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»Ich war in meinem Leben noch nie so krank«

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Mit Medikamenten versuchte die 42-Jährige die Symptome zu bekämpfen, die mit der Covid-Erkrankung einhergingen. Der Erfolg der Therapie war sehr überschaubar. Die 42-Jährige war und blieb viele lange Tage sehr krank. (Foto: Pültz)

Traunstein – Nie wieder vergessen wird sie die Tage der Krankheit. Ein Leben lang wird sich die 42-Jährige daran erinnern, dass sie mit sehr hohem Fieber völlig erschöpft im Bett lag, dass sie von unsagbaren Gliederschmerzen gepeinigt war – und dass sie in düsteren Stunden das Schlimmste vom Schlimmsten befürchtete und Angst hatte zu sterben. »Ich war in meinem Leben noch nie so krank«, erzählt die 42-Jährige. Sie hatte das Coronavirus abbekommen, war an Covid erkrankt. Und nach einer fast schon endlos langen Zeit, nach über zwei Wochen, ist sie erst jetzt wieder gesund.


Wo, wann und wie sie sich infizierte, kann sie nur erahnen. Die 42-Jährige – für diese Bezeichnung hat sie sich in Absprache mit dem Traunsteiner Tagblatt entschieden – arbeitet in einem Krankenhaus im Landkreis Traunstein. Und weil sie an ihrem Arbeitsplatz immer wieder auch mit Covid-Erkrankten zusammenkommt, nimmt sie an, dass sie sich das Virus dort einfing. Selbstverständlich schützt sie sich Tag für Tag wie vorgeschrieben vor dem Angriff, dem sie ausgesetzt ist, doch Masken geben keine hundertprozentige Sicherheit vor einem aggressiven Virus, das keine Grenzen zu kennen scheint.

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Auf einmal über 39 Grad Fieber

Überaus schnell und vor allem äußerst heftig brach die Krankheit aus. »Von der einen Minute auf die andere stieg Hitze in mir auf«, erzählt die 42-Jährige. Auf einmal habe sie auch »komisch niesen« müssen. Mitten im Winter habe sie Anfälle bekommen, wie sie sie höchstens im Sommer einmal ertragen muss, wenn sie Heu in ihrer Umgebung wittert. »Innerhalb von zehn Minuten war's mir ganz heiß.« – »Das Fieberthermometer stieg auf über 39 Grad.«

Ihren Augen konnte sie kaum trauen. Denn Fieber ist für sie, die gesund lebt, oft draußen ist und ein gutes Immunsystem besitzt, eigentlich ein Fremdwort. »Ich habe nie Fieber«, erzählt sie. Und sie schiebt nach: »Wenn ich einmal eine Erkältung bekomme, dann habe ich höchstens 37 Grad.«

Diesmal aber war alles ganz anders gewesen. Nicht nur hohes Fieber suchte sie heim, auch Gliederschmerzen stellten sich gleich in der ersten Stunde nach dem Ausbruch von Covid ein – in einer Stärke, wie sie sie noch nie erlebt hatte. Geplagt von Fieber und Gliederreißen bekam sie ein, wie sie sagt, »wahnsinniges Krankheitsgefühl«. Die Frage, auf die sie keine Antwort wusste, lautete: »Was ist denn jetzt los?« Sie habe sich elend gefühlt, selbst die kleinsten Anstrengungen wie der Gang vom Bett auf die Toilette seien die größten Kraftakte gewesen.

»Eine Grippe fühlt sich nicht so an«, zieht die 42-Jährige den Vergleich. Die Grippe sei längst nicht so »vereinnahmend« wie Covid.

Eine Lanze bricht sie in diesem Zusammenhang für das Gesundheitsamt. Die Behörde, die in Corona-Zeiten viel Kritik einstecken muss, habe in ihrem Fall, wie sie berichtete, »sehr gut« gearbeitet. Das Gesundheitsamt habe die Kontakte »schnell und zeitnah zurückverfolgt« und alle, die zu verständigen war, benachrichtigt. Zweimal habe eine – freundliche – Mitarbeiterin bei ihr, der 42-Jährigen, angerufen, »alles hat gepasst«.

»Fünf Tage war ich sehr krank«

»Fünf Tage war ich sehr krank«, erzählt sie. Mit ihrer Hausärztin sei sie ständig in Kontakt gewesen, in der Online-Sprechstunde«, die die Ärztin anbietet, habe sie sich Ratschläge geholt. Und einiges, wenn nicht sogar vieles wusste sie ohnehin schon aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit im Krankenhaus. Um das Fieber und die Schmerzen zu bekämpfen, habe sie Paracetamol eingenommen. Vom Hörensagen habe sie gewusst, dass Ibuprofen offensichtlich ungeeignet ist. Und zur Vorbeugung habe sie sich Thrombosespritzen gesetzt.

Mit Medikamenten habe sie die Symptome bekämpft. Sie hätten Linderungen gebracht, aber keineswegs Heilung. Zwar seien dann zum Beispiel die Fieberspitzen mit über 39 Grad ausblieben. Das Thermometer, das sie regelmäßig zur Hand nahm, habe dann aber immer noch 38,8 Grad gezeigt – und zwar immer wieder.

Tagelange war die 42-Jährige sehr krank – und bisweilen befielen sie äußerst düstere Gedanken. »Ich hatte Angst«, erzählt die 42-Jährige. Sie habe nicht gewusst, wie es weitergeht. Sie habe zwar schon »Vertrauen in ihren Körper« besessen. Weil die Beschwerden, die sie so in ihrem Leben noch nie hatte ertragen müssen, anhielten, war sie zwischenzeitlich aber von Endzeitstimmung nicht mehr weit entfernt. Mit der Patentante habe sie telefoniert, mit ihren Eltern. Und sie habe sich vergewissert, dass »für den Fall der Fälle« – sollte sie sterben – alles geregelt ist, dass ihre Lieben versorgt sein würden.

Mit der Erkrankung war in ihrer Familie auf einen Schlag alles anders – ganz anders. Alle hielten tagein tagaus Abstand, alle trugen von früh bis spät Masken. Der Aufwand lohnte sich, keiner der Lieben, die sie um sich schart, infizierte sich. Sie alle mussten zwar zuhause bleiben, waren abgenabelt von der Welt, aber sie erreichten das Ziel: Sie blieben gesund.

Fünf Tage war die 42-Jährige sehr krank, dann ging's ihr allmählich etwas besser. Angespannt war sie und blieb sie auch, weil sie Angst hatte, dass womöglich auch ihre Lunge betroffen sein könnte – und dass sich dann auch Tage nach dem Ausbruch von Covid noch Atembeschwerden ergeben könnten. Doch mit der Zeit legte sich diese Angst, immer mehr wuchs die Gewissheit, dass die Lunge von Covid verschont blieb.

»Jeder meidet dich wie die Pest«

Über zwei Wochen durfte sie nicht mehr aus dem Haus gehen, Quarantäne war angeordnet. Und die 42-Jährige, die gerne unter Leute geht, litt unter diesem plötzlichen Kontaktentzug – sie vereinsamte. Ihre Lieben hatte sie zwar nach wie vor um sich herum, doch Freunde und Bekannte, Nachbarn machten einen Bogen um das Haus herum. »Das Schlimmste ist, dass man sozial ausgegrenzt wird.« Auch als sie schon längst nicht mehr ansteckend war, sei niemand zu ihr gekommen. »Wenn du positiv bist, dann meidet dich jeder wie die Pest.«

Doch die »Pest« verging, die 42-Jährige besiegte die Krankheit – sieht man einmal davon ab, dass sie auch jetzt noch kurzatmig ist und eigentlich nur so viel Puste besitzt, dass sie gerade einmal auf einem Weg in der Ebene gehen kann. Sie weiß, dass sie noch eine Weile brauchen wird, bis sie wieder ganz hergestellt – die Frage ist nur, wann genau sie wieder so kraftvoll ist wie vor der Krankheit.

»Covid ist nicht zu unterschätzen – egal ob man alt oder jung ist«, sagt die 42-Jährige. Die Krankheit könne jeden treffen. »Das Virus ist nicht auszurotten«, meint sie. Und sie glaubt, dass am Ende nur ein Weg zum Erfolg führt: »Wir brauchen eine Herdenimmunität.«

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