weather-image
29°

»Ich verdanke ihm die Liebe zur Liturgie und zur Musik«

3.0
3.0
Traunstein: Trauer nach Tod von Georg Ratzinger – »Verdanke ihm Liebe zur Liturgie und Musik«
Bildtext einblenden
Vor der Stadtpfarrkirche St. Oswald enthüllte Georg Ratzinger (links) am 8. Juli 2007 die Papstbüste. Unser Bild zeigt ihn mit dem damaligen Oberbürgermeister Fritz Stahl. (Foto: Stadt Traunstein)

Traunstein – Die Stadt Traunstein trauert um Georg Ratzinger, den Bruder von Papst Benedikt XVI. emeritus, der am Mittwoch im Alter von 96 Jahren in Regensburg gestorben ist. Einst bezeichnete Ratzinger Traunstein als »schönste Stadt der Welt«. Vielen älteren Traunsteinern ist der ehemalige Chorleiter der Stadtpfarrkirche St. Oswald auch heute noch gut in Erinnerung.


Mit dem Tod von Georg Ratzinger verliert Traunstein einen hoch geschätzten, ehemaligen Mitbürger, der in der Stadt seine große musikalische Karriere als Chordirektor begonnen und hier tiefe Spuren hinterlassen hat. »Die Gedanken vieler Traunsteinerinnen und Traunsteiner gehen in diesen Tagen nach Rom«, sagt Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. »Im Namen unserer Stadt spreche ich Papst Benedikt emeritus mein aufrichtiges Beileid aus. Die enge Verbindung der beiden Brüder und zuletzt die Reise des emeritierten Papstes nach Regensburg lassen uns nur erahnen, wie schmerzlich der Verlust für ihn sein muss.«

Anzeige

Schon mit elf Jahren Kirchenorgel gespielt

Geboren wurde Georg Ratzinger am 15. Januar 1924 in Pleiskirchen. Bereits als Elfjähriger spielte er Kirchenorgel. Im Studienseminar St. Michael, das er später gemeinsam mit seinem Bruder Joseph besuchte, erhielt er professionellen Instrumentalunterricht und wurde schon als Jugendlicher auf das Priestertum vorbereitet. In Hufschlag fand die Familie Ratzinger 1937 nach mehreren Umzügen in einem Bauernsachl ein neues Zuhause. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Georg Ratzinger zur Wehrmacht eingezogen. In Italien wurde er 1944 am rechten Oberarm verwundet, geriet zum Kriegsende in amerikanische Gefangenschaft. Im Juli 1945 kehrte er nach Traunstein zurück.

Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Joseph trat er dann im Januar 1946 in das Priesterseminar der Erzdiözese München und Freising ein. Mit ihm und dem Anfang Juni verstorbenen Pfarrer Dr. Rupert Berger feierte er am 8. Juli 1951 Primiz in Traunstein. 1957 schloss er das Studium der Kirchenmusik ab und wurde Chordirektor in Traunstein. Vielen älteren Traunsteinern ist auch heute noch das Bild des über den Stadtplatz radelnden Georg Ratzinger vor Augen. Bis 1964 war er in der Stadtpfarrkirche St. Oswald als Chorregent tätig und leitete auch die Chorstunden für die Buben und Mädchen der Volksschule in der ehemaligen Klosterkirche.

Bildtext einblenden
Noch im Februar besuchte eine kleine Delegation aus Traunstein Georg Ratzinger (rechts) in Regensburg. Auch der am 7. Juni verstorbene Pfarrer Dr. Rupert Berger (links) war dabei. (Foto: Georg Lindl)

Seine Dienstwohnung in Traunstein hatte Georg Ratzinger an der Mittleren Hofgasse im »Predigerhäusl«. Anfang Juni 1959 nahm er seine Eltern zu sich, die bis dahin in Hufschlag gelebt haben. Im selben Jahr verstarb sein Vater, im Jahr 1963 auch die Mutter. Beide wurden zunächst in Traunstein beigesetzt, 1974 exhumierte man deren sterbliche Überreste und überführte sie auf den Friedhof bei Pentling. Im dortigen Familiengrab wird Georg Ratzinger nicht beigesetzt: Er erhält seine letzte Ruhestätte in Regensburg auf dem Unteren Katholischen Friedhof im Stiftungsgrab der Regensburger Domspatzen, die er nach seiner Zeit in Traunstein 30 Jahre lang geleitet hatte.

Traunsteiner besuchten Ratzinger im Februar

Als Leiter der Domspatzen kreuzten sich auch erstmals die Wege mit dem heutigen Traunsteiner Stadtpfarrer Georg Lindl, der in Regensburg geboren wurde und dort auch Ministrant war. »Ich war zwar selbst nie Domspatz, aber habe die Musik sehr genossen.« Vor allem der weiche Klang, die »Ratzinger Romantik« wie Lindl sagt, sei ihm sehr gut in Erinnerung geblieben. »Ich verdanke Georg Ratzinger die Liebe zur Liturgie und zur Musik«, so der Stadtpfarrer.

Persönlich kennengelernt hat Lindl Ratzinger doch erst viele Jahre später in seiner Zeit als Traunsteiner Stadtpfarrer. Jedes Jahr hat er den Domkapellmeister mit einer kleinen Delegation aus Traunstein, bestehend aus ihm, Pfarrer Dr. Rupert Berger, dessen Nichte Nicoletta Göttlicher und Kirchenmusiker Manfred Müller, besucht – zuletzt am 18. Februar. Wie Lindl erzählt, hat Georg Ratzinger auch bei diesem Treffen – »die Unterhaltungen wurden zwar mühsamer, aber es war immer noch ein flüssiges Gespräch möglich« – noch nach Traunstein gefragt. »Es waren zwei intensive Stunden, ein herzliches Abschiednehmen.« Unausgesprochen sei allen klar gewesen, dass man sich nicht noch einmal sehen werde.

Immer wieder zog es Georg Ratzinger auch nach seinem Wegzug noch nach Traunstein. Bevor Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde, verbrachte Georg Ratzinger gemeinsam mit seinem Bruder regelmäßig die Tage zwischen Neujahr und Heilig-Drei-König im Studienseminar St. Michael. Am 30. Juni 2005 enthüllte er eine Gedenktafel am Bauernhaus in Surberg, in dem die Familie einst gelebt hatte. Am 8. Juli 2007 kam Georg Ratzinger erneut nach Traunstein, um bei der Enthüllung der Papstbüste vor der Pfarrkirche St. Oswald dabei zu sein.

»Kurze, sehr angenehme und freundliche Begegnungen« mit Georg Ratzinger hatte auch der frühere Oberbürgermeister Fritz Stahl, zum Beispiel bei der Enthüllung des Papstdenkmals oder bei Besuchen in Rom. Außerdem war Ratzinger Schirmherr des Orgelvereins und stand mit Rat und fachlicher Unterstützung zur Seite. »Leider kann er nicht mehr erleben, dass diese fertig wird.« jal

Mehr aus der Stadt Traunstein