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Foto: David Ebener/dpa-Archivbild

Geld und Schmuck für fast 600.000 Euro erbeutet – Jugendkammer legt weitere Prozesstermine fest

Traunstein – Durch Schockanrufe einer international tätigen Bande im Jahr 2021 sollen Opfer, auch im Rosenheimer Raum, Geld und Schmuck im Wert von insgesamt rund 600.000 Euro auf Nimmerwiedersehen eingebüßt haben.


Zwei mutmaßliche Täter aus Warschau, eine 20-Jährige und ein 33-Jähriger, müssen sich aktuell vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will verantworten. Das zunächst auf fünf Tage terminierte Verfahren zieht sich länger als geplant hin. Zuletzt hatte der Verteidiger einen zusätzlichen Beweisantrag gestellt.

Die Kammer legte weitere Prozesstage am 19. und 22. August sowie am 12., 16., 23. und 26. September fest. Die Sitzungen am 22. August und am 12. September werden allerdings nur sehr kurz sein: Es handelt sich um so genannte »Schiebetermine«, um die gesetzlich fixierten Fortsetzungsfristen einhalten zu können. Haupttäterin bei den Schockanrufen soll die Frau aus Polen sein. Die Staatsanwaltschaft will sie laut Anklage wegen sechsfachen banden-gewerbsmäßigen Betrugs sowie wegen Raubs bestraft wissen. Der 33-Jährige soll fünffache Beihilfe geleistet haben.

Die Methoden krimineller Banden bei Schockanrufen unterscheiden sich meist nur in Details. Zumeist präsentieren nur selten namentlich zu ermittelnde »Keiler« vom Ausland aus am Telefon Angehörigen oder Freunden schlimme Hiobsbotschaften über Unfälle von deren Kindern, Bekannten oder Kollegen.

Nur sofortige Hilfe mit Geld oder Wertgegenständen könne die Unfallverursacher vor dem Gefängnis bewahren. Um eine extreme Notlage zu unterstreichen, sind während des Telefonats im Hintergrund schrille Hilfeschreie zu hören. Die Täter bauen extremen psychischen Druck auf die Opfer auf. Über Logistiker in der Nähe der Tatorte werden dann Fahrer und Abholer der Beute aktiv.

Die 20-Jährige, für die wegen ihres Alters noch die Jugendkammer zuständig ist, soll als eine der Abholerinnen fungiert haben. Dabei soll sie mit dem 33-Jährigen als Fahrer am 18. Mai 2021 in Rosenheim zunächst von einer Geschädigten 42.000 Euro und etwas später am gleichen Tag weitere 46.000 Euro von einer anderen Geschädigten in Empfang genommen haben.

Vier Tage später wurden ein drittes und viertes Opfer um 23.000 Euro beziehungsweise 10.000 Euro geprellt. Die größte Einzelbeute machte die Bande in Kassel am 25. Juni 2021 mit kostbarem Schmuck von namhaften Designern und Edeluhren im Gesamtwert von über 295.000 Euro. Der »Keiler« hatte telefonisch eine »Polizistin« angekündigt. Als die Angeklagte den Schmuck an der Haustüre kassieren wollte, kamen der Zeugin Bedenken. Sie forderte die angebliche »Polizistin« auf, sich auszuweisen.

Die 20-Jährige weigerte sich. Da ging die Kasselerin zurück in ihre Wohnung. Der »Keiler«, immer noch am Telefon, bestand auf der Übergabe des Schmucks. Die Zeugin ging zwar zurück zum Hauseingang, wollte der »Polizeibeamtin« dennoch nicht ihre Pretiosen aushändigen. Da soll ihr die 20-Jährige die Wertsachen unter Anwendung von Gewalt entrissen haben. Folge war ein Bluterguss am Arm des Opfers. Die Täterin und der 33-Jährige am Steuer des Fluchtwagens flüchteten. Zudem soll die 20-Jährige alleine bei mehreren ähnlichen Straftaten im Frühjahr 2021 im nordbayerischen Raum eine Gesamtbeute von 83.000 Euro im Auftrag der Bande entgegengenommen haben.

kd

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