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Foto: Peter Steffen/dpa/Symbolbild

Giftmord-Urteil nicht rechtskräftig: Verteidiger ziehen in Revision

Das Urteil im Traunsteiner »Giftmord«-Prozess um den Tod eines 75-jährigen Rentners in Töging wird vorläufig nicht rechtskräftig. Auf Nachfrage kündigten alle Verteidiger noch im Gerichtssaal Revision zum Bundesgerichtshof an. 


Staatsanwalt Markus Andrä wollte sich noch nicht dazu äußern, ob er die Entscheidung des Schwurgerichts mit Vorsitzendem Richter Volker Ziegler ebenfalls anfechten wird. Die Kammer hatte gegen die 55-jährige Tochter des an einem hoch dosierten Medikamentencocktail am 4. August 2021 Verstorbenen wegen Mords aus Heimtücke eine lebenslange Haftstrafe verhängt.

Ihre 30-jährige Tochter, die Enkelin des Rentners, schickte das Gericht am Mittwoch für vier Jahre hinter Gitter wegen »versuchten Mords durch Unterlassen«. Die Angeklagte hätte dem Sterbenden Hilfe leisten müssen, etwa durch Rufen eines Notarztes, hieß es im Urteil.

Tränenreiche Abschiedsszenen mit Verwandten

Zu lediglich einem Mord-Versuch gelangte die Kammer, weil in der Beweisaufnahme nicht festgestellt werden konnte, ob der Rentner überhaupt noch zu retten gewesen wäre. Für beide Frauen ordnete das Schwurgericht Haftfortdauer an. Tränenreiche Abschiedsszenen mit Verwandten und Freunden gab es, als die Frauen von Vorführbeamten der Polizei in ihre Haftanstalten zurückgebracht werden sollten.

Die Verteidiger der 55-Jährigen hatten nach zwölftägiger Hauptverhandlung ob vieler verbliebener Zweifel auf Freispruch plädiert. Das oberste deutsche Strafgericht solle das überprüfen, erklärte Verteidigerin Inge Bazelt aus Altötting auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Vor allem um den Schuldspruch geht es Axel Reiter aus Mühldorf und Dr. Markus Frank aus Rosenheim als Verteidiger der 30-Jährigen. Die Anwälte hatten eine sechsmonatige Strafe mit Bewährung gefordert, einzig wegen »unterlassener Hilfeleistung« für den Großvater.

Einen kleinen Eklat gab es nach Schluss der Sitzung. Der Vorsitzende Richter zitierte einen Mann aus dem Zuhörerbereich, angeblich ein Familienangehöriger der Angeklagten, an den Richtertisch. Dieser hatte Teile der Urteilsverkündung verbotenerweise mit einem Handy aufgenommen.

Aufnahmen sind nicht gestattet

Filmen wie Tonaufnahmen sind im gesamten Innenbereich der Justiz nicht gestattet, worauf große Tafeln im Foyer hinweisen. Ziegler zog das Mobiltelefon gegen den Protest des Mannes ein. Ob der Handy-Eigner eine Straftat begangen hat oder mit einer Geldauflage wegen einer Ordnungswidrigkeit davon kommt, blieb offen.

kd

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