Hilfe für verletzte junge Seelen

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Dr. Michael Bodensohn, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Klinikum Traunstein, und sein Team kümmern sich um seelisch verletzte Kinder und Jugendliche.

Traunstein – Sie leiden unter körperlichen Missempfindungen und seelischen Schmerzen: Kinder und Jugendliche, die zu Dr. Michael Bodensohn, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Klinikum Traunstein, kommen, finden hier Unterstützung, Verständnis, Raum zur Entfaltung. Sie lernen, wieder nach vorne zu schauen. Diese psychotherapeutisch sehr intensive, wohnortnahe Hilfe der Kliniken Südost-bayern AG hat in der Region einen hohen Stellenwert.


Die Erkenntnis, dass neben Psychologen und Pädagogen auch die Medizin ihren Beitrag zur Versorgung in ihrer Entwicklung bedrohter Kinder leisten müsse, gehe auf die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück, so Dr. Bodensohn. Der Kinderarzt und ärztliche Psychotherapeut arbeitet seit 1988 – dem Jahr der Eröffnung – am Klinikum Traunstein. Schon bald sei deutlich geworden, dass auch die Psyche der jungen Patienten wahrgenommen werden müsse. »Es kommen immer wieder Kinder, die Not leiden«, sagt Dr. Bodensohn.

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Um Kindern in Krisen zu helfen, sei 1993 das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) an der Schierghoferstraße eröffnet worden. Nach einiger Zeit habe sich gezeigt, dass die ambulanten Angebote allein für manche Kinder mit tief verletzten Seelen nicht ausreichten. So wurde 2003 in der Kinderklinik eine psychosomatische Station mit zehn Betten errichtet. Basierend auf dem gleichen Therapiekonzept folgte später noch eine Tagesklinik mit acht Plätzen für Kinder, denen die Trennung von daheim gar zu schwerfällt.

Für die Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren ist die Entscheidung für eine Therapie naturgemäß ein Mut erfordernder Schritt. Sie sind zuvor Schule, Kinderärzten oder Therapeuten ihres Verhaltens wegen aufgefallen. »Zu den großen Symp-tomen gehört die Schulverweigerung, manche Kinder und Jugendlichen ziehen sich immer mehr in sich zurück, andere zeigen ein aggressives Verhalten«, erklärt Dr. Bodensohn.

Vor einem Aufenthalt zwischen drei und sechs Monaten steht ein ausführlicher Informations- und Beratungstermin der künftigen Patienten sowie ihrer Eltern im SPZ. »Wir versuchen immer, Anwalt des Kindes zu sein, wollen sie in ihren Reaktionen ernst nehmen und verstehen, warum sie in dieser Lage sind und was sie eigentlich wollen«, so Dr. Bodensohn.

Weil die seelisch leidenden Kinder ihren Gefühlen keine Worte geben könnten, litten sie oft unter Kopf- oder Bauchschmerzen. »Aber auch, wenn wir körperlich nichts finden, sind sie trotzdem da«, betont der Chefarzt. »Wenn die Kinder und Jugendlichen eine Weile bei uns sind, tritt das in den Hintergrund, weil sie merken, dass sie ihre Gefühle auch verbal ausdrücken können.«

Wohltuende und annehmende Umgebung

Damit diese Entwicklung stattfinden kann, braucht es eine Reihe an Voraussetzungen. So erwartet die Mädchen und Buben eine angenehme, wohltuende und annehmende Umgebung. »Drei- bis fünfmal in der Woche treffen sie ihren Psychotherapeuten, die Erzieher gehen wertschätzend und wohlwollend mit ihnen um«, erklärt Dr. Bodensohn das intensive Behandlungskonzept. »Wir versuchen, ihnen Halt zu geben und für sie Entfaltungsraum zu schaffen, damit sie sich selbst verwirklichen können und Zutrauen entsteht.«

Damit dies möglich ist, hat sich über die Jahre ein Team aus ungewöhnlich einsatzbereiten, empathischen Frauen und Männern gefunden: Erzieherinnen, Ärztliche Psychotherapeuten mit kinderärztlichem Hintergrund, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologische Psychotherapeuten sowie Ergo-, Logo-, Physio-, Tanz- und Kunstthera­peuten gehen mit Einfühlungsvermögen und Sachverstand auf jedes einzelne Kind ein. Sie tauschen sich über ihre Patienten aus und sind auch mit den Eltern in regelmäßigem Kontakt.

Es gibt sogar eine Klinikschule mit zwei sehr engagierten Lehrerinnen. »Die Kinder gehen durch das Haus zur Schule, ich finde es toll, dass wir diese Arbeit in einem klinischen Setting machen dürfen und von der Unternehmensleitung unterstützt werden«, freut sich Dr. Bodensohn. »Es braucht ein großes Team für diese schöne Arbeit, weil wir die Kinder aufbauen wollen, ihnen eine Bestätigung ihrer Gefühlswelt geben und sie neu anregen möchten«, sagt er.

Wie nachhaltig die Zeit in der Kinder- und Jugendpsychosomatik wirken kann, hat ihm erst jüngst wieder der Anruf eines früheren Schützlings bewiesen. Dieser studiert jetzt Psychologie. Der fünffache Vater Bodensohn sagt auch: »Durch jedes Kind muss bedingungslose Liebe gehen.«

Freude auf den Neubau der Kinderklinik

Er und sein Team freuen sich schon sehr auf den Neubau der Kinderklinik am Klinikum Traunstein. Dort wird die Kinder- und Jugendpsychosomatik über deutlich mehr Raum für die seelisch verletzten Mädchen und Buben verfügen. Die neue Station mit dann 22 Betten ist mit Wohnzimmer und Spielräumen sowie einem engeren Bereich mit einer 1:1-Betreuung geplant. fb

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