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Gefährliche Situationen auf Schulweg in Kammer: »Sicherheit muss oberste Priorität haben«

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Traunstein: Beinahe Schulkind in Kammer überfahren – Lösungen für Bushaltestelle und Ampel gesucht
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An dieser Ampel in Kammer ist es schon mehrfach zu gefährlichen Situationen gekommen. Nun soll sich einiges ändern. (Fotos: Reiter)

Traunstein – Immer wieder kommt es in Kammer zu gefährlichen Situationen für Kinder auf ihrem Schulweg. »Die Verkehrssituation birgt durch die viel befahrene Straße an sich hohes Gefahrenpotenzial«, betont Schulleiter Alexander Fietz. Doch er ist zuversichtlich, dass nun Verbesserungen in die Wege geleitet werden. »Die Sicherheit der Schulkinder muss oberste Priorität haben.«


Um sich ein Bild von den Problemen in Kammer zu machen, hatten sich Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer, Vertreter der Stadtverwaltung, der Grundschule Kammer, der Polizei, des RVO (Regionalverkehr Oberbayern), des Elternbeirats, des Dorfentwicklungsvereins Kammer-Rettenbach und der Schulleiter an der Fußgängerampel getroffen, an der es fast zu einem schlimmen Unfall gekommen wäre:

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Zwei Schulkinder waren aus dem Bus ausgestiegen und hatten bei »Grün« den Zebrastreifen überquert. Ein Autofahrer war unter Missachtung des Rotlichts losgefahren und konnte nur äußerst knapp abbremsen – wobei ein Kind das andere im letzten Moment rettete, indem es dieses zur Seite zog.

Das Problem sei, dass hier Schulkinder morgens auf Autofahrer treffen würden, die es eilig hätten, sagt Schulleiter Alexander Fietz. Die Kinder seien beim Aussteigen aus dem Bus gedanklich schon in der Schule. Die Autofahrer würden »möglichst schnell von A nach B wollen«. Die Ampel sei offensichtlich nicht für jeden gut einsehbar, sagt Alexander Fietz – und werde teils auch von den haltenden Bussen verdeckt.

Deshalb begrüßt er die bei dem Ortstermin ins Gespräch gebrachten Vorschläge: Den Bau einer sogenannten Peitschenampel, die über der Straße hängt, eine Tempo-30-Zone und vermehrte Geschwindigkeitskontrollen der Polizei. »Ich wünsche mir, dass es nicht an der Finanzierung scheitert. Die Sicherheit der Schulkinder muss oberste Priorität haben«, betont Rektor Alexander Fietz, der an dem Tag auch in die vier Klassen ging, um die Kinder für das Thema zu sensibilisieren.

Hier helfe nur, »die Gefahren auch regelmäßig im Unterricht anzusprechen und das Training vor Ort«. Er habe selbst gesehen, wie Kinder bei »Grün« die Fahrbahn betreten und die Straße überqueren. »Kinder, die hinter ihren Schulkameraden her laufen, gehen dann auch bei 'Rot' noch weiter. Sie wollen einfach hinter der Gruppe herlaufen«, sagt Fietz.

»Uns ist es äußerst wichtig, dass der Schulweg der Kinder so sicher wie möglich ist«, betont auch Claudia Lahr, die Vorsitzende des Elternbeirats der Ludwig-Thoma-Schule, zu der auch Kammer gehört. Für die Schulkinder dort sei dies aufgrund der beengten Verhältnisse im Ortskern, die schmalen Bürgersteige, Tempo 50 km/h und wenigen Möglichkeiten, die Straße zu überqueren, durchaus eine Herausforderung.

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An dieser Stelle auf dem Gehsteig – von oben kommend verdeckt durch die Kapelle – stehen mittags die Kinder direkt an der viel befahrenen Straße.

Für sie und Elternbeirat Oliver Freinecker ist es deshalb schwer nachvollziehbar, »dass einheimische Autofahrer immer wieder das Rotsignal an der Ampel missachten und an einem wartenden Bus mit Tempo 50 km/h vorbeifahren, wenn dazu noch ringsherum Schulkinder unterwegs sind«. Bereits mehrfach seien hier »um ein Haar Kinder überfahren worden, die sich völlig regelkonform verhalten haben«, betont der Kammerer Elternbeirat Oliver Freinecker.

Wie könne man von kleinen Kindern mehr Vernunft und Umsicht im Straßenverkehr erwarten, wenn Erwachsene nicht mit gutem Beispiel vorangehen würden? »Doch offensichtlich fehlt bei vielen Autofahrern die Motivation, sich an die Regeln zu halten. In diesem Sinne hoffen wir, dass die angedachten Maßnahmen möglichst zeitnah umgesetzt werden und dass – sollte sich dann an der Situation immer noch nichts ändern – auch Sanktionen folgen«, betonten die beiden Elternbeiräte. Sie hoffen hier auch auf die Unterstützung der Polizei, »die Verstöße konsequent zu ahnden«.

»Wir gehen möglichst spät los«

Gerti Huber hat eine große Verantwortung. Die Hausmeisterin der Schule bringt die Kinder nach Schulschluss zum Bus. »Wir gehen möglichst spät los, damit wir nicht lange an der Straße stehen müssen«, sagt sie. Das Problem sei, dass die Kinder nach sechs Stunden Schule »auch zappelig sind. Sie tun sich oft schwer, ruhig zu stehen. Da muss ich manchmal resolut sein«, betont Gerti Huber.

Zweimal täglich, also um kurz nach zwölf und und kurz nach eins, geht sie mit einer Gruppe Schüler aus der ersten bis vierten Klasse an der Ampel über die Straße und wartet mit den Buben und Mädchen auf der anderen Straßenseite auf den Bus. »Ich sage den Kindern auch immer wieder: 'Schaut noch einmal links und rechts, auch wenn ihr Grün habt an der Ampel'.«.

Die Schüler, die bereits um kurz nach elf aus hätten, würden direkt vor der Schule abgeholt. »Da fahren die Busse rein. Das sind keine Linienbusse«, sagt Gerti Huber. Sie wäre froh, wenn sie Unterstützung bekommen würde von ehrenamtlichen Schulweghelfern. »Aber da findest du ja keinen«, sagt sie. »Das hätten wir schon mehrfach versucht.«

Das befürchten auch Christian Richter und Max Hiebl vom Dorfentwicklungsverein Kammer-Rettenbach. Trotzdem wollen Sie einen Aufruf starten. »Vielleicht hat ja doch jemand Zeit und Lust? Es muss ja auch nicht jeden Tag sein.« Denn jeder einzelne Tag wäre schon ein Gewinn.

Für Max Hiebl hat sich mit dem Vorfall jetzt an der Ampel die Geschichte wiederholt. Denn vor vier Jahren war an der Stelle seine Tochter von einem Auto angefahren und leicht verletzt worden. Damals gab es noch keine Ampel, nur einen Zebrastreifen.

Die nun vorgeschlagenen Ideen – von Tempo 30 bis Peitschenampel – begrüßen die beiden ausdrücklich. Außerdem seien die Busfahrer angehalten worden, an einer bestimmten Stelle zu halten – so, dass die Ampel nicht verdeckt werde. Die Kinder wiederum sollten die Ampel erst drücken, wenn der Bus weg sei. »Damit das Ganze entzerrt und übersichtlicher wird«, betont Christian Richter.

Er und Max Hiebl loben ausdrücklich das schnelle Reagieren der Stadt und das Engagement von Oberbürgermeister Christian Hümmer in dieser Sache. Sie hoffen, dass die beim Ortstermin erarbeiteten Vorschläge rasch umgesetzt werden. »Wir wollen unbedingt, dass der Schulweg sicherer wird«, betonen die beiden. – Ein erster Schritt wurde bereits gemacht. Gestern wurde ein sogenannter Smiley aufgestellt, eine Geschwindigkeitsanzeigentafel mit glücklichem oder traurigem Gesicht. KR

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