Gesundheitsamt Traunstein setzt auf »Luca«

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Auch das Gesundheitsamt Traunstein setzt künftig auf die Luca-App. Wer kein Smartphone besitzt, kann sich ab Ende April einen Schlüsselanhänger besorgen, um damit in Geschäften, Theatern oder anderen Orten seine Kontaktdaten zu hinterlegen. Foto: dpa

Traunstein – Das Gesundheitsamt Traunstein nutzt ab sofort die vom Freistaat Bayern bereitgestellte Luca-App zur leichteren digitalen Corona-Kontaktnachverfolgung.


Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Krämer sieht darin einige Vorteile: »Die Einführung der Luca-App bedeutet einen weiteren Digitalisierungsschub bei der Pandemiebekämpfung und ist gleichzeitig eine Erleichterung für Betriebe, Branchen und Institutionen – aber auch die Gesundheitsämter. Die Daten müssen nicht mehr mühsam in Papierform erfasst und geführt werden. Die Nutzer können beispielsweise vor dem Besuch eines Geschäfts schnell und einfach einchecken. Ein QR-Code-Scan reicht aus. Beim Verlassen des Betriebs checken sie wieder aus. Auch gibt es einen optionalen, automatisierten Check-out, damit man das Abmelden nicht vergisst. Sollte zur gleichen Zeit eine mit Corona infizierte Person in der Nähe gewesen sein, werden diese Informationen nach entsprechender Freigabe verschlüsselt an das Gesundheitsamt übermittelt und die möglichen Kontaktpersonen informiert.«

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Allerdings wird an der App auch kritisiert, dass sie nicht barrierefrei ist, zudem setzt sie voraus, dass man ein Smartphone besitzt. Pressesprecher Michael Reithmeier bestätigt auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts: »Die Luca-App ist noch nicht vollständig barrierefrei. Verbesserungen, insbesondere für Blinde/Sehbehinderte. etwa VoiceOver-Funktionen und Kontraste – stehen nach Angaben der Entwickler kurz vor der Veröffentlichung. Weitere Anpassungen wurden angekündigt.«

Für Personen, die kein Smartphone besitzen, gebe es die Möglichkeit den Service zu nutzen, mit einem sogenannten »Luca-Schlüsselanhänger«, den man allerdings einmalig kaufen muss. »Dieser ist das analoge Gegenstück zur App. Auf dem Schlüsselanhänger ist ein QR-Code mit dem dann, wie bei der App, eingecheckt werden kann. Personen, die weder die App noch den Schlüsselanhänger nutzen, können über ein Kontaktformular in Standorte eingecheckt werden«, klärt Reithmeier auf.

Und wie kommt man an einen »Luca-Schlüsselanhänger«? »Die Schlüsselanhänger mit QR-Code, die von Luca angeboten werden, können erst ab Ende April bestellt werden. Die Wirtschaftsförderung will ein Basispaket erwerben und über begleitende Aktionen unterstützen«, sagt Dr. Birgit Seeholzer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung des Landkreises,

Und wie sieht es in Sachen Datenschutz aus? »Alle Daten im Luca-System werden Ende-Zu-Ende verschlüsselt und sind nur im Falle einer vom Gesundheitsamt gestarteten Kontaktnachverfolgung von diesem einsehbar. Andere Personen und Betreiber haben keinen Zugriff auf die Daten. Die Einhaltung der Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) waren ein Kriterium im Vergabeverfahren. Die bayerischen Datenschutzbehörden waren von Beginn an in das Verfahren mit eingebunden. Die Staatsregierung hat sich umfassende Prüfungs- und Kontrollrechte einräumen lassen«, sagt Reithmeier. Tatsache ist zudem, dass der Quellcode der Luca-App mittlerweile vollständig veröffentlicht wurde.

Interesse von Unternehmen ist da

Allerdings setzt dies vo-raus, dass Geschäfte diesen Service der Luca-App auch anbieten. »Es haben sich bereits etliche Unternehmen und Institutionen im Landkreis für die Nutzung der App registriert, aber natürlich stehen wir hier noch am Anfang«, sagt Seeholzer. »Angesichts der aktuellen Inzidenz-Werte ist zudem nur click&collect möglich. Und auch in den Betrieben sind berufliche Fortbildungen derzeit nicht möglich. Dennoch ist die Rückmeldung der von der Wifö angefragten, regionalen Verbände wie Dehoga, Einzelhandelsverband etc. sehr po-sitiv. Einig sind sich alle Betriebe, dass ein Wiedereinstieg und Ladenöffnungen, Meetings vor Ort etc. dringend eine digitale Kontaktverfolgungslösung benötigen«, betont Seeholzer.

Inwiefern ist es derzeit überhaupt nötig, diese App jetzt einzusetzen – Geschäfte bieten aktuell nur »click&collect« an, Veranstaltungen mit Ausnahme von Gottesdiensten finden nicht statt? Hier betont Gesundheitsamtsleiter Dr. Wolfgang Krämer: »Der Einsatz der Luca-App ist überall, wo Menschen zusammenkommen, sinnvoll. Der Einsatz der Luca-App ist auch bei 'click&collect' oder 'click&meet' sowie in geöffneten Geschäften, firmeninternen Meetings, Veranstaltungen im Bereich öffentlicher Gremiensitzungen oder medizinischen Praxen mit Wartebereichen hilfreich.« Auch bei privaten Treffen – im aktuell erlaubten Rahmen von einem Haushalt mit einer weiteren Person, Kinder unter 14 Jahren ausgenommen – kann die Luca-App eingesetzt werden.

Laut Dr. Seeholzer wollen einige Unternehmen die Luca-App auch zur Kontakt-Nachverfolgung für die Ausgabe von Essen-to-go bei den Kantinenbetrieben einführen und dies, wenn ein normaler Kantinenbetrieb wieder möglich ist, so lange wie erforderlich fortführen.

Welchen Nutzen haben User und Gesundheitsamt vom Service der Luca-App?

Die Luca-App biete laut Dr. Krämer einen unkomplizierten und effizienten Weg der Kontaktverfolgung, durch den die Gesundheitsämter enorm entlastet werden. Eine papierhafte Registrierung der Besucher und Gäste entfällt. Wie Reithmeier ergänzt, können aber auch private Treffen erfasst werden. Dabei betont er: »Die Daten hierzu werden aber nicht an das Gesundheitsamt weitergeleitet. Sie dienen als Gedächtnisstütze für den User. Außerdem bietet die App ein Kontakttagebuch, das dem Nutzer seine Aufenthaltsorte der vergangenen 30 Tage zeigt«. Im Erkrankungsfall habe man die Daten dann aber schnell zur Hand.

Bisher hat man auf die Corona-Warn-App des Bundes gesetzt – braucht man diese dann überhaupt noch, oder reicht künftig eine der beiden? »Die Corona-Warn-App erkennt anonym, ob man sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat und gibt gegebenenfalls eine Warnmeldung. Die Luca-App wirkt ergänzend zur Warn-App. Sie dient der erleichterten und effizienteren Kontaktpersonenermittlung. Durch die digitale An- und Abmeldung der Besucher zu einer Veranstaltung, im Geschäft oder Restaurant entfällt die analoge Registrierung in Papierform«, so Reithmeier.

vew

Überblick über Fragen und Antworten des Landratsamtes zur Luca-App

Was ist die Luca-App?

Die Luca-App ergänzt die Corona-Warn-App des Bundes. Während die Warn-App per Bluetooth anonym erkennt, ob man sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat, ermöglicht die Luca-App die spätere Kontaktverfolgung über die persönliche An- und Abmeldung zu einer Veranstaltung. Damit ersetzt sie die analoge Registrierung in Papierform. Die Arbeit der Gesundheitsämter wird durch den Einsatz der Luca-App erheblich vereinfacht und optimiert. Dazu bietet die Luca-App vollen Datenschutz. Das Gesundheitsamt Traunstein nutzt seit 16.04.2021 die vom Freistaat Bayern bereitgestellte luca-App.

Wer kann die Luca-App nutzen?

Überall wo Menschen zusammenkommen ist der Einsatz der Luca-App sinnvoll. Alle öffentlichen Einrichtungen können die Luca-App nutzen, darunter auch Einzelhandel, Firmen, Arztpraxen, alle Art von Veranstalter, deren Besucher und die Gesundheitsämter. Auch bei privaten Zusammenkünften kann die Luca-App genutzt werden. Die Daten aus dem privaten Rahmen werden zwar nicht an die Gesundheitsämter übermittelt, sie dienen dem User aber als Gedächtnisstütze.

Kann man die Luca-App nur auf dem Smartphone nutzen?

Auch Personen, die kein Smartphone haben können das Prinzip nutzen. Ab Ende April sind Luca-Schlüsselanhänger zu erwerben. Auf den Schlüsselanhängern befindet sich ein Barcode, mit dem dann eingecheckt werden kann. Die Wirtschaftsförderung plant, ein Basispaket der Schlüsselanhänger zu erwerben. Es kann auch über ein Kontaktformular beim Veranstalter eingecheckt werden.

Wie funktioniert die Luca-App?

Landkreisbürger installieren sich die kostenfreie App auf dem Smartphone und melden sich einmalig mit ihren Daten an. Die App generiert einen sich ständig ändernden QR-Code, der dem eigenen Gerät zugeordnet ist. Damit kann man bei Betreibern, beispielsweise Geschäften, per Scan einchecken kann. Verlässt man den Betrieb wieder, checkt man aus. Ein optionaler, automatisierter Check-Out schützt vor einem möglichen Vergessen des Abmeldens und reduziert damit die Zahl falscher Alarmierungen wegen eines vermeintlichen Kontakts mit einem Infizierten. Persönliche Daten der Nutzer sind für die Betreiber nicht einsehbar. Bei einem Infektionsfall werden nach entsprechender Freigabe des Infizierten alle Check-ins verschlüsselt an das Gesundheitsamt weitergeleitet. Das Gesundheitsamt informiert die Kontaktpersonen. Außerdem bietet die App ein Kontakttagebuch, das dem Nutzer seine Aufenthaltsorte der vergangenen 30 Tage zeigt.

Welcher Vorteil ergibt sich durch die Luca-App?

Die Luca-App bietet einen unkomplizierten und effizienten Weg der Kontaktverfolgung, durch den die Gesundheitsämter enorm entlastet werden. Eine papierhafte Registrierung der Besucher und Gäste entfällt. Darüber hinaus kann die luca-App auch für Systeme wie Click & Collect und Click & Meet, den Großhandel, Fortbildungen, firmeninterne Meetings oder auch Wartebereichen in medizinischen Einrichtungen genutzt werden.

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