Grundlage für den Klimaschutz in Traunstein

Bildtext einblenden
81 Seiten umfasst der Klimaplan Traunstein, den der Stadtrat verabschiedet hat. (Foto: Pültz)

Traunstein – 16 Sofortmaßnahmen zur Verringerung des Ausstoßes umweltschädlicher Treibhausgase in Traunstein stehen im Integrierten Klimaschutzkonzept (IKK), das der Stadtrat einstimmig verabschiedet hat. Sie reichen vom Ausbau der Elektromobilität über eine neue Strategie für die Stadtwerke bis hin zur Energie- und Klimaberatung für private Haushalte. Im Auftrag der Stadt hat die sustainable AG in München das 81-seitige Programm erarbeitet.


Das IKK lege den Grundstein für den Klimaschutz in Traunstein und die Erreichung der Klimaneutralität der Verwaltung bis 2030 und der Gesamtstadt bis 2040, betonte Falko Müller von der sustainable AG, der das Konzept zusammen mit seiner Kollegin Julia Urbauer im Stadtrat vorstellte. Die Arbeit müsse fortgeführt werden, Klimaschutz sei kein Selbstläufer.

Urbauer erläuterte die CO2-Bilanz, die das Büro für Traunstein errechnete. Pro Jahr entstehen in der Stadt ihr zufolge rund 170 000 Tonnen CO2 und andere Treibhausgase. Das Gewerbe, der Handel, die Dienstleister und die privaten Haushalte verursachen nach ihren Angaben 60 Prozent der Emissionen. Größter Treiber des Ausstoßes sei der Strom, gefolgt vom Gas. »Gemeinsam machen sie 89 Prozent der Emissionen aus«, sagte Urbauer.

In Zusammenarbeit mit der Verwaltung im Rathaus und den Bürgern in Traunstein habe sustainable, so Müller, 140 Ideen gesammelt. Aus diesem »reichen Fundus« habe sustainable 16 Maßnahmen ausgewählt, die jeweils der Stadt ein großes Einsparpotenzial bringen und schnell von ihr ergriffen werden können – plus zweier zusätzlicher Maßnahmen für die Stadtverwaltung. Müller sagte, dass sich im Falle einer Realisierung der Sofortmaßnahmen Einsparungen in Höhe von jährlich 10 600 Tonnen CO2 ergeben werden. Die Kosten, die mit den Maßnahmen einhergehen, schätzte er auf 3,3 Millionen Euro.

Im Bereich Verkehr empfehle sustainable, so Urbauer, den Ausbau der Elektromobilität, Maßnahmen zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), ein Pilotprojekt Shuttlebus sowie die Umsetzung des – in Arbeit befindlichen – Radverkehrskonzepts.

Im Bereich Energie sei das Herzstück der vorgeschlagenen Maßnahmen, so Urbauer, die Erstellung einer »Dekarbonisierungsstrategie« für die Stadtwerke – eines Stufenplans für die Umstellung ihrer Wirtschaftsweise in Richtung eines niedrigen Umsatzes von Kohlenstoff –, die für 53 Prozent der Treibhausgase verantwortlich sind. Im Fokus sollten künftig außerdem eine solargerechte Bauleitplanung auf privaten und öffentlichen Flächen, ein 10-Dächer-Programm für PV-Anlagen sowie die Umstellung der Wärmeversorgung bei einzelnen städtischen Liegenschaften stehen.

Urbauer erläuterte auch Maßnahmen im Bereich Bewusstseinsbildung und Konsum. Regionale und saisonale Bio-Lebensmittel seien in städtischen Einrichtungen – in Kitas und Schulen sowie in der Stadtverwaltung – einzusetzen, ein Gäste-Onlineführer mit mindestens 30 Prozent Anteil von regionalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln sei zu erarbeiten. Und der Moorschutz sei zu verstärken, die Entwässerung zu verringern.

Im Bereich Gebäude sei eine »Schlüsselmaßnahme«, so Urbauer, die Energie- und Klimaberatung für private Haushalte. Das kommunale Klimamanagement sei fortzusetzen und auszubauen, Städtische Baumaßnahmen seien nachhaltig zu planen und mit ökologischen und regionalen Baustoffen auszuführen. Und erforderlich sei eine klimagerechte Bauleitplanung bei Neubauten.

Was den Bereich Wirtschaft betrifft, so sei »sehr erfreulich«, so Urbauer, dass die Entscheidung für ein Ökoprofit, für ein Ökologisches Projekt für Integrierte Umwelt-Technik, gefallen sei. Die Mitarbeiterin von sustainable empfahl die Anleihe zur Finanzierung von Projekten des IKK und eine klimaneutrale Beschaffung.

»Traunstein hat aus unserer Sicht gute Startvoraussetzungen für einen gelingenden Klimaschutz«, betonte Müller. Die Bürgerschaft sei »sehr engagiert«, die Stadtwerke seien im Eigentum der Stadt – und eine aktive Klimaschutzpolitik sei bereits vorhanden. Jetzt gelte es, diese guten Voraussetzungen zu nutzen und die Arbeit zu verstetigen. Hierzu sei das Engagement und der Wille zur Zusammenarbeit aller nötig: der Politiker, der Mitarbeiter der Verwaltung und der Stadtgesellschaft.

Mehr aus der Stadt Traunstein