsraten mit Covid-19, aber überwiegend milden Verläufen, erließ die STIKO Anfang Dezember eine Impfempfehlung für Fünf- bis Elfjährige nur bei Vorerkrankungen oder Umgang mit Angehörigen mit hohem Risiko.

Das (seltene) Risiko einer Herzmuskelentzündung betrifft nach einem Bericht des Deutschen Ärzteblatts (118/2021) eher junge Männer ab zwölf Jahren. Für das Risiko in der Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen sind vom Paul-Ehrlich-Institut bisher keine belastbaren Zahlen ausgewiesen. Nach einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie wurden in Deutschland seit Pandemiebeginn 2250 stationäre Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen bis 19 Jahren mit SARS-CoV-2-Nachweis gemeldet. In der Altersklasse von bundesweit geschätzten sechs Millionen Fünf- bis Elfjährigen betraf dies 337 Kinder, was 0,006 Prozent entspricht.

In den Kliniken Südostbayern mussten nach Angaben der Pressestelle seit Beginn der Pandemie 42 Kinder bis neun Jahre mit positivem Covid-19-Befund stationär behandelt werden. Zum Teil lagen auch Begleitbefunde vor. 

eff

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