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Immer wieder mit Perücke und Dreispitz durch die Stadt

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Traunstein: "Salzmaier" Immer wieder mit Perücke und Dreispitz durch die Stadt
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Sepp Knott führte als »Salzmaier«, der einst die Saline in Traunstein leitete, viele Jahre Gruppen durch Traunstein.

Traunstein – In der Zeit um 1800 war in Traunstein einiges, wenn nicht sogar alles ganz anders als heute. Sepp Knott erzählt, dass ein Berufsstand in ganz besonderen Nöten steckte – und dass dann eines Tages die Obrigkeit einschreiten musste.


So habe eine Verordnung, die zur damaligen Zeit erlassen worden sei, gelautet: »Lehrer dürfen nicht geschlagen werden.« Ob die Leidgeplagten in der Folgezeit tatsächlich verschont blieben und in aller Öffentlichkeit nicht mehr verprügelt wurden, weiß freilich auch der 72-Jährige aus Traunstein nicht mit Sicherheit zu sagen.

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Diese und andere Geschichten erzählte Knott immer wieder, wenn er sich als Stadtführer mit seinen Gruppen auf den Weg durch Traunstein machte. Vor allem an die Salzgewinnung durch die Saline, die von 1619 bis 1912 in Betrieb war, erinnerte er auf seinen Rundgängen. Um die Zeitreise in die Vergangenheit sichtbar zu machen, schlüpfte er oft in das Gewand des »Salzmaiers«, des obersten Beamten vor Ort, der das Staatsunternehmen in Traunstein leitete.

Neun Jahre lang entführte er Besucher aus nah und fern in längst vergangene Zeiten. »Bei 236 Führungen hatte ich 4000 Teilnehmer«, sagt er. Perücke und Dreispitz hängte er jetzt – er ist auch schon 72 Jahre alt – ein für alle Male an den Nagel. Die Zeiten, in denen er die Gäste als »Salzmaier« ins Staunen versetzte, sind vorbei.

Im wirklichen Leben hatte er einst bei einer Krankenkasse das Geld verdient, das er zum Leben brauchte. Mit 63 Jahren ging er den Ruhestand – und dann verdingte er sich als Stadtführer. Gegen eine Aufwandsentschädigung, die er im Rathaus bekam, nahm er Gruppe um Gruppe mit auf eine besondere Reise durch Traunstein.

Immer wieder besuchte er auf seinen Führungen einige besonders geschichtsträchtige Orte. Eine Runde auf dem Stadtplatz drehte er, wie er erzählt, auf der Salzmeierstiege ging's hinab in die Au – dorthin, wo einst die Schornsteine der Saline rauchten. Und stets erzählte er vom Salz: von der Gewinnung und vom Handel, von der Soleleitung und vielem mehr. Um den Besuchern auch die Salinenkapelle zu zeigen, trug er auch den Schlüssel für die Kirche in seiner Tasche – jenen Schlüssel, den er sich, wie er berichtet, eigens für die Führung vorher immer geholt hatte.

Die alten Wohnhäuser für die Salinenarbeiter waren auch Haltepunkte, ebenso der Karl-Theodor-Platz, der einst das große, inzwischen längst abgebrochene Karl-Theodor-Sudhaus beherbergt hatte. Zum Abschluss steuerte er die Nepomukkapelle an – und nicht selten folgten die Besucher alsdann seinem Angebot, die Geschichten und die Geschichte der Stadt mit einem guten Schluck in einer Gastwirtschaft noch einmal in geselliger Runde zu vertiefen.

Während Sepp Knott anfangs seiner Karriere als Stadtführer »ganz normal« unterwegs war, hatte er 2016 dann die Idee, sich zu verkleiden. Er wandte sich, wie er erzählt, an den Trachtenverein Ruhpolding, der einen reichhaltigen Fundus an originellen Kleidungsstücken sein Eigen nennt. »Perücke und Dreispitz habe ich mir besorgt«, sagt der heute 72-Jährige. Auch eine Uniform, wie sie in früheren Zeiten üblich war, ergatterte er – und fertig war der »Salzmaier«.

Immer zwei Stunden dauerten seine Führungen, einmal waren weniger, einmal mehr Interessierte mit von der Partie. Auf Interesse stießen seine Rundgänge vor allem unter jenen, die alle Winkel und Ecken von Traunstein noch nicht so gut kannten. »Mindestens zwei Drittel der Teilnehmer waren Auswärtige aus Trostberg, Traunreut, Palling, Laufen und Tittmoning«. Fast ausnahmslos stammten die Wissbegierigen aus der heimischen Region, selten aus entfernten Gegenden. »Urlauber waren fast gar nicht drunter.«

2018 und 2019 ging er dazu über, nur noch als Salzmaier auf die Reise zu gehen. Und im vergangenen Jahr war er auch mit von der Partie, als die Stadt das große Salzjubiläum 400 Jahre Soleleitung und Saline feierte. Und was war in all der Zeit am schönsten? Da muss Sepp Knott nicht lange überlegen: »Der Kontakt mit den Leuten«.

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