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Geheimnis um Gruft in St. Oswald geklärt

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Bei der Gruft handelt es sich doch um die ehemalige Familiengrabstätte der Familie Reitter. (Foto: Wannisch)

Traunstein – Das Geheimnis, das sich hinter der vermeintlich unbekannten Gruft in der Stadtpfarrkirche St. Oswald verbirgt, ist wohl weitestgehend geklärt. »Es handelt sich doch um die Reitter'sche Familiengruft, anders als wir anfangs vermutet haben«, sagte Stadtpfarrer Georg Lindl auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Das hätten die bisherigen Untersuchungen ergeben. Die Gruft war bei den derzeit laufenden Renovierungsarbeiten im Dezember vergangenen Jahres unterhalb der Orgelempore entdeckt worden.


Die Gruft ist bereits bei Renovierungsarbeiten 1960 geöffnet, allerdings in den Unterlagen nicht dokumentiert worden. Aufschluss, dass es sich bei der Gruft aus dem 17. Jahrhundert doch um die ehemalige Gruft der Familie Reitter handelt, gab auch ein Artikel, der am 1. Oktober 1960 in den Chiemgau Blättern erschienen ist. Dort heißt es: »Es handelt sich um die ehemalige Reitter'sche Familiengruft, in der später auch Priester und Mitglieder der Allerseelenbruderschaft ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Inzwischen ist die Gruft wieder mit einer Betondecke, die unter dem Kirchengestühl eingebracht wurde, verschlossen.«

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Die damaligen wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben, dass dort wenigstens sieben Leichname bestattet wurden, darunter vermutlich vier Priester. »Ein Birett auf der Kopfseite des rechten Sargs und eine Stola im Sarg auf der linken Seite bestätigen dies. Auch die unter diesen beiden Särgen Bestatteten werden als Priester angenommen.«

Warum die höhere Zahl an Leichnamen – man ging im Dezember von maximal drei Bestatteten aus – bei der jüngsten Wiederentdeckung nicht sofort ersichtlich war, liege wohl daran, dass durch die Öffnung in den 1960er Jahren der Zersetzungsprozess beschleunigt wurde. Lindl vermutet weiterhin, dass die Gruftentdeckung 1960 auch deswegen nicht dokumentiert wurde, weil Bauverzögerungen durch etwaige Denkmalschutzmaßnahmen befürchtet wurden.

Der Stadtpfarrer hatte zunächst vermutet, dass die Reitter-Gruft unter einem Seitenaltar in der Nordwestecke der Stadtpfarrkirche ist. Hier habe man sich geirrt, denn aus der Chronik des Reitterhauses, das an der Nordwestecke des Stadtplatzes ist, geht hervor: »Ferdinand Reitter, churfürstlicher Kastner und Mautner dahier, starb im Jahre 1691 und wurde in der Reitter'schen Familiengruft in der St. Oswaldkirche beigesetzt.

Diese Gruft befindet sich hinter dem eisernen Gitter bei dem rechten Pfeiler und gehört jetzt der St. Oswaldkirche und der Allerseelenbruderschaft. In der selben befinden sich auch die Leichname mehrer Priester, wie der Grabstein bei dem Maria-Altar bezeigt.« Welche Gruft sich wiederum nun in der Nordwestecke der Kirche befindet, bleibt unklar. Dem werde man aber auch nicht nachgehen, so Lindl. »Wir öffnen nicht grundlos oder aus Neugierde eine Grabstätte.«

Die genaue Datierung der in der Gruft liegenden Leichname ist noch nicht abgeschlossen, die C14-Analyse noch im Gange, wie Lindl bestätigt. Die Gruft wird indes wieder verschlossen, damit die Sanierungsarbeiten in St. Oswald weitergehen können. Eine Aufschüttung mit Sand aus statischen Gründen ist nicht erforderlich. »Die Leichname bleiben in der Gruft und werden nicht umgebettet, eine Steinplatte mit Gravur über dem verschlossenen Eingang am Boden soll künftig auf die Gruft hinweisen«, sagt der Stadtpfarrer. vew