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Gutachterin empfiehlt Erweiterung vom Heimatmuseum

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Eine Erweiterung des Heimatmuseums (rötliches Haus in der Mitte) um das angrenzende, sogenannte Mayer-Haus ist im Gespräch. Eine Gutachterin empfiehlt der Stadt, das Projekt anzupacken. (Foto: Pültz)

Traunstein – Dr. Bettina Keß, die Leiterin des Büros »kulturplan« in Würzburg, empfiehlt der Stadt Traunstein, das Heimatmuseum zu erweitern und im Rahmen der Präsentation der Exponate auch die Räume im angrenzenden, sogenannten Mayer-Haus zu nutzen. Im Auftrag der Stadt hat sie in den vergangenen Monaten eine Machbarkeitsstudie erstellt, die jetzt fertig ist.


Das Ergebnis: Eine Vergrößerung sei nicht nur möglich, sie sei vor allem auch wünschenswert. »Eine Erweiterung macht Sinn«, sagte Keß im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. Im Kultur- und Sportausschuss des Stadtrats am heutigen Dienstag um 14 Uhr im Rathaus stellt sie das Gutachten vor.

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Im Mai 2016 hat die Stadt das Gebäude gekauft, das unmittelbar an das Heimathaus angrenzt. Und mit diesem sogenannten Mayer-Haus, das den Namen seines vorigen Besitzers trägt, eröffnet sich nun die Möglichkeit, das Stadt- und Spielzeugmuseum über das Heimathaus hinaus auszudehnen. Zusammen mit der Stiftung Heimathaus und dem Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein zieht die Stadt in Erwägung, diesen Weg einzuschlagen.

Museum »auf Herz und Nieren geprüft«

Mit ins Boot genommen hat sie einen auswärtigen Profi: Mit Rat und Tat steht ihr Dr. Bettina Keß zur Seite, die Museen, Ausstellungen und andere Kulturprojekte plant, kuratiert und gestaltet. Im Auftrag der Stadt Traunstein habe sie, wie sie berichtet, das Heimatmuseum »auf Herz und Nieren geprüft«. Zum einen habe sie mit einer Bestandsaufnahme den »Status quo« herausgearbeitet und zum anderen die Frage einer Erweiterung erörtert.

Das Heimathaus sei ein Baudenkmal – mit allen Vor- und vor allem auch Nachteilen, die ein derartiges Gebäude mit sich bringt. So sei das Museum, das in diesem Haus untergebracht ist, nicht barrierefrei. Und ein modernes Foyer fehle ebenso wie etwa zeitgemäße Toiletten. Alles in allem betrachtet, entsprechen die Räume laut Keß nicht mehr den Anforderungen, die heutzutage an ein Museum gestellt werden.

Auch die Präsentation der Exponate lässt laut der Gutachterin zu wünschen übrig. In dem Museum habe man »sehr lange nichts Grundlegendes mehr gemacht«. Das Haus sei »im Wesentlichen ein Dingspeicher«. Die Einrichtung sei »für die meisten Menschen nicht attraktiv«. So gehen viele Besucher Dr. Keß zufolge nur einmal ins Museum, aber kein zweites Mal.

Von Vorteil sei die attraktive, zentrale Lage am Stadtplatz. Wer ins Zentrum geht, komme am Heimathaus vorbei. Und weiter auf der Haben-Seite steht laut der Gutachterin aus Würzburg, dass das Museum über »viele interessante Exponate« verfüge. Außerdem werden ihren Angaben zufolge »spannende Themen« wie etwa die Stadt Traunstein und der Chiemgau aufgegriffen. Das Heimatmuseum sei, wie Dr. Keß zusammenfassend urteilt, in einem »Dornröschenschlaf«.

Als nächsten Schritt empfiehlt sie, bauliche Prüfungen vorzunehmen, die in die Tiefe gehen. Die historische Bausubstanz mit ihren Stärken und Schwächen sei bis in die Einzelheiten zu erfassen. Und dann sei vor allem auch ein Blick auf die Exponate zu werfen. Die Sammlung müsse auch und gerade unter dem Aspekt betrachtet werden, ob in dem einen oder anderen Fall womöglich Maßnahmen zur Erhaltung der Objekte ergriffen werden müssen. Unter dem Dach seien im Sommer mit teilweise über 30 Grad »sehr hohe Temperaturen«. Und zu untersuchen habe man, ob die Sammlung dort Schaden genommen hat.

Die Gutachterin empfiehlt, das Konzept weiter zu entwickeln. Zu überlegen sei, mit welchem Profil das Museum in die Zukunft geht. Anzusprechen seien die Traunsteiner wie auch die Gäste, die in die Stadt kommen.

»Geschickte Planung« ist erforderlich

Dr. Keß regt an, die Sammlung einem »Check-Up« zu unterziehen. »Man wird einige Sachen herausnehmen müssen.« Die Präsentation der Exponate sei zu überprüfen – gemäß inhaltlicher Schwerpunkte. Neben Traunstein sei, wie sie meint, künftig vor allem auch der Chiemgau zu thematisieren. Denn die Region werde ihres Wissens nach von keiner Einrichtung behandelt. Und so liege in der Hinwendung zum Chiemgau die Chance für ein Alleinstellungsmerkmal.

»Wenn alles so bleibt, wie es ist, dann kommt in 20 Jahren kein Besucher mehr«, mahnt die Fachfrau zum Handeln. Und gezwungen, etwas zu unternehmen, biete auch und gerade das Mayer-Haus vielfältige Möglichkeiten, die Attraktivität des Museums zu erhöhen. Eine Einbindung des angrenzenden Gebäudes bringe Freiheiten und Chancen für die Erweiterung der Museumskonzeption. Erforderlich sei eine »geschickte Planung«. Kleinere und größere Schwierigkeiten seien zu überwinden – einschließlich der Höhendifferenz zwischen den Geschossen in dem einen und in dem anderen Haus.