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»Im Idealfall ist jeder Parkplatz rund um die Uhr genutzt«

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Traunstein: Parkleitsystem soll anzeigen, wo noch Parkplätze frei sind
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Wo ist in Traunstein noch ein Parkplatz frei? Sobald die Stadt ein dynamisches Parkleitsystem eingeführt haben wird, können Besucher der Stadt das auf Anzeigetafeln auf den ersten Blick erkennen. (Foto: Hohler)

Traunstein – Neue Wege will die Stadt Traunstein künftig bei der Bewirtschaftung ihrer Parkplätze gehen. Ziel sei es, so Kämmerer Reinhold Dendorfer in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses, die Parkplätze in der Innenstadt so effizient wie möglich auszunutzen.


Einleitend hatte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) erklärt, es bestehe ja Einigkeit, dass es ein großes Parkplatzdefizit gebe. Darum habe die Stadt ein Parkraumkonzept erstellen lassen. »Heute geht es um die bessere Nutzung des Parkraums durch Digitalisierung und den Antrag der Grünen, die Zahlungsmöglichkeiten per Handy wie am Karl-Theodor-Platz auszuweiten«.

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Rathaustiefgarage ist um 11 Uhr voll, nachts leer

Das Parkraumkonzept habe drei Kernaussagen gebracht, so Stadtkämmerer Reinhold Dendorfer. Erstens wäre im Idealfall jeder Stellplatz rund um die Uhr genutzt. »Nehmen wir zum Beispiel die Rathaus-Tiefgarage. Um 11 Uhr höre ich immer die Hupkonzerte, wenn alle Stellplätze voll sind und der Suchverkehr durch die Garage hindurch staut. Nachts dagegen sind fast alle Stellplätze leer.« Zweitens werde die Digitalisierung allein nicht alle Probleme lösen können. Und drittens wurde betont, dass man technische, organisatorische wie infrastrukturelle Fragen klären müsse.

Mit dem Anbieter 'Parkster' habe man gute Erfahrungen am Karl-Theodor-Platz gemacht. »Der Probebetrieb hat sich sehr bewährt«, so Dendorfer. »Nur kriegen wir fast täglich neue Angebote von anderen Anbietern. Würden wir die alle nutzen, hätten wir einen wilden Schilderwald in der Stadt.«

Beim Bezahlen gehe der Weg immer mehr weg vom Bargeld – »das kriegen wir fast nicht mehr los, das kostet uns einiges an Geld«, so Dendorfer weiter. Aber da müssten etwa 30 Parkscheinautomaten umgerüstet werden. Möglich wären auch Verträge mit Dauerparkern.

Und es gehe unter dem Motto »schrankenfreies Traunstein« um videobasierte Ein- und Ausfahrmöglichkeiten samt Bezahlung, etwa in Parkhäusern. »Dann würde auch die Fummelei mit dem Parkticket bei der Ausfahrt wegfallen. Dennoch dürfe man nicht den Teil der Bevölkerung vergessen, der nicht so »Handy-affin« sei, gab Dendorfer zu bedenken.

Maximilian Schlereth von der Münchner Firma Peter Park System GmbH, sagte dazu, das derzeitige statische Parkleitsystem sei nicht übersichtlich. »Und es zeigt auch nicht die aktuelle Auslastung an«. Für das Bezahlen per Handy-App gebe es unterschiedliche Anbieter und Services, die etwa freie Parkplätze anzeigen. Es gehe um die Bewirtschaftung des öffentlichen Parkraums am Stadtrand genauso wie um eingezäunte Freiflächen oder Garagen für Dauerparker. Ein dynamisches Parkleitsystem könne das bisherige gut ergänzen – »wir müssen nach wie vor alle Anwender im Blick haben, auch die nicht technik-affinen«, so Schlereth.

Erweiterbare Systeme anschaffen

Wichtig sei in jedem Fall eine deutliche Beschilderung. »Zum Beispiel am Karl-Theodor-Platz weiß der Tourist nicht, dass dahinter noch die Rathausgarage liegt.« Die Digitalisierung sei sehr schnelllebig, daher sei es sinnvoll, Systeme anzuschaffen, die für künftige Entwicklungen offen und somit erweiterbar seien, riet der Experte. Es gebe nicht die Rundum-Komplettlösung. »Ich muss mich entscheiden. 'Womit fang ich an? Was geht die nächsten 10, 15 Jahre?'«, gab Schlereth zu bedenken.

Auf die Frage von Nils Bödeker (SPD) nach Erfahrungen, wie viel Prozent der Nutzer bereit seien, alles digital abzuwickeln, und wie das Nebeneinander zu organisieren sei, sagte Schlereth, das dynamische Parkleitsystem sei ohne entsprechende Infrastruktur nicht zu optimieren.

Man könne aber den Nutzer auch zum Umstieg auf digitales Bezahlen animieren, wie eine andere Stadt, bei der Dauerparkplätze nur online buchbar seien. »Das Bezahlen ist die 'Einflugschneise'«. Aber natürlich brauche man immer auch noch Automaten, die Bargeld annehmen. Trotzdem könne beispielsweise ein Berühr-Bildschirm nicht nur als Parkautomat dienen, man könne auch Informationen bereitstellen.

Georg Osenstätter (Initiative Traunstein) fragte, ob es schwierig würde, verschiedene Anbieter zu nutzen, und was das Umstellen auf das Bezahlen per App kosten werde. Dazu sagte Reinhold Dendorfer, »Parkster« finanziere sich beispielsweise über einen Teil der Parkgebühren.

Während das für den Anwender kostenneutral sei, seien das andere Anbieter für die Stadt, so Schlereth dazu. Sinnvoll sei etwa auch zu schauen, welche Anbieter in der Umgebung viel genutzt würden, wenn man an die Zentrumsfunktion Traunsteins denke. Eine App sei aber für die Stadt immer günstiger als Bargeld oder Kartenzahlung, »auf jeden Fall günstiger als alle Parkscheinautomaten umzurüsten.« Zum Thema videobasiertes, schrankenloses Parken und Bezahlen sagte Schlereth, wichtig sei vor allem eine klare Zufahrt – die man laut Dendorfer etwa am Karl-Theodor-Platz nicht habe. »Da gibt es zwei Zufahrten, aber nicht alle parken auch da. Manche parken auch beim Rossmann oder dem Bio-Markt«.

Auf Josef Kaisers (UW) Frage nach der Möglichkeit des »Zechprellens« sagte Schlereth, das Kennzeichen werde bei Ein- und Ausfahrt gelesen, da sei es gut möglich, den Halter festzustellen.

Einstimmig sprach sich der Ausschuss am Ende dafür aus, die Möglichkeit der App-Bezahlung weiter auszubauen. Zudem sollen Angebote für den Aufbau eines dynamischen Parkleitsystems eingeholt werden. Für die Rathaustiefgarage sollen außerdem Angebote für ein videobasiertes Parksystem eingeholt werden. coho

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