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Hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen im Landkreis: »Wer mehr testet, der findet auch mehr«

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Traunstein: Hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen im Landkreis: »Wer mehr testet, der findet auch mehr«
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Foto: Hans Klaus Techt/APA/dpa

Traunstein – Fast täglich erreichen die Redaktion Anfragen besorgter Bürger, warum im Landkreis Traunstein die Zahlen der gemeldeten Covid-19-Neuinfektionen immer noch sehr hoch sind. Eine einfache, kausale Erklärung gebe es dafür nicht, erklären Gesundheitsamt-Leiter Dr. Wolfgang Krämer und Landratsamt-Pressesprecher Michael Reithmeier auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts.


Überblick:

Vielmehr seien verschiedene Faktoren dafür verantwortlich, warum es weiter viele bestätigte Corona-Infektionen gebe. »Wir testen deutlich mehr als am Anfang der Pandemie«, sagt Pressesprecher Reithmeier. So habe der Landkreis in Litzlwalchen ein eigenes Testzentrum eingerichtet, wo nur begründete Verdachtsfälle hin überwiesen werden. Dort wird an drei Tagen die Woche getestet und es werden dabei jeweils rund 100 Abstriche gemacht – also rund 300 Tests pro Woche allein in Litzlwalchen. Davon sind rund 20 Prozent positiv. »Wer mehr testet, findet auch mehr«, sagt Reithmeier.

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Zudem nehmen rund die Hälfte der niedergelassenen Hausärzte im Landkreis selbstständig Proben und auch die KVB testet und hat ihre Kapazitäten erhöht. »Wie viele Teste jedoch genau im Landkreis gemacht werden, das wissen wir nicht, da es keine Meldepflicht für Corona-Tests gibt«, betont Gesundheitsamt-Leiter Dr. Wolfgang Krämer. Beim Gesundheitsamt werden nur die bestätigten Fälle erfasst. Zum Vergleich: In Bayern werden täglich rund 12.000 Tests durchgeführt.

Aktuell erhöhte Fallzahlen ergäben sich aber auch durch anlassbedingte Reihentestungen, etwa in den Gemeinschaftsunterkünften in Trostberg und Traunreut, wie Dr. Krämer darstellt. Dort gab es seit der Karwoche immer wieder bestätigte Corona-Infektionen. »Wenn wir alle Bewohner testen, finden wir auch die asymptomatischen Fälle, die nie einen Arzt aufgesucht hätten, aber infiziert sind, und somit das Virus unbemerkt weiter verbreiten würden.«

Außerdem habe es im Landkreis in mehreren Alten- und Pflegeeinrichtungen anlassbezogene Reihentestungen seitens des Landesamts für Gesundheit gegeben. Auch hier gelte wieder der Grundsatz, wer sucht, der findet, betont Dr. Krämer.

Nähe zu Österreich und Landkreis Rosenheim

Grundlegend für die Fallzahlen sei aber nach wie vor auch die Nähe zu Österreich und dem ebenfalls stark betroffenen Landkreis Rosenheim. Hier, so sagt Pressesprecher Reithmeier, gebe es einfach eine enge Verflechtung etwa durch Pendlerströme, und vor allem zu Beginn der Pandemie im Februar/März habe es noch starken Kontakt gegeben, sodass die Basiszahl von Haus aus hoch war; und es damit auch ein größeres Potenzial für Weiterverbreitung gegeben habe.

Entscheidend sei ein anderer Faktor: »Anfang März hatten wir die Bilder aus Italien vor Augen, die entscheidende Herausforderung war es, eine Überlastung des Gesundheitssystems und der Kliniken zu verhindern.« Dieses Ziel habe man bis heute erreicht – obwohl die Fallzahlen immer noch relativ hoch sind. »Den ersten Peak der Welle hatten wir vor und rund um Ostern, wo es mehr behandlungsbedürftige Patienten gab, inzwischen hat sich die Zahl wieder reduziert, aktuell auf 45 Patienten auf Normalstation und acht Intensivpatienten im Landkreis«, wie Reithmeier mitteilt. Die Kapazität der Kliniken im Landkreis liege bei 40 Intensivbetten und über 450 Normalpflegebetten.

Zahl allein wenig aussagekräftig

Reithmeier und Dr. Krämer gehen auch nicht davon aus, dass die Zahl der positiv Getesteten allzu schnell sinken wird, auch deswegen, weil es immer wieder zu anlassbezogenen Reihentestungen kommen kann. Die Zahl positiv Getesteter allein sage jedoch nicht unbedingt etwas über die tatsächliche Lage aus, sondern in erster Linie die Zahl der behandlungsbedürftigen Patienten, insbesondere in den Kliniken. vew

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